Um 22:30 Uhr erreichte die vierte Ausgabe der Swiss Handball Awards ihren Höhepunkt. Der Laudator und ehemalige Handballprofi Pascal Jenny verkündete den Most Valuable Player (MVP) der Saison 2014/2015 bei den Männern. Der in Aarau aufgewachsene Marcel Hess setzte sich gegen Lukas von Deschwanden und Roman Sidorowicz durch und holte sich zum ersten Mal in seiner Karriere die Auszeichnung des MVP.

«Das alles kommt für mich etwas überraschend», sagte Marcel Hess nach seinem Triumph, «aber es ist eine wunderschöne Wertschätzung.» Der Aargauer war auch noch in der Kategorie «Bester Schweizer Spieler des Jahres» nominiert. Doch schon vor der Bekanntgabe ahnte er, dass er dort keine Chance haben wird. «Wir alle wissen, wer diese Auszeichnung am meisten verdient», sagte er mit einem Lächeln auf der Bühne.

Hess meinte Andy Schmid, der in Deutschland für Rhein-Neckar Löwen spielt. Und er sollte recht behalten: Schmid, der sich mittels Videobotschaft an die Gäste wandte, wurde als bester Schweizer Spieler der abgelaufenen Saison ausgezeichnet.

Der «Terrier»

Hess war das wohl gerade recht. Es schien so, als behage ihm das Interesse an seiner Person nicht. Willy Hediger, langjähriger Trainer des TV Zofingen, kennt den frischgekürten MVP bestens. «Hess ist ein typischer Kämpfer, ein Terrier. Er hat sich das alles durch viel Ehrgeiz und Wille erarbeitet.» Der 32-Jährige zeichnete sich in jungen Jahren nicht gerade als «grösstes Talent« aus. «Trotzdem hat er es geschafft, dass verdient grössten Respekt», sagte Hediger anerkennend.

Hess, der seit 2010 bei Pfadi Winterthur engagiert ist, hat eine lange Aargauer Vergangenheit. Er spielte sieben Jahre lang für den TV Suhr, mit dem er 2001 Schweizer Meister wurde. «Ich fühle mich im Aargau sehr wohl. Aarau ist meine Heimat.» 2006 wechselte Hess zum GC Amiticia Zürich, wo er zwei weitere Meistertitel feiern konnte. Danach musste sich der Nationalspieler lange gedulden, ehe er wieder einen Pokal in die Höhe stemmen durfte. Vor knapp einem Monat war es soweit: Mit Pfadi Winterthur holten sich Hess und Co. den vierten Cupsieg der Vereinsgeschichte. «Ein überwältigendes Gefühl. Ich bin Mannschaftssportler durch und durch, darum schäme ich mich schon fast ein bisschen, für eine solche individuelle Auszeichnung.»

Crème de la Crème

Auch in der Nationalmannschaft hat Hess seine Spuren hinterlassen. Der linke Aussenläufer absolvierte bereits 110 Länderspiele und netzte dabei 152 Mal für Rot-Weiss ein. Eine Weltmeisterschafts-Teilnahme blieb ihm aber bisher, wie noch vielen anderen Schweizern, verwehrt.

Die Award-Nacht wurde im Kultur- und Kongresszentrum Trafo Baden durchgeführt. Die ganze Handball-Familie war in Baden zu Gast und genoss neben dem Drei-Gang-Menü die professionelle Moderation des SRF-Sportmoderators Paddy Kälin. Der Bündner Komiker Claudio Zuccolini sorgte dafür, dass sich die Crème de la Crème des Schweizer Handballsports bestens unterhielt.

Für den grössten Lacher des Abends war aber nicht Zuccolini zuständig, sondern Ruedi Zahner. Der ehemalige Trainer des FC Aarau durfte den Trainer des Jahres verkünden. Zuvor liess er es sich aber nicht nehmen, noch einen kleinen Seitenhieb Richtung Fussball zu setzen. «Wir wissen ja alle, dass Handballer sowieso mehr im Kopf haben als Fussballer.»

Einen besonders emotionalen Moment war die Verleihung des «Special Awards» an Vroni Keller, die zwölf Jahre lang Trainerin bei LH Brühl war. Unter einer Standing Ovation wurde die abtretende Trainerin auf die Bühne gebeten und für ihr Lebenswerk geehrt.

Daniel Zobirst, Verleger der Zeitschrift «handballworld» und Organisator der Gala, konnte sich auf die Schultern klopfen. Die Award Night hat definitiv Fuss gefasst. Mit einer spektakulären Bühnenshow und der Ankündigung fürs nächste Jahr ging die vierte Gala zu Ende.