Handball

Ein Abenteuer mit vielen Unbekannten: Die Suhrerin Pascale Wyder wechselt in die Bundesliga

Die Suhrer Handballerin Pascale Wyder erfüllt sich mit ihrem Wechsel in die Bundesliga einen Kindheitstraum.

Die Suhrer Handballerin Pascale Wyder erfüllt sich mit ihrem Wechsel in die Bundesliga einen Kindheitstraum.

Die bald 25-jährige Handballerin wechselt von den Spono Eagles in die Bundesliga zu Frisch auf Göppingen. Sowohl Klub und Teamkolleginnen als auch ihre Wohnung kennt Pascale Wyder aufgrund der Coronakrise nur von Videotelefonaten – beirren lässt sie sich davon aber nicht.

Im Kalender von Pascale Wyder ist der 25. Juni 2020 deutlich markiert. Dass sie an diesem Tag ihren 25. Geburtstag feiert, ist allerdings nicht der Grund. Statt Party steht nämlich ein Umzug auf dem Programm.

Denn just am Tag ihres Geburtstages bricht die Handballerin ihre Zelte im Elternhaus in Suhr ab und zieht mit Sack und Pack nach Göppingen, wo sie künftig spielen wird.

In der unweit von Stuttgart gelegenen deutschen Stadt mit etwas mehr als 57000 Einwohnern erwartet Wyder das bisher grösste Abenteuer ihres Lebens – eines, mit vielen Unbekannten.

Coronakrise verhindert Augenschein vor Ort

Entgegen der Gepflogenheiten im Sportgeschäft war es der Suhrerin nicht möglich, sich vorgängig vor Ort ein Bild ihrer neuen Heimat zu machen. Die Coronapandemie verhinderte das. Just am 16. März wurde die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland dicht gemacht.

Ausgerechnet an jenem Montag also, an dem Wyder eigentlich für persönliche Gespräche mit den Verantwortlichen und eine Besichtigung der Anlagen nach Göppingen hatte reisen wollen. «Deshalb haben wir dann alles am Telefon geregelt», sagt Wyder.

Von diesen erschwerten Umständen hat sie sich nicht verunsichern lassen und wie geplant einen Zweijahresvertrag beim Bundesligisten Frisch auf Göppingen unterschrieben. «Ich freue mich mega auf die neue Herausforderung. Mit diesem Wechsel erfülle ich mir einen Kindheitstraum», sagt Wyder. Schon als kleines Mädchen habe sie von der grossen Bundesliga geträumt.

Innert fünf Jahren zur Leaderin in Nottwil geworden

Zuletzt war Wyder in Diensten der Spono Eagles in der SPL1 gestanden, wo sie sich innert fünf Jahren zur Leaderfigur und zur Topskorerin ihres Teams entwickelt hatte. Zwei Meister- und ebensoviele Cuptitel hat sie in der Innerschweiz gewonnen.

In Nottwil hat sich Pascale Wyder innert fünf Jahren zur Leaderfigur und Topskorerin entwickelt.

In Nottwil hat sich Pascale Wyder innert fünf Jahren zur Leaderfigur und Topskorerin entwickelt.

Lanciert hatte die 1,72 Meter grosse Rechtshänderin ihre Karriere bei Rotweiss Buchs, dem HSC Suhr Aarau und dem TV Zofingen. Den Weg zum körperbetonten Sport hat sie über ihre Eltern gefunden. Beide spielten sie selber aktiv Handball, die Mutter trainierte ausserdem während langer Zeit die Minis des HSC und ist heute Ehrenmitglied des Aargauer NLA-Klubs.

Mittlerweile ist Wyder 42-fache Nationalspielerin und hält gar einen Schweizer Rekord: Im Oktober 2018 erzielte sie beim 45:42-Sieg der Spono Eagles im Cup-Achtelfinal gegen die HSG Leimental sagenhafte 21 Treffer – so viele wie noch niemand sonst im Schweizer Spitzenhandball.

Trainingsvorsprung auf künftige Teamkolleginnen

Trotz der langen Zwangspause nimmt Wyder ihr erstes Abenteuer im Ausland unter besten Voraussetzungen in Angriff: Im Gegensatz zu ihren künftigen Mitspielerinnen konnte sie in den vergangenen Wochen in Nottwil wieder mit dem Team trainieren.

Zumindest bis zum Auslaufen ihres Vertrages per Ende Mai. Daneben hat sie ein von den Verantwortlichen in Göppingen zusammengestelltes Individualprogramm absolviert.

Vorfreude auf die neue Herausforderung

Wyder freut sich auf die neue Liga, das neue Team und das neue Umfeld. Eine weitere Unbekannte erwartet sie auch in ihrem Alltag neben dem Sport: Wyder wird ein 50-Prozent-Pensum als Lehrerin übernehmen – nach Abschluss ihres Studiums in diesen Wochen wird sie damit ausgerechnet in Deutschland zum ersten Mal in Alleinregie vor einer Klasse stehen.

Bevor es Ende Monat nach Göppingen geht – in eine Wohnung die sie nur von Videotelefonaten mit ihrem Trainer kennt – hat Wyder noch ein vollbepacktes Programm: Neben den Umzugsvorbereitungen stehen noch die letzte Prüfung und die Abgabe ihrer Abschlussarbeit an.

Dann steht dem Abenteuer mit vielen Unbekannten nichts mehr im Weg.

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