Vor dem Derby

Duell der Ungeschlagenen: Baden empfängt Wohlen – ein Trainer hat Bauchweh und geht «durch die Hölle»

Der FC Baden und der FC Wohlen messen sich am Samstag im Derby.

Der FC Baden und der FC Wohlen messen sich am Samstag im Derby.

Die Saisonstarts der beiden Aargauer Teams in der 1. Liga lassen Hoffnung aufkommen. Baden und Wohlen sind noch ungeschlagen und wollen die Aufstiegsspiele erreichen. Am Samstag steigt im Esp in Baden (Anpfiff: 16 Uhr) das erste Derby. Finanzielle Sorgen spielen dabei vorerst keine Rolle mehr.

Wer vor dem Aargauer Derby in der 1. Liga zwischen dem FC Baden und dem FC Wohlen mit den beiden Trainern spricht, spürt vor allem etwas heraus: pure Vorfreude. Ranko Jakovljevic wie auch Thomas Jent sind enthusiastisch, wenn sie an das Spiel vom Samstag denken. Das liegt sicher auch daran, dass beide Teams ansprechend, im Falle von Baden sogar souverän in diese neue Saison gestartet sind. Baden hat nach vier Spielen zehn Punkte auf seinem Konto, Wohlen nach fünf Partien deren neun.

Jent macht sich trotz zwei Remis keine Sorgen

Der FC Baden hat sich dabei vor allem defensiv sehr stabil gezeigt und erst im vierten Spiel gegen Bassecourt seine ersten beiden Gegentreffer kassiert. Wohlen seinerseits siegte zum Saisonstart gegen Buochs mit 4:1 und schickte auch die Luzerner U21 mit 3:0 nach Hause. Zuletzt gab es aber zwei Remis. Unter anderem zuhause gegen den FC Bassecourt. Dabei verschossen die Freiämter in letzter Minute noch einen Elfmeter. Deshalb sagt Trainer Thomas Jent: «Wir haben uns mehr Punkte erhofft, klar.» Die Saison sei aber noch jung und weil man immer noch gut dabei ist, mache man sich keineswegs Sorgen. Jent ergänzt: «Andererseits sind wir immer noch ungeschlagen.»

Wohlen-Trainer Thomas Jent.

Wohlen-Trainer Thomas Jent.

Badens Trainer Ranko Jakovljevic kann sehr zufrieden sein mit dem, was seine Mannschaft in den ersten vier Partien gezeigt hat. Die Heimspiele gegen Schötz und Goldau gestaltete sie souverän, in Bassecourt erkämpfte sich einen 3:2-Sieg und in Luzern spielte sie 0:0 unentschieden. Und sogar nach diesem Remis hatte Jakovljevic lobende Worte übrig. Ein erstes Fazit über die vier Partien zieht Jakovljevic ebenfalls. Er sagt: «In den ersten vier Partien hat meine Mannschaft sehr diszipliniert gespielt. Sie hat defensiv wenig zugelassen und gleichzeitig offensiv sehr viel Druck erzeugt und dadurch viele Chancen erarbeitet. Wir sind auf einem sehr guten Weg.»

Baden-Trainer Ranko Jakovljevic

Baden-Trainer Ranko Jakovljevic

Die beiden Übungsleiter sagen unisono, dass sie ein spannendes Spiel erwarten, das von Intensität geprägt sein wird. Nicht zuletzt deshalb, weil beide Mannschaften offensiv stets bemüht sind und den Weg zum Tor suchen. «Mit Biel zusammen gehören wir wahrscheinlich zu den besten Mannschaften in der Liga», sagt Thomas Jent. Er verspricht sich ein attraktives Spiel. Man wolle den Zuschauern «etwas bieten».

Achter Anlauf von Baden – Aufstieg als Dessert in Wohlen

Apropos beste Mannschaften: Auch die beiden Präsidenten, Heinz Gassmann und André Richner, wissen um die Qualitäten ihrer Teams. Die Zielvorgabe ist deshalb in Baden und Wohlen klar: Mindestens die Aufstiegsspiele sollen es sein. Baden-Präsident Gassmann sagt: «Wir nehmen nun den achten Anlauf, um den Aufstieg zu bewerkstelligen.» Das klare Ziel seien die Aufstiegsspiele, danach brauche es auch Wettkampfglück. Wohlen-Präsident Richner sagt: «Unser klares Ziel sind die Aufstiegsspiele – der Aufstieg wäre dann das Dessert!»

Wohlen-Präsident André Richner.

Wohlen-Präsident André Richner.

Die Coronakrise ist zwar noch nicht überwunden, aber immerhin wird wieder Fussball gespielt und Fans sind wieder zugelassen. Die Krise haben beide Vereine überstanden – trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten. «Dank grosser Solidarität unserer Sponsoren kamen wir besser über die Runden als zunächst gedacht», sagt Heinz Gassmann. Sein Pendant in Wohlen spricht derweil von einem «finanziellen Handstand», den es in dieser Phase gebraucht habe.

Baden-Präsident Heinz Gassmann.

Baden-Präsident Heinz Gassmann.

Der von Bauchschmerzen geplagte Jent

Und wer wird eigentlich das Spiel gewinnen? Die beiden Präsidenten zeigen sich selbstverständlich optimistisch und tippen jeweils auf einen knappen Sieg ihrer Mannschaft. Die beiden Trainer, die je auch schon beim Gegner an der Seitenlinie gestanden haben, tippen nicht. «Wir reden nach dem Spiel», sagt Thomas Jent und lacht.

Zum Lachen ist es aber für Jent nicht immer. Er habe Bauchschmerzen, sagt er. Diese bereiten ihm seine Spieler. Nicht, weil sie schlecht sind – im Gegenteil. Jede Woche muss er wieder aufs Neue entscheiden, welche Akteure nicht im Aufgebot stehen und das, obwohl sie das Niveau auch hätten. Er spricht von einem «Stich ins Herz», wenn er diesen Spielern nach dem Abschlusstraining sagen muss, dass sie nicht spielen. Bevor er die Aufstellung mache, gehe er in der Nacht davor «durch die Hölle», weil ja nur elf Spieler aufs Feld können und er sich den Kopf zerbrechen muss, welche das sein werden.

Luxusprobleme

Auch Ranko Jakovljevic sagt, er habe nicht elf, sondern zwanzig gute Spieler im Kader. Auch er muss Woche für Woche einige seiner Schützlinge darüber informieren, dass sie nicht im Kader sind oder nur auf der Bank sitzen. Eigentlich ein Luxusproblem.

Jent freut sich über seine Rückkehr ins Esp, an seine alte Wirkungsstätte. Er habe trotz späterer Entlassung eine gute Zeit gehabt in Baden und freut sich darauf, die Leute in Baden wieder einmal zu sehen und mit seinen ehemaligen Spielern über Gott und die Welt zu sprechen. Pure Vorfreude eben. Trotz Bauchweh.

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