Hausen
Drei Europameister hat dieser Rugby-Club in seinen Reihen

Die Baboons gibts seit einem Jahr und schon mischen sie in U20-Nationalmannschaft mit

Irene Hung-König
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Zwei Reihen mit jungen Männern um die 20 Jahre stehen auf dem Rasen hinter der Hausener Turnhalle. Ausgerüstet sind sie mit kurzen Hosen, Shirt und Stollenschuhen. Den Zahnschutz brauchts erst später, wenn Mann gegen Mann gespielt wird. Jetzt wartet jeder auf seinen Einsatz: die Ersten der beiden Reihen rennen los und prallen mit voller Wucht gegen die Trainingsrolle aus Schaumstoff. Hier wird Vollkontakt trainiert.

Wie wird Rugby gespielt?

Ein Team versucht, den Rugbyball ins gegnerische Malfeld (Try-Zone) zu tragen und dort abzulegen. Der Ball darf nie vorwärtsgeworfen werden. Um vorwärtszukommen, wird der Ball gekickt oder man rennt mit dem Ball nach vorn. Die Verteidiger versuchen durch Tackling (Tiefhalten) oder Wegschieben des Gegners den Angriff aufzuhalten. Dabei gilt: keine Angriffe über Schulterhöhe.

Nach dem erfolgreichen Ablegen des Balls kann die angreifende Mannschaft zwei zusätzliche Punkte bekommen, indem der Ball von einem beliebigen Punkt des Felds aus, zwischen den beiden Längslatten der H-förmigen Pfosten auf einer gedachten Linie zum Ablegepunkt über die Querlatte gekickt wird. Aus dem laufenden Spiel heraus ist es ebenfalls möglich, den Ball über die Querlatte zu kicken und dadurch drei Punkte zu erringen. (Ihk)

Die Baboons praktizieren die Spielart «Rugby Union» und spielen 7er-Rugby in der «Swiss Super Sevens Liga». Im Sechswochenturnus nehmen die jungen Männer an Turnieren in der ganzen Schweiz teil. So spielten sie bereits in Genf aber auch im liechtensteinischen Vaduz. Das kostet.

Deshalb sind die Baboons auch auf Sponsorensuche, arbeiten mit dem Rugby-Club Würenlos zusammen und versuchen, die Sportart populärer zu machen. Im Oktober 2014 veranstalteten die Hausener ihr 1. Heimturnier. Auch diesen Herbst ist ein Turnier geplant.

Während hierzulande schon gejubelt wird, wenn sich die Fussball-Nationalmannschaft für Europa- oder Weltmeisterschaften qualifiziert, gehen Topleistungen in Randsportarten wie Rugby ganz unter.

Die Baboons Jeremy To’a, Dano Indermaur und Ralph Holman holten sich im August mit der U20-Rugby-Nationalmannschaft in Tschechien den Europameistertitel. Im Finale deklassierten die Schweizer den Gastgeber Tschechien mit 38:0. «Natürlich ist es schade, wenn so etwas untergeht.

Doch ich spiele den Sport aus Leidenschaft und nicht wegen des Bekanntwerdens», sagt Jeremy To’a. Für Dano Indermaur ist es schon seltsam, als Europameister nur mit einer Randnotiz bedacht zu werden, wenn überhaupt.

Trainer stammt aus Samoa

Die Hausener fördern ihren Sport, ihre Leidenschaft und wollen Jugendliche mit ins Boot holen: Denn unter ihnen habe es viele Talente. Momentan kann Jeremy To’a nicht mittrainieren.

An der EM verletzte er sich an der Schulter und muss nun pausieren. Das ist doppelt schmerzhaft: Denn der junge Mann war für zwei Spiele der A-Nationalmannschaft gegen Israel und Tschechien aufgeboten.

Dass die Sportart zu brutal sei, verneint er. «Man kann sich auch im Fussball verletzen. Und bei einem Angriff bin ich für den anderen verantwortlich. Das heisst, nur bis zur Schulterhöhe angreifen und den Gegner nicht auf den Kopf werfen», erklärt er. Ein weiterer Unterschied zum Fussball: Hier werde jeder Entscheid des Schiedsrichters kommentarlos akzeptiert.

Die Hausen Baboons, das sind Babypaviane, gibt es seit 2014. Jeremy To’a und Joël Brühlmann kennen sich seit der Spielgruppe und spielten in der Sekundarschule bereits Rugby in Würenlos.

Jeremy To’as Vater Latai To’a stammt aus Samoa und spielte den dortigen Nationalsport selbst. Heute ist er Trainer des Hausener Klubs. Schnell und dynamisch sei ihre Spielweise, erklärt Jeremy To’a.

Überhaupt seien sie an Turnieren meist die Jüngsten. Ihr erstes Turnier beendeten sie auf dem 3. Platz. Das Geheimnis des 25 Mitglieder starken Vereins ist der Zusammenhalt. «Wir sind wie eine Familie.» Und was braucht es, um Rugby zu spielen? Darin sind sich Joël Brühlmann wie Jeremy To’a einig: «Miteinander sprechen, keine Angst vor Kontakt haben und sportbegeistert sein.»

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