Challenge League

Ein Eingeständnis, ein gelungener Systemwechsel und eine unwürdige Kulisse: drei Erkenntnisse vom FCA-Sieg gegen Stade-Lausanne

Es war kein Augenschmaus, dafür ein Akt der Solidarität und dank einer kämpferisch einwandfreien Leistung verdient: Das 2:0 des FC Aarau auswärts gegen Aufsteiger Stade Lausanne-Ouchy. Drei Erkenntnisse aus dem fünften Saisonsieg:  

Erkenntnis Nummer 1: Das Eingeständnis einer Fehleinschätzung

Mitunter aus finanziellen Gründen entschied FCA-Sportchef Sandro Burki nach der vergangenen Saison, den abgewanderten Abwehrchef Nicolas Bürgy (zurück zu YB) nicht zu ersetzen. Stattdessen soll sich aus dem bestehenden Trio Marco Thaler, Nicolas Schindelholz und Giuseppe Leo ein neuer Defensivboss herauskristallisieren. Dass bislang keiner der Drei in guter Form war, ist einer der Hauptgründe für die (viel zu) vielen Gegentore (28 in 13 Spielen).

Am Wochenende vor dem Auswärtsspiel gegen Stade Lausanne-Ouchy dann das Eingeständnis von Trainer Patrick Rahmen, dass er und Burki sich im Sommer bei der Einschätzung der Qualitäten der Innenverteidiger getäuscht hatten. Zumindest kann man folgende Rochade so deuten: Rahmen beorderte Captain und Mittelfeldspieler Elsad Zverotic ins Abwehrzentrum. Für Zverotic ist die Position nicht neu, schon in Sion und in den Anfängen beim FCA hat er dort gespielt. Seine Lieblingsposition ist es jedoch bei weitem  nicht - umso höher einzuschätzen ist sein fehlerfreier Auftritt gegen Stade Lausanne-Ouchy.

Elsad Zverotic sorgte in der FCA-Abwehr für Stabilität

Elsad Zverotic sorgte in der FCA-Abwehr für Stabilität

Zum Opfer von Zverotics Rollenwechsel wurde Giuseppe Leo: Er schaffte es nicht aufs Matchblatt. Gemäss den FCA-Verantwortlichen nicht, weil seine Leistungen im Vergleich mit Thaler und Schindelholz abfielen, sondern weil sich Leo momentan zu viel Druck mache und dadurch verkrampfe. Theoretisch hat Leo die Chance, am kommenden Wochenende gegen Vaduz wieder ins 18-Mann-Kader zu rutschen. Ob er sogleich auch wieder auf dem Platz steht, ist mehr als fraglich: Angesichts der Tatsache, dass der FCA am Genfersee erst zum zweiten Mal in dieser Saison ohne Gegentor bliel, dürfte Rahmen an der neu formierten Abwehr kaum etwas verändern.

Erkenntnis Nummer 2: Der Systemwechsel zahlt sich aus

Seit Patrick Rahmen im Sommer 2018 FCA-Trainer wurde, liess er die Mannschaft meistens im 4-2-3-1-System auflaufen. Also mit nur einer Sturmspitze und Markus Neumayr als Spielmacher dahinter. 

Als Reaktion auf die resultat- und leistungsmässige Talfahrt stellte Rahmen vor der Partie gegen Lausanne-Ouchy auf ein 4-4-2 um. Das bekannteste System ist gleichzeitig das einfachste: Die Mannschaft bewegt sich in drei Ketten (Abwehr, Mittelfeld, Sturm) über den Platz, jeder Spieler hat ganz klare Aufgaben. Im Gegensatz zum 4-2-3-1, das geistig viel mehr von den FCA-Profis abverlangt. Und weil es der Mannschaft schon an Selbstvertrauen mangelte, zog Rahmen die taktisch einfachere Variante vor - mit Erfolg: In der zweiten Halbzeit, in der beide Aarau-Tore zum 2:0-Sieg fielen, hatten einige Angriffe und vor allem die Defensivarbeit Hand und Fuss.

Erkenntnis Nummer 3: Eine unwürdige Kulisse

Der Speaker im Stade Colovray meldete in der zweiten Halbzeit "150 Zuschauer". Schon diese Zahl ist für eine Partie im Schweizer Profifussball unwürdig, doch sie war ganz eindeutig zu hoch gegriffen: Vereinzelt besetzte Plätze auf der Haupttribüne, etwa zehn Heimfans auf der Gegengeraden und eine gute Handvoll mitgereiste FCA-Supporter (der Grossteil der "Szene Aarau" blieb wegen der Stadiondemo in Aarau): Mehr Leute waren nicht zu sehen. 

Statt der optimistischen Zahl des Stadionspeakers war jener der FCA-Fotografin mehr Glauben zu schenken - sie sprach nach dem Schlusspfiff von "handgezählten 92 Zuschauern". 92? Es würde nicht überraschen, wäre dies absoluter Minusrekord seit Gründung der Challenge League.

Die FCA-Mannschaft beim Warm-Up in Nyon - ganz alleine, ohne Zuschauer

Die FCA-Mannschaft beim Warm-Up in Nyon - ganz alleine, ohne Zuschauer

Doch warum interessiert sich fast niemand für die Heimspiele von Aufsteiger Stade Lausanne-Ouchy? Weil die eigentliche Heimstätte "Centre Sportif de Vidy" in Lausanne den Liga-Anforderungen an ein Profistadion nicht genügt, musste sich der Klub nach dem Aufstieg nach einer alternativen umsehen. Die wurde erst im 40 Kilometer entfernten Nyon gefunden. Der Fakt, dass auch die Heimspiele in der Fremde ausgetragen werden, sorgte gemäss Mittelfeldspieler und Ex-Aarau-Profi Michael Perrier dafür, dass die eh schon tiefen Zuschauerzahlen ins Bodenlose absackten. "In der Aufstiegssaison hatten wir auch nie mehr als 400 Zuschauer, von denen kommt jetzt kaum jemand nach Nyon."

Dass Stade Lausanne-Ouchy in dieser Saison trotzdem einen Zuschauerschnitt von 593 ausweisen kann, liegt an den mitgereisten Fans der Gästeteams sowie an der optimistischen Zählweise des Stadionspeakers. Und weil die FCA-Fans am Samstag zugunsten der Stadion-Demo auf die Reise an den Genfersee verzichteten, war die für Profifussball unwürdige Kulisse von etwas zwischen 92 und 150 Zuschauern Tatsache...

Übrigens: Der FC Aarau führt bislang mit durchschnittlich 3700 Fans die Zuschauertabelle der Challenge League an - vor Tabellenführer Lausanne und dem FC Winterthur.

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