Challenge League
Ehrenmeldung gegen den Aufsteiger: Der FC Aarau schafft ein 2:2 Unentschieden gegen Leader Xamax

Der FC Aarau schafft im Brügglifeld gegen Challenge League-Leader Xamax ein Unentschieden. Die erste Halbzeit beendeten die beiden Teams auf dem Stand von 1:2, wobei Tasar früh zur FCA-Führung traf. In der zweiten Halbzeit kann Patrick Rossini einen Elfmeter verwandeln zum 2:2 Schlussstand.

Sebastian Wendel (Text) und Patrick Haller (Liveticker)
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FC Aarau - Xamax (18.04.18)
11 Bilder
Praesident Alfred Schmid, Sportchef Sandro Burki (Aarau) und der neue Aarau-Trainer Patrick Rahmen
Thibault Corbaz (Xamax) gegen Patrick Rossini und Michael Perrier (Aarau)
Mustafa Sejmenovic (Xamax) gegen Gilles Yapi (Aarau)
Trainer Ton Verkerk und Juan Pablo Garat (Aarau) nach dem Spiel
Gianluca Frontino, Juan Pablo Garat (Aarau) und das Team nach dem Spiel
Torhüter Laurent Walthert (Xamax) gegen Alessandro Ciarrocchi (Aarau)
Der neue Aarau-Trainer Patrick Rahmen auf der Tribüne
Gianluca Frontino (Aarau) gegen Max Veloso (Xamax)
Der Torschütze zum 1:1 Gaetan Karlen (Xamax) jubelt mit dem Team nach Tor, Enttäuschung bei Olivier Jäckle (Aarau)
Michael Perrier, der Torschütze zum 1:0, Varol Tasar und Gianluca Frontino (Aarau) jubeln nach dem Tor.

FC Aarau - Xamax (18.04.18)

Marc Schumacher/freshfocus

Der Einfluss des neuen Interimstrainers? Gering. Das sagt Ton Verkerk selber: «Ich habe mir heute alles angeschaut und mir meine Gedanken gemacht. Zur Mannschaft gesprochen habe ich nicht.»

Aber nur schon die Präsenz des 63-jährigen Holländers scheint etwas bewirkt zu haben: Der FC Aarau luchst Aufsteiger Xamax auch im zweiten Heimspiel Punkte ab, nach dem 2:0 im vergangenen September gibt es gestern ein 2:2. Eine Ehrenmeldung nach den ernüchternden Auswärtspleiten in Vaduz und Schaffhausen.

In der Schlussviertelstunde steht Aarau dem Sieg gegen Xamax gar näher, der eingewechselte Nikola Gjorgjev vergibt in der 81. Minute eine Chance, die ein Fussballprofi im Schlaf verwerten muss.

Verkerk sagt weiter: «Was ich phasenweise gesehen habe, hat mir gefallen. Vor allem, wie die Mannschaft auf den Gegner eingestellt war.» Er zeigt auf Stephan Keller, der neben ihm steht: «Ein Punkt gegen den Tabellenführer, das Lob gebührt ihm.»

Keller, in der Praxis weiterhin der Interimstrainer, auf dem Papier aber zurückgestuft zum Assistenten wegen fehlender Diplome, lächelt und sagt: «Ton und ich, das ist keine Alibi-Übung. Er ist hier, weil wir uns seit gemeinsamen Zeiten in Holland beim RSC Waalwijk kennen und schätzen und ähnlich über Fussball denken. Er war mein Mentor.»

Nachdem er sich in den ersten zwei Tagen im Brügglifeld einen Überblick verschafft hat, will Verkerk nun vermehrt eigene Inputs geben: «Es gibt einige vielversprechende junge Spieler, denen ich den einen oder anderen Rat geben kann.»

Die zwei Gesichter des FC Aarau

Bis zum Saisonende coacht das Duo Verkerk/Keller den FC Aarau. Doch seit einigen Tagen ist bekannt, wie es danach weitergeht: Patrick Rahmen (49) hat vergangene Woche einen Vertrag bis 2020 als Cheftrainer unterschrieben. Der Basler sass gestern auf der Haupttribüne neben Sportchef Sandro Burki und Präsident Alfred Schmid und sah einen FC Aarau, der wie so oft in dieser Saison zwei Gesichter offenbarte.

Nach zähem Beginn erzielte Tasar nach einer schönen Kombination mit Rossini das 1:0. Doch keine 60 Sekunden später stand es 1:1 – ein Abbild für die fragile Psyche der Aarauer in dieser Spielzeit. Eine Schwäche, die Rahmen in der kommenden Saison so schnell wie möglich beheben muss.

Ein Tor zu kassieren, ist nie gut: Aber auch das 1:2 durch Corbaz fiel in einem Moment, nämlich Sekunden vor der Pause, in dem ein Gegentor mit besonderer Vehemenz vermieden werden sollte: Doch Corbaz konnte ungehindert erst mit dem Fuss schiessen und dann den Abpraller per Kopf verwerten.

Die zweite Halbzeit gehörte indes dem Heimteam, insbesondere die Schlussphase, in der eine Mischung aus ansprechenden Kombinationen und grossem Willen zu vielversprechenden Chancen für den FCA führte. Die beste vergab GC-Leihgabe Gjorgjev, dessen Ballbehandlung eine Augenweide ist, der im Abschluss aber wiederholt viel zu harmlos agierte.

Warum Xamax das 2:2 nicht wehtut

Was Rahmen auch bewusst sein dürfte: Will der FCA in der nächsten Saison in der oberen Tabellenhälfte eine gute Figur abgeben, braucht er eine neue Innenverteidigung, einen Patron vor der Abwehr und einen, wenn nicht zwei überdurchschnittlichee Offensivspieler: Spieler, wie Xamax sie in Person von Charles-André Doudin oder Raphaël Nuzzolo hat.

Spieler, die jederzeit aus dem Nichts eine Partie entscheiden können. Bei der gestrigen Partie kam der Gedanke auf: Es braucht in dieser Challenge League nicht viel – aber würden Nuzzolo und Doudin beim FCA statt bei Xamax spielen, würden vielleicht auch die Rollen der beiden Teams in dieser Saison vertauscht sein...

Xamax wird aufsteigen. Wenn nicht gestern im Brügglifeld, dann wahrscheinlich am Montag in Genf gegen Servette. So gesehen dürfte der Punktverlust den Neuenburgern nicht allzu wehtun. Oder mit den Worten von Goalie Laurent Walthert: «Im Stadion des Erzrivalen aufzusteigen, wäre das Grösste.»

Telegramm

Aarau - Neuchâtel Xamax 2:2 (1:2)

Brügglifeld. – 3144 Zuschauer. – SR Horisberger. – Tore: 15. Tasar (Rossini) 1:0. 16. Karlen 1:1. 44. Corbaz 1:2. 70. Rossini 2:2 (Foulpenalty).

Aarau: Hunn; Giger, Garat, Nganga, Lujic; Jäckle; Tasar (82. Ciarrocchi), Yapi (69. Gjorgjev), Perrier, Frontino; Rossini.

Xamax: Walthert; Gomes, Sejmenovic, Djuric, Obexer (46. Kamber); Ramizi, Veloso, Corbaz (69. Mota), Doudin; Nuzzolo, Karlen (84. Karlen).

Bemerkungen: Aarau ohne Hammerich (gesperrt), Burkard, Deana, Lüscher-Boakye, Mehidic, Misic, Peralta, Peyretti, Ramadani, Thaler (alle verletzt), Corradi und Thrier (beide nicht im Aufgebot). Xamax ohne Di Nardo (gesperrt), Bratanovic, Lawson, Mulaj, Tréand (alle verletzt), Jacot und Kilezi (beide nicht im Aufgebot). – 25. Lattentreffer Giger. 53. Lattentreffer Frontino. – Verwarnungen: 34. Rossini, 61. Corbaz, 65. Garat, 70. Doudin, 76. Tasar, 91. Veloso (alle Foulspiel).