Leichtathletik

Ein Aargauer aus Australien: Patrick Nispel läuft in der Königsdisziplin

Die Einsamkeit eines Marathonläufers: Patrick Nispel macht es nichts aus, oft alleine zu trainieren. zvg

Die Einsamkeit eines Marathonläufers: Patrick Nispel macht es nichts aus, oft alleine zu trainieren. zvg

Vor nunmehr sechs Jahren siedelte Patrick Nispel ins australische Brisbane aus.Der 32-jährige Dottiker begann dort bei einem Architekturbüro zu arbeiten und schloss sich der Trainingsgruppe des erfolgreichen Trainers Pat Clohessy an.

«Eine Woche im Leben eines nicht professionellen Marathonläufers: 55 Stunden Schlaf, 34 Stunden Arbeit, 13 Stunden Laufen (170 km), 3 Stunden Yoga, 3 Stunden Stretching und Regeneration, 2 Stunden Biken und 1 Stunde Schwimmen.» Der Dottiker Patrick Nispel macht auf Facebook keinen Hehl daraus: Um sich am Sonntag am Zürich Marathon von seiner besten Seite zeigen zu können, hat der 32-Jährige fast alles dem Sport untergeordnet. Auch Süsses, Koffein und Alkohol finden seit einigen Wochen keinen Platz mehr auf seinem Ernährungsplan.

In Zürich am Start

Man müsse konsequent sein, meint Nispel, der so in den vergangenen drei Monaten vier Kilogramm Körpergewicht verlieren konnte. In Zürich möchte der Aargauer nicht nur versuchen, seine bisherige Bestzeit von 2:23:01 zu unterbieten, sondern sich auch für die Europameisterschaften, die nächstes Jahr ebenfalls in Zürich stattfinden werden, empfehlen. Der Schweizerische Leichtathletikverband ist nämlich gewillt, für den Marathon ein Team zu selektionieren. Mindestens drei und höchstens sechs Athleten wird dieses umfassen. Und die Chancen, dass Nispel ein Teil dieses Teams sein könnte, stehen gut. So waren 2012 nur vier Schweizer schneller als der Athlet des BTV Aarau.

Immer fasziniert

Marathon – die Königsdisziplin des Laufens. Stets faszinierten Nispel diese 42,195 km. Doch, dass aus ihm, der einst davon geträumt hatte, zum Abschluss seiner Laufkarriere einen Marathon zu laufen, ein Spitzenmarathonläufer werden würde, damit hätte der ehemalige Steeple-Spezialist nicht gerechnet. Die Geschichte dahinter ist simpel und könnte als glückliche Fügung bezeichnet werden. 2010 musste Nispel aufgrund einer Entzündung der Achillessehne am Fuss operiert werden. Der Heilungsprozess verlief gut, doch verlor Nispel während dieser Zeit an Geschwindigkeit. So kam es, dass er Hindernissen und Wassergraben den Rücken zukehrte und mit dem Marathontraining begann.

Verspätete Ostern

Vielversprechend verlief sein Wettkampfdebüt im Marathon, das er in seiner Wahlheimat Australien anlässlich des Gold Coast Marathons 2011 absolviert hatte. Nach 2:23:01 überquerte er damals die Ziellinie und qualifizierte sich damit für den Marathon in Osaka im darauf folgenden Jahr. Auch dort durfte Nispel mit Rang drei und einer Zeit von 2:26:33 ein Erfolgserlebnis feiern, obwohl er sich bei Rennhälfte eine Verletzung am operierten Fuss zuzog und seine Pace nicht bis ins Ziel durchziehen konnte.

Auf Alternativtraining umstellen

Daraufhin musste er erneut kürzertreten und auf Alternativtraining umstellen. Seither stehen auch Schwimmen, Biken und Yoga auf seinem Trainingsplan. Trotz des leicht reduzierten Laufpensums während der Vorbereitungen auf den Zürich Marathon ist Nispels Zuversicht gross. «Ich bin bereit», sagt er, der seit Karfreitag in der Schweiz weilt. Und falls es nicht wie gewünscht laufen sollte, «geht für mich keine Welt unter», fügt er an. Er habe danach ja noch 12 Monate Zeit, sich für die EM zu qualifizieren.

So oder so – auf eines freut er sich nach dem Rennen ganz besonders, wie er augenzwinkernd verrät: «Auf die Osterhasen.» So wird Ostern dieses Jahr für Nispel eine Woche später stattfinden.

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