Den Doppelsieg verglich Eggenschwiler mit einem «Lottosechser». Im 84,9 Kilometer langen T88 mit insgesamt 3640 Höhenmetern Steigung und 3877 Höhenmetern Abstieg von St. Moritz über Bergün nach Davos hatte vorerst nichts auf den grossartigen Erfolg des 34-jährigen Berglauf- und Irontrail-Spezialisten aus Oberentfelden hingedeutet.

Eggenschwiler startete um sechs Uhr in der Früh in St. Moritz gezielt verhältnismässig langsam. Zunächst befand er sich nicht unter den besten zehn. Bis Kilometer 45 arbeitete sich Eggenschwiler dann trotz eines Sturzes auf Platz 2 vor. In Bergün betrug sein Rückstand auf den führenden Tofol Castanyer, seines Zeichens Titelverteidiger, allerdings noch immer 17 Minuten.

Sintflutartige Regenfälle und Kälte führten danach zum Umsturz an der Spitze des Rennens. Während der Spanier einbrach, blühte Eggenschwiler – geschützt durch Regenjacke und Wärmefolie – auf. Als er schliesslich im Aufstieg Richtung Keschhütte den Führenden vor sich sah, gab es für Eggenschwiler kein Halten mehr:

«Wenn einer in meinem Blickwinkel auftaucht, weiss ich, was ich zu tun habe», sagt er. Schon bei der Keschhütte wies Eggenschwiler zwei Minuten Vorsprung auf. Und als er nach 9:02:07 Stunden im Ziel eintraf, betrug sein Vorsprung 10:52 Minuten. Er habe sein Rennen sehr gut eingeteilt, analysierte Eggenschwiler seine Leistung. Und er spielte seine Stärke aufwärts resolut aus.

Leidensweg im mehr als knöcheltiefem Wasser

Das heftige Gewitter nach Bergün habe zwar auch ihn fast unterkühlt. Und das auf dem engen Pfad reissende Wasser habe «deutlich über die Fussknöchel gereicht», beschrieb Eggenschwiler im Ziel mit einem überdimensionalen Glas Bier in der Hand seinen Leidensweg. Als Belohnung erhielt er den Siegercheck in der Höhe von 3000 Franken.

Ein Trostpflaster waren die 1500 Franken für den Zweitplatzierten Castanyer, der unterwegs Höllenqualen litt. «Ich habe noch nie solche Verhältnisse erlebt», sagte der aus Mallorca stammende Spanier. «Es war extrem kalt. Meine Finger fühlten sich wie Felsen an; ich spürte sie nicht mehr.» Gleichwohl habe er gehofft, Eggenschwiler in der Schlussphase des Rennens nochmals fordern zu können. «Aber Bernhard war zu stark», sagt Castanyer anerkennend.