Challenge League

Drei Erkenntnisse nach dem Heimsieg gegen Chiasso: Varol Tasar möchte mit dem FC Aarau aufsteigen

Über die erstaunliche Reife der Mannschaft des FC Aarau, was punkto Zuschauerzahlen noch verbessert werden muss und der erste Auftritt von Varol Tasar nach Bekanntgabe des Wechsels zu Aufstiegskonkurrent Servette: Auch das 1:0 gegen Chiasso lieferte interessante Erkenntnisse.

Erkenntnis Nummer 1: Geduld bringt Rosen

In den ersten zwei Spielen der Rückrunde kam der FC Aarau jeweils schnell zur Sache: Gegen den FC Wil eröffnete Marco Schneuwly in der dritten Minute das Skore (Endstand 3:1), in Rapperswil-Jona brauchte Varol Tasar dafür knappe sechs Minuten (Endstand 2:1). Ein frühes Tor wäre natürlich auch gegen den FC Chiasso im Sinn der Aarauer gewesen - doch dieser Wunsch blieb der Vater des Gedankens. Gegen die massive Abwehrmauer der Tessiner war lange kein Durchkommen.

Die Reaktion der FCA-Mannschaft auf diesen Umstand zeugt von der Reife, die sie in den vergangenen Monaten entwickelt hat: Statt wie zu Beginn der Saison wild drauflos zu stürmen und das 1:0 erzwingen zu wollen, bewiesen die Aarauer Geduld. Im Wissen: Ein blöder Ballverlust wegen zu viel Offensivrisiko hätte in einem fatalen Konter für die Tessiner enden können.

Die Highlights der Partie gegen Chiasso im Video:

Challenge League: 21. Runde, FC Aarau - FC Chiasso, Highlights

Bei der spielerischen Überlegenheit des Heimteams war klar, dass sich auch mit einem gemässigten Angriffsspiel Chancen ergeben würden. Geduld bringt Rosen. So war es denn auch: Schon in der ersten Halbzeit hätten Bürgy und Maierhofer den FCA in Führung köpfeln können, ja müssen. Zehn Minuten nach dem Seitenwechsel war es dann soweit: Giger schlug von rechts eine scharfe Flanke vors Tor, der Ball segelte an Freund und Feind vorbei an den hinteren Pfosten, wo Maierhofer aus spitzem Winkel gekonnt abstaubte. 

Nach dem 1:0 hatte der FCA einige Chancen zum 2:0, doch am Ende reichte der Treffer des "Majors" für die drei Punkte. Denn die Aarauer überzeugten nicht nur mit ihrer Geduld, sondern auch mit einer hochkonzentrierten Defensivleistung: Die Konter der brandgefährlichen Tessiner wurden im Keim erstickt. Chiasso gelangen nur aus der Distanz Schüsse auf das FCA-Tor und diese wurden vom ebenfalls tadellosen Goalie Djordje Nikolic entschärft.

Erkenntnis Nummer 2: Bereit sein für den Fanansturm

Seit neun Spielen ungeschlagen, zwei Siege aus zwei Rückrundenspielen, Prachtwetter, keine Schulferien mehr: Dass am Sonntag das Brügglifeld einen Saison-Rekord an Matchbesuchern verzeichnen würde, war absehbar. Schliesslich wurden trotz dem wenig attraktiven Gegner Chiasso stolze 3777 Zuschauer gezählt - mehr kamen letztmals im Mai 2017 beim Heimspiel gegen den FC Zürich. 

Doch entweder kamen die Fans zu spät oder der FCA war nicht gut genug vorbereitet auf den Ansturm: Beim Anpfiff waren die Schlangen vor den Kassenhäuschen jedenfalls immer noch lang. Zum Glück haben die zu spät Gekommenen nichts verpasst, das 1:0 und einzige Tor der Partie fiel erst in der zweiten Halbzeit.

Interviews mit Marco Thaler und Patrick Rahmen nach dem Spiel FC Aarau - FC Chiasso: 

Wenn der FC Aarau in den nächsten Wochen weiterhin so erfolgreich spielt, ist bei gleichzeitig steigenden Temperaturen klar: Die Zuschauerzahlen werden im Vergleich zu den vergangenen Monaten explodieren. Am 1. März kommt Servette ins Brügglifeld - ein absolutes Spitzenspiel, ein Zuschauermagnet!

Für den Verein heisst dies: Bei den nächsten Heimspielen für mehr Ticket-Tageskassen sorgen. Und für die Zuschauer, die keine Spielminute verpassen wollen: Früher anreisen und das zweite Bier vielleicht nicht mehr im Sportplätzli, sondern im Stadion trinken.

Erkenntnis Nummer 3: Tasar ist mit Kopf und Herz in Aarau

Der Transfer von Varol Tasar zu Servette war in der vergangenen Woche der Aufreger beim FCA. Auch wegen der besonderen Umstände: Der 22-Jährige «gehört» zwar ab sofort den Genfern, spielt die Saison aber leihweise in Aarau zu Ende. Heisst: Mit jedem Tor und jedem Assist für Servettes Aufstiegskonkurrenten Aarau riskiert Tasar sein Vorhaben, in der nächsten Saison mit den Genfern in der Super League zu spielen. Die Frage stellt sich also: Gibt er überhaupt noch vollen Einsatz für Aarau?

Nach dem Spiel gegen Chiasso (1:0) und einem persönlich engagierten, aber glücklosen Auftritt sagt Tasar zur «AZ»: «Ich bin da und halte mich nicht zurück! Auch nicht in zwei Wochen, wenn wir gegen Servette spielen. Mein Traum ist es, mit dem FC Aarau aufzusteigen. Alles andere werden wir dann sehen. Nur dank dem FC Aarau, der mir vor zwei Jahren die Chance im Profiteam gegeben hat, war dieser Transfer überhaupt erst möglich.»

Zur Erinnerung: Bei Bekanntgabe des Transfers sagte Sportchef Sandro Burki: «Für den FC Aarau ist es nach dem Abschluss der Verhandlungen ein in allen Belangen sehr zufriedenstellender Deal. Alle Eventualitäten sind geregelt.» Heisst wohl: Sollte Ende Saison Aarau aufsteigen und Servette nicht, bleibt Tasar doch im Brügglifeld. Er hätte in den restlichen Saisonspielen tatsächlich keinen Grund zur Zurückhaltung: Die Sicherheit, ab Sommer in der Super League zu spielen, hätte er ja. Ausser natürlich weder Servette noch Aarau steigen auf.

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