Zehn waren es in der Vorauswahl, neun stehen im definitiven Kader. Die Rede ist von den Wettinger Spielern, die mit der Schweizer Nati die diesjährige Lacrosse-Weltmeisterschaft in Israel bestreiten werden. Die neun Spieler, die im Verein bei Wettingen Wild Lacrosse tätig sind, machen also im 23-Mann-Kader der Nationalauswahl fast 40 Prozent aus – so viel wie noch an keiner WM zuvor. Es ist also nicht übertrieben, zu sagen, dass sich die Schweizer Nationalmannschaft an dieser WM auf ein Aargauer Gerüst stützen kann.

Intensive Vorbereitung in den letzten Wochen

Doch warum stellt ausgerechnet Wettingen Lacrosse so viele Spieler? «Wir waren einer der ersten Vereine in der Schweiz. Das bringt den Vorteil mit sich, dass wir schon viel Erfahrung haben», lautet Michael Hallers Begründung. Haller, der als «Urgestein» in der noch sehr jungen Schweizer Lacrosse-Landschaft gilt, ist einer der neun Wettinger Nati-Spieler und spielt auf der Verteidiger-Position. Ein Wermutstropfen bleibt Wettingen aber trotzdem: Den Sieg der Meisterschaft holten sich stets die Zürich Lions – einziges Team, das mit zehn Mann noch mehr Nati-Spieler stellt, als Wettingen.

Jetzt steht also die WM vor der Tür. Vom 12. bis am 21. Juli wird in Netanya (Israel) um den Weltmeistertitel gekämpft. In den vergangenen Wochen hat sich die Nati intensiv mit der Vorbereitung beschäftigt. Unter der Leitung von Headcoach Eamon Thornton, der jeweils für solche Zwecke aus den USA in die Schweiz fliegt, fanden an den vergangenen zwei Wochenenden Vorbereitungscamps statt.

Auch das Oltner Lacross-Team stellt den einen oder anderen Akteur an der WM in Israel: Jonathan Schreiber (v.l.), Schiedsrichter Joël Fischer und Florian Bachmann.

  

Die Top 15 als Ziel

Die Vorbereitungsphase läuft aber schon seit einigen Monaten. Thornton hat im vergangenen Dezember allen Nati-Spielern einen präzisen Trainingsplan zukommen lassen, der Woche für Woche bis zur WM die Trainings definiert. «Anhand von Videos geht Thornton mit uns auch Spielzüge durch, die er später auf dem Feld umsetzen will», erklärt Dominik Güntensperger, Torhüter von Wettingen und der Nati. Zusätzlich haben die Schweizer an zwei ausländischen Turnieren teilgenommen. Für die Fitness ist schliesslich jeder selbst zuständig. Der Wettinger Verteidiger Haller ist aber überzeugt: «Individuell wird jeder auch etwas mehr machen, als auf dem Trainingsplan steht.»

Chancen auf den Titel kann sich die Schweiz aber nicht ausmalen. Diesen werden auch in diesem Jahr die USA und Kanada unter sich ausmachen. Dennoch erhoffen sich die Schweizer ein Resultat in den Top 15 der 48 teilnehmenden Teams. Das wäre wiederum eine Steigerung im Vergleich zum letzten Resultat vor vier Jahren in Denver (15. Rang). Ob diese Ambitionen realistisch sind, können selbst die Protagonisten nicht abschliessend beurteilen. «Es ist schwierig zu sagen, weil der Sport auf der gesamten Welt so rasant wächst», meint Dino Crameri, der die Wettinger trainiert und für die Schweizer Nati verteidigt. So kann es sein, dass Teams, die es vor vier Jahren noch nicht gegeben hat, jetzt plötzlich mitten im Feld mitmischen.

Freude, nicht nur auf den sportlichen Wettkampf

Ähnlich war es vor acht Jahren auch mit der Schweiz, erinnert sich Haller: «Da dachte man noch: ‹Ach die Schweiz kann ja nichts›. Jetzt unterschätzt man uns nicht mehr. Der Überraschungseffekt ist verschwunden.» Im Lacrosse herrscht also noch immer ein gewisser Reiz des Unbekannten. Man weiss nicht genau, wie stark die gegnerischen Teams sind.
Dennoch freuen sich die Wettinger Spieler nicht nur auf den sportlichen Wettkampf an der WM: «Lacrosse ist neben dem Feld eine super Community. Es macht extrem Spass, Leute aus aller Welt zu treffen.»