Die Tram-Nummern von Basel kennt Christian Eminger nicht. Er fährt Velo. In der Stadt, in der Freizeit – und bei Rennen. Braun gebrannt sitzt Eminger im Bahnhofbuffet in Basel, erst vor zwei Tagen ist er von der Tour du Cameroun zurückgekehrt. Dort hat er die Königsetappe gewonnen – nach Ansage. Ein besonders schöner Sieg. «Wenn man vorher sagt, ich will gewinnen, und dies auch umsetzt, sind das Glücksgefühl und die Erlösung sehr gross.» Auch nach etwa 200 Siegen ist Eminger noch immer «hungrig». Und das mit 46 Jahren.

Der zweifache Weltmeister bei den Masters fährt in den Rennen oft gegen Fahrer, die seine Söhne sein könnten. Und oft sieht der Nachwuchs nur Emingers Hinterrad. «Die Fahrer verlieren nicht gerne gegen einen, der doppelt so alt ist wie sie.» Doch die meisten im Fahrerfeld kennen ihn seit Jahren, respektieren und bewundern ihn. Christian Eminger – der gehört dazu.

Eine Runde mit dem Bruder drehen

Scheint die Sonne, trainiert Eminger täglich. Regnet es an 10 Tagen im Monat, dann sind es halt nur 20 Tage, an denen er Kilometer abspult. «Was ich nicht gerne mache, das mache ich nicht. Deshalb kenne ich auch keine Motivationslöcher.» Da Eminger Hausmann ist, liegen so viele Trainingsstunden drin.

Der 17-jährige Sohn Nick sagt zu Papas Sporttreiben: «Mach das, Papi!» Und meine Frau Barbara «ist glücklich, wenn ich glücklich bin, denn dann hat sie einen guten Mann», sagt Eminger und lacht. Momentan fährt er mit seinem 15 Jahre jüngeren Kollegen Mario Birrer fürs Team GS Tanyx Ovronnaz. Hauptsponsor ist Christian Emingers Bruder Roman, mit dem er jeden Samstag eine Runde auf dem Rennrad dreht.

Nur noch die Sponsoren fehlen

Eminger betont, er fahre nicht auf diesem hohen Niveau, um sich gegen das Alter zu wehren. Aber er liebt es, sich zu bewegen. Schnelle Beine hat er von jeher. Zwischen 1984 und 1994 startete er für Österreich drei- mal an Olympischen Spielen – damals allerdings im Eisschnelllauf. Zudem gewann er als Eisschnellläufer einmal den Gesamtweltcup und zwei WM-Medaillen. Eminger ist im aargauischen Baden geboren, seine Eltern stammen aber aus Österreich.

Als er 1998 die Qualifikation für Olympia nicht schaffte, beschloss das Multitalent, aufs Radfahren zu setzen. Um Profi zu werden, war Eminger bereits zu alt. Doch das passte ihm, «denn in der Kategorie, in der ich fahre, kann man auch ohne Doping gewinnen». Auch als Radrennfahrer bei der Elite fuhr und fährt er von Erfolg zu Erfolg. «Wenn der Hai Blut riecht, dann ist er nicht mehr zu bremsen.» In entscheidenden Momenten könne er über sich hinauswachsen. Noch immer.

Solange er vorne mithalten kann, wird der 46-Jährige weiterhin Radrennen im In- und Ausland bestreiten. Aufhören wird Christian Eminger erst, wenn «ich eine ganze Saison lang hinterher fahre. Oder wenn ich eine eigene Sportgruppe gründen kann.» Alles wäre bereit dazu, nur die Sponsoren fehlen.