Spiel vier der Halbfinal-Serie zwischen den ZSC Lions und Lausanne. Kurz vor Schluss, es steht 1:5 für die Lions: Simon Fischer liefert sich einen Boxkampf mit ZSC-Verteidiger Patrick Geering. «Ich wollte zeigen, dass wir uns noch nicht abgeschrieben haben», sagt der Stürmer.

Nach diesem Spiel, das letztlich 1:7 verloren ging, lag Lausanne in der Serie 1:3 hinten und der Startsieg im Hallenstadion verkam zur Randnotiz.

Wie schon vor der Serie rechneten wieder alle mit einer schnellen Halbfinalqualifikation der Zürcher. Alle? Nicht ganz. Die Lausanner glaubten an ihre Chance. «Die 1:7-Klatsche hat uns aufgeweckt. Wir haben den Glauben nie verloren und kehrten zu den Bascis zurück: Konsequent unser System spielen», erklärt Simon.

Sein Boxkampf, den er nach Punkten gewann, als Weckruf? «Vielleicht.» Jeder habe seine Rolle im Team, sagt er. Seine sei nicht primär, zu skoren (Simon hat in den Playoffs noch keinen Skorerpunkt), sondern das Körperspiel. «Ich muss meinen Sturmpartnern Genoway und Setzinger Platz verschaffen.»

Simon Fischer spielt seine vierte Saison bei Lausanne. Genau wie sein jüngerer Bruder Jannik. Es sei aber nicht geplant gewesen, gemeinsam zu Lausanne zu wechseln. «Ich kam von Langenthal, Jannik wechselte vom Zuger Nachwuchs zu Genf-Servette, kam aber mit einem 2-Weg-Vertrag zu Lausanne. Es war purer Zufall.» Seither spielen die Boswiler, die einst beim HC Wohlen Freiamt mit Eishockey spielen begannen, zusammen beim letztjährigen Aufsteiger.

Viel Kontakt zur Familie

Heute also Spiel sieben gegen die ZSC Lions. Freuen sich die Fischers schon auf Freiburg, den allfälligen Halbfinalgegner? «Es ist Playoff. Wir sind voll auf das Spiel gegen den ZSC fokussiert», weicht Simon aus. Als er das Telefon an Bruder Jannik, der im Auto nebenan sitzt, weitergibt, sagt auch dieser: «Wir denken noch nicht an Freiburg.» Volle Konzentration dem Duell mit dem Qualifikationssieger, der auf dem Papier ganz klar besser einzustufen sei, so Jannik. «Aber wir wissen, wie wir sie schlagen können.»

Gestern Nachmittag galt es, «einfach nichts zu machen», wie Jannik weiter erzählt. Um die ganze Energie ins Spiel von heute legen zu können. Die Unterstützung von Familie und Freunden ist ihnen dabei gewiss. «Wir haben viel Kontakt zur Familie und zu Kollegen in der Deutschschweiz. Auch während der Playoffs. Unsere Mutter kommt wann immer möglich nach Lausanne, um uns spielen zu sehen», so Jannik.

Erste NLA-Saison

Die Fischer-Brüder spielen ihre erste NLA-Saison. Eine grosse Umstellung? «Zu Beginn war es schon schwer. Alles ist viel schneller», sagt Simon. Jannik, der Verteidiger, hingegen findet: «Wir haben schon zu Juniorenzeiten A-Luft geschnuppert. Und bei Lausanne waren Trainings und Infrastruktur bereits in der NLB auf NLA-Niveau.» Ausserdem hätten sie im Sommer hart gearbeitet. Er stimmt aber zu, dass man in der höchsten Liga viel weniger Zeit habe, sobald man in Puckbesitz sei.

Mit ihrer Saison können die Lausanner zufrieden sein. Mit der Playoff-Qualifikation haben sie ihr Ziel bereits übertroffen. Aber: «Wir sind nicht in den Playoffs, um mitzuspielen. Wir wollen den ZSC in die Ferien schicken!», kündigt Jannik Fischer mutig an.

Flüge buchen beim ZSC?

Welche Schlagzeilen würden die Brüder morgen über das heutige Spiel gerne lesen? «Die Schlagzeile ‹Der ZSC fliegt raus, Lausanne steht im Halbfinal› würde mir gefallen», sagt Simon, nachdem er zuerst erklärte, dass sie nicht den Boden unter den Füssen verlieren dürften. Bruder Jannik ist etwas mutiger: «Ich will lesen: ‹Die Zürcher können die Flüge buchen.› Wir müssen Vollgas geben, sonst ist die Saison vorbei.»

Das Programm der Fischers am Matchtag: Warm-up, Mittagessen, Carfahrt nach Zürich. Ungefähr zwei Stunden vor Spielbeginn sollten die Lausanner dort eintreffen. Und dann alles daransetzen, die gewünschten Schlagzeilen wahr zu machen.