Eishockey

Ein Aargauer verteidigt für die Schweiz bei der Weltmeisterschaft

Robin Grossmann fährt zur WM.

Robin Grossmann fährt zur WM.

Eine Karriere, die in Wohlen begonnen hat, wird in Stockholm gekrönt: Der Dintiker HCD-Verteidiger Robin Grossmann ist die erstaunlichste WM-Selektion von Nationaltrainer Sean Simpson.

Er ist cool, frech, unbekümmert und selbstsicher. HCD-Trainer Arno Del Curto hat sich über Grossmann schon so aufgeregt, dass er letzte Saison seinem aufmüpfigen Verteidiger einmal vor einem Spiel sagte: «Du weisst ja immer alles besser. Also bestimmst Du jetzt, welche Ausländer heute spielen.»

Nun ist der Dintiker zum ersten Mal in seiner Karriere ins WM-Team aufgenommen worden. Zweimal war der Verteidiger von Sean Simpson erst im letzten «Cut», bei der letzten Kaderkorrektur vor der WM, doch noch ausgebootet worden (wir berichteten).

Diesmal hat es gereicht. Die überraschendste WM-Nomination.

Tim Ramholt, sein HCD-Teamkollege mit klar besseren Plus/Minus-Bilanzen und einer der meistunterschätzten Defensiv-Verteidiger der Liga, ist beispielsweise von Simpson ausgemustert worden.

Grossmann ist bei den Kloten Flyers zu einem kompletten, flinken, mutigen Verteidiger ausgebildet worden und hat bereits in allen Junioren-Nationalteams gedient. Mit ihm bekommt das WM-Team 2013 eine Prise Unbekümmertheit.

Kritiker monieren: Er ist ein Unsicherheitsfaktor. Solche Kritik kümmert ihn wenig. Er freut sich auf diese WM und er hat eine Eigenschaft, die grosse Spieler auszeichnet: Er kann Störfaktoren ausblenden und sich auf eine Aufgabe konzentrieren und freuen. Das ist in seinem Fall ganz besonders wichtig. Nationalverteidiger sind auf dem nationalen Spielermarkt ganz besonders gesucht.

Lieblose Behandlung

Ein Trainer, der einen hat, hegt und pflegt ihn, liest ihm jeden Wunsch von den Augen ab und erkundigt sich tagtäglich nach dem Wohlbefinden.

Bei Grossmann ist es erstaunlicherweise ganz anders: Er wird von Del Curto lieblos wie ein Verdingbub behandelt. Seit dem letzten Februar wartet der 25-Jährige vergeblich auf ein gutes Wort vom Trainer.

Ja, er weiss nicht einmal, ob ihn der Trainer nächste Saison überhaupt noch haben will. «Ich hatte im Februar eine Auseinandersetzung mit Arno und seither herrscht Funkstille», sagt Grossmann.

Gewährsleute melden, er sei verdächtigt worden, innerhalb des Teams eine oppositionelle Jass-Gruppierung gebildet zu haben, zu der auch der bereits nach Kloten abgeschobene Janick Steinmann gehört haben soll.

Arno Del Curto will von einer revolutionären Kernzelle nichts wissen und sagt, er sei einfach mit den Führungsqualitäten Grossmanns nicht zufrieden gewesen, und bestätigt polternd die Funkstille:

«Er kann mich ja anrufen, wenn er etwas wissen will. Er hat ja meine Natelnummer. Warum sollte ich ihn anrufen? Er steht bei uns unter Vertrag und damit basta. Wenn ein Spieler einen Vertrag hat und der Trainer nichts sagt, dann heisst das doch, dass der Trainer auf ihn setzt. Wir wollten endlich mit diesem Gejammer aufhören und professionell werden. Ruft denn der Trainer in der NHL einen Spieler an? Sicher nicht.»

Das ist recht kurios. Ist doch Arno Del Curto ein Grossmeister der Kommunikation. Grossmanns Agent hat deshalb den HCD-General gefragt, ob er einen Transfer seines Klienten aus dem laufenden Vertrag – bis 2014 – heraus zu erwarten habe. Doch er habe vom HCD-Trainer keine Antwort erhalten.

Warum diese Unsicherheit? Del Curto klärt auf: «Je nachdem, wie sich die Situation entwickelt, erlaubt unser Budget für nächste Saison nur drei Ausländer.»

Es sei deshalb nicht ausgeschlossen, dass er halt noch im August aus finanziellen Gründen auf einen Schweizer Spieler verzichten müsse. Er dementiert nicht, dass dies Grossmann sein könnte.

Diese Befürchtung hegt Grossmanns Agent schon deshalb, weil ihm zugetragen worden ist, dass sich Del Curto um einen sehr interessanten jungen, aber günstigen Verteidiger bemüht: Langnaus Valentin Lüthi, 19 Jahre alt. Ein Rohdiamant.

Bei dessen Postur – 189 cm/93 kg – bekommt NHL-Fan Del Curto Augen wie ein Kind vor dem Weihnachtsbaum.

Das wäre ein bäumiger Schachzug: Den teuren Rebellen Grossmann gegen den günstigen Lüthi tauschen und dabei so viel Geld sparen, dass es doch für den vierten Ausländer reicht.

Keine Sorge um die Zukunft

Bei so viel Ungewissheit ist es gut, dass sich Grossmann nicht aus der Ruhe bringen lässt. «Das kümmert mich alles nicht. Ich will jetzt einfach eine gute WM spielen.»

Er weiss: Muss er in Davos gehen, gibt es im Unterland grosse Teams mit einer «Transfer-Kriegskasse», die ihm auch noch im September einen roten Teppich ausrollen werden.

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