Es ist Samstag der 3. Juni, 19.33 Uhr, als die Saison 2016/17 für den FC Aarau ein Ende hat. Mit einem 2:0-Erfolg gegen Xamax. Es ist dies ein positiver Abschluss, über den sich Spieler, Trainer und Vorstand des FCA freuen dürfen. Und dies mit einer Ehrenrunde und der La Ola-Welle vor der Haupttribüne auch tun. Doch damit genug gejubelt. Schnell kehrt im Brügglifeld wieder Ernüchterung ein. Denn die drei Punkte gegen die Neuenburger können nicht überdecken, was in den Wochen zuvor alles schief lief.

Am Montag findet die Verwaltungsratsitzung statt, an der über die Zukunft gerichtet wird. Dabei geht es hauptsächlich um die Trainerfrage: Muss Marco Schällibaum trotz Vertrag bis 2018 gehen? Alles andere als ein «Ja» wäre eine grosse Überraschung.

Doch werfen wir zuvor doch noch einen genaueren Blick auf das letzte Saisonspiel gegen Xamax: Es war eine komische Stimmung im Brügglifeld, ohne die Anwesenheit der «Szene Aarau», die aus Protest gegen die schwachen Leistungen der letzten Wochen zum Spiel der Frauenmannschaft reiste. Ihren Ärger über die Herren präsentierten die Hardcore-Fans auf einem Transparent, auf dem stand: «Leidenschaftlichen Support gibt’s für leidenschaftliches Spiel. Mer sind bide Fraue»

Das Drama um Tasar

So waren noch 1500 Zuschauer (die abwesenden Saisonabo-Besitzer nicht dazugerechnet) zugegen, was für andere Challenge-League-Klubs eine erfreuliche Zahl wäre, für den FCA aber mit Abstand Saison-Minusrekord bedeutet. Letztmals waren vor fünf Jahren gegen Locarno so wenige Zuschauer ins Brügglifeld gekommen. Auch damals gewann der FCA (4:1). Würde man den Sarkasmus bemühen, könnte man sagen: Wenn die Ränge dünn besetzt sind, gewinnt der FC Aarau. Ohne den Druck des zahlreichen Publikums spielt er befreit auf.

Denn was die Aarauer im letzten Saisonspiel zeigten, war für sich betrachtet durchaus ansehnlich. Auch wenn die Gegenwehr von Xamax nicht die war wie in einem Spiel, in dem es um mehr geht als um die goldene Ananas.

Vor dem Anpfiff wurden mit Daniele Romano, Denis Markaj, Ivan Audino und Ulisse Pelloni fünf Spieler verabschiedet. Wohin ihre Reise geht, ist offen. Romano hat Kontakt mit dem FC Wohlen, spricht aber auch mit anderen Klubs. Zudem wurden mit Reto Jäggi (Konditions- und Rehatrainer), Swen König (Goalietrainer) und Sascha Stauch (Nachwuchsleiter) drei Staffmitglieder verabschiedet, deren Abgang den Klub schmerzt.

Was vor dem Anpfiff ebenfalls zu reden gab: Auf der Aarauer Ersatzbank sassen mit Ausnahme von Marco Corradi fünf Spieler, die wenige Stunden zuvor noch mit der U21 auf dem Platz standen. Einer davon Varol Tasar, der an diesem Nachmittag durchs Wellenbad der Gefühle ging. Im U21-Spiel gegen NK Pajde Möhlin verschoss Tasar einen Penalty, weshalb es beim 2:2 blieb. Gut möglich, dass dieser Fehlschuss dem Nachwuchsteam am Saisonende den Aufstieg in die 1. Liga kosten wird.

Drei Stunden später wird der 20-jährige Tasar im Spiel der Profis eingewechselt und initiiert mit viel Einsatzwille das 2:0 durch Rossini, Tasars erster Skorerpunkt auf Profiniveau. In der Folge war der türkischstämmige Offensiv-Allrounder mit seinen Dribblings und spektakulären Zweikämpfen die auffälligste Figur auf dem Rasen. Wovon Tasar wohl träumt? Vom verschossenen Penalty oder vom Assist?

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Patrick Haller: