Curling
Ehemaliger Nato-Soldat kämpft für das Schweizer Curling

Der kanadisch-schweizerische Doppelbürger Armin Harder wirbelt für das Schweizer Curling an vorderster Front. Der Oberrohrdorfer ist Chef Leistungssport des Schweizer Verbands, Besitzer einer Curling-Firma und CEO der Curling Champions Tour.

Andreas Fretz
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Leistungssport-Chef von Swiss Curling, CEO der Curling Champions Tour und Firmenbesitzer: Armin Harder in der Badener Curlinghalle.

Leistungssport-Chef von Swiss Curling, CEO der Curling Champions Tour und Firmenbesitzer: Armin Harder in der Badener Curlinghalle.

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Durch das Eis in der Badener Curlinghalle schimmert eine kanadische 2-Dollar-Münze. «Das ist mein Markenzeichen», sagt Armin Harder aus Oberrohrdorf. Überall, wo er für das Eisfeld verantwortlich zeichnet, baut er diese Münze unter die Oberfläche ein. «Es war im wahrsten Sinne eine Bieridee», sagt der kanadisch-schweizerische Doppelbürger mit einem Lachen. In Alberta gibt es ein Bier, auf dessen Etikett ein Hase versteckt ist. Harder versteckt keinen Hasen, sondern die Münze aus seiner Heimat.

15 Jahre im Militär

Der 52-Jährige aus Ontario lebt seit 1996 in der Schweiz. 15 Jahre diente er im Militär, war als Nato-Soldat in Deutschland stationiert. «Danach habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht», erklärt Harder und überreicht seinem gegenüber drei Visitenkarten, die seine Tätigkeiten zusammenfassen. Harder ist Chef Leistungssport des Schweizerischen Curling-Verbands, CEO der Curling Champions Tour (CCT) und Gründer der Firma Rocky Mountain Curling GmbH. Ein reich befrachtetes Leben, in dem sich scheinbar alles um Curling dreht. «Am liebsten würde ich einen Laptop an der Eismaschine anbringen», sagt er, «vieles läuft parallel, das erfordert ein hohes Mass an Multitasking.»

Die Schweiz soll führend werden

Derzeit weilt Harder an der Curling-EM in Norwegen als Leiter der Schweizer Delegation. Seit drei Jahren ist er der Chef Leistungssport, kümmert sich vom jüngsten Nachwuchs bis zu den Olympia-Teams. Der ganze Stab inklusive Headcoach Andreas Schwaller ist ihm unterstellt. Gefragt ist Harder vor allem im strategischen Bereich. Er wünscht sich, dass die Schweiz führend wird in der technischen Entwicklung. Von den Wischtests bis zum Krafttraining steckt viel Wissenschaft in der Sportart. «Noch stammen die meisten Neuerungen aus Kanada», sagt Harder.

Keine National-Team-Ideologie

Zufrieden ist er mit der Infrastruktur in der Schweiz und der Dichte an Spitzen-Curlern. «Die Verhältnisse hier sind nicht ganz wie in Kanada, aber sehr gut. Die Schweiz hat eine Curling-Tradition.» Wichtig ist ihm, dass man sich von der National-Team-Ideologie verschiedet hat. «Wir dürfen nicht nur auf ein Team setzen. Das kann für ein Turnier klappen, aber die Basis geht so kaputt. Wir brauchen verschiedene Teams, die sich konkurrieren.»

Erkenntnisreiche Saison

Noch hat Harder zwei Amtsjahre vor sich. Ob er weitermache, wisse er noch nicht. «Wenn ich abtrete, will ich der Schweiz eine langfristig solide Basis hinterlegen», sagt Harder. Diese Saison mit Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften wird viele Erkenntnisse liefern, ist er überzeugt. Die Arbeit wird ihm ohnehin nicht ausgehen. Mit seiner Firma macht er Eisfelder und berät Center bei Um- oder Neubauten. Mit der CCT hat er eine der renommiertesten Wettkampf-Serien aufgebaut.