Beim erst in der Verlängerung sichergestellten 2:1-Sieg des FC Aarau über den interregionalen 2. Ligisten FC Amriswil in der ersten Runde des Helvetia Cups bestätigten sich einige Erkenntnisse aus den ersten vier Meisterschaftsspielen und zugleich drängen sich ein paar Fragen auf.

Erkenntis 1: Die Aarauer haben ein gröberes Problem in der Spielauslösung

Dass es nicht ganz so leicht ist, gegen unterklassige Gegner eine Lösung zu finden, wenn sich diese vor dem eigenen Strafraum verbarrikadieren, hat das vergangene Cupwochenende nicht nur in Amriswil gezeigt. In Deutschland tat sich selbst der Krösus FC Bayern München schwer, die drei Klassen tiefer spielenden Amateure von  Drochtersen/Assel in die Schranken zu weisen. Er ein spätes Tor von Lewandowski entschied das Spiel. Oder Cupsieger Frankfurt unterlag den ebenfalls viertklassigen Ulmern. So gesehen befinden sich die Aarauer in guter Gesellschaft.

Was allerdings nicht bedeuten sollte, man könne über gewisse offensichtliche Probleme einfach hinwegsehen. In Amriswil fiel auf, wie schwer sich der Challenge-Ligist tat, das Spiel von hinten heraus so aufzubauen, dass der Gegner in Not geriet. Die Stärke der beiden Innenverteidiger Leo und Schindelholz ist es nicht, den präzisen weiten Ball, sei es vertikal oder diagonal, zu spielen. Gerade dies wäre aber hilfreich, um nach einem Ballgewinn einem Gegner Probleme zu bereiten, der noch nicht organisiert ist. Aber auch bei der Variante, den Ball mit einem Kurzpassspiel ins Mittelfeld zu tragen, gibt es Defizite betreffend Präzision und der Übersicht, wohin die Kugel am Vielversprechendsten gespielt werden soll.  

Erkenntnis 2: Die Aarauer sind taktisch zu wenig flexibel

Ein tief stehender Gegner hat Freude, wenn er auf eine Mannschaft wie den FC Aarau trifft, der mit viel Ballbesitz vor allem deshalb nichts anzufangen weiss, weil er immer im selben Rhythmus seinen „Stiefel“ herunterspielt. Das gibt einem Team vom Format Amriswils alle Zeit der Welt, sich immer wieder zu organisieren und die Ordnung auf dem Feld aufrecht zu erhalten. Deshalb sollte sich die oberklassige Mannschaft nicht zu schade sein, den Gegner auch mal herauszulocken, statt ihn wie eine Handballmannschaft vor dem gegnerischen Strafraum zu bespielen. Das braucht zwar Geduld, ist aber aussichtsreicher, als immer nur anzurennen. Das jedoch haben die Aarauer taktisch nicht drauf gehabt, wie auch nicht das Vermögen, dem Gegner mit Rhythmuswechseln weh zu tun. Profis haben den Vorteil, physisch viel besser drauf zu sein, als Amateure. Diesen sollten sie mit vielen Tempoverschärfungen nützen, um den Gegner ausser Atem zu bringen, bis dieser die Konzentration verliert. Auch mit Rushes aus der Abwehr oder dem Mittelfeld heraus kann dem Gegner zugesetzt und können ruhende Bälle generiert werden.

Erleichterung bei Gianluca Frontino nach dem Knorzsieg über Amriswil

Erleichterung bei Gianluca Frontino nach dem Knorzsieg über Amriswil

Erkenntnis 3: Den Aarauern fehlt die Mentalität

Nicht, dass der FC Aarau in Amriswil nicht gekämpft hätte. Nein, daran hat es nicht gefehlt. Auch wurde der Gegner nicht unterschätzt, denn Überheblichkeit war zu keiner Zeit ersichtlich. Vermisst wurden aber Leaderfiguren, die in der Lage waren, die Mannschaft mitzureissen. Die mit dem heiligen Zorn vorangehen, wenn sich der Unterklassige erdreistet, dem Favoriten die Stirn zu bieten. Von Spielern wie Schneuwly und Zverotic ist da eindeutig mehr zu erwarten. Captain Frontino ist grundsätzlich nicht der Spielertyp, der den Karren aus dem Dreck zieht. Im Moment sind viel zu viele Spieler mit sich selbst und dem mangelnden Selbstvertrauen beschäftigt, als dass sie andere mitreissen könnten.

Die Fragen vor dem wegweisenden Liga-Heimspiel gegen Chiasso am Samstag lauten: Wird die Mannschaft des FC Aarau überschätzt?  Steckt in ihr gar nicht das Potenzial, um im Aufstiegskampf ein Wörtchen mitzureden? Ist die individuelle Qualität bescheidener, als gedacht? Wäre es gar denkbar, dass es in die andere Richtung geht und sie zuerst einmal schauen muss, nicht in den Abstiegskampf verwickelt zu werden? So gesehen ist die Affiche Tabellenletzter gegen Vorletzter eine äusserst reizvolle.

«Die sportlichen Leistungen des FC Aarau haben extrem hohen Einfluss auf das Stadion»

«Die sportlichen Leistungen des FC Aarau haben extrem hohen Einfluss auf das Stadion»

Am Freitag beginnt die Mitwirkung zum Gestaltungsplan Torfeld Süd. Das Quartier mit bis zu 1200 Bewohnern soll zwei Abteilungen Kindergärten, drei Abteilungen schulergänzende Betreuung und ein Gemeinschaftszentrum erhalten. Zudem strebt der Stadtrat in den vier Hochhäusern 20 Prozent gemeinnützigen Wohnungsbau an. Im FCA-Talk diskutiert AZ-Sportreporter Sebastian Wendel mit dem AZ-Stadionexperten Urs Helbling über den neuen Gestaltungsplan, die Volksabstimmung und die Resultate des FC Aarau.