Es war eines der aufregendsten FCA-Spiele in dieser Saison: Am 12. Spieltag war im Brügglifeld der FC Winterthur zu Besuch. Das Heimteam ging in Führung, dann drehten die Gäste das Spiel, kassierten aber den Ausgleich, ehe Winterthur das 3:2 erzielte und schliesslich FCA-Stürmer Ciarrocchi mit dem letzten Angriff des Abends seinem Team einen Punkt sicherte – 3:3.

Am heutigen Ostermontag treffen die beiden Teams im Brügglifeld erneut aufeinander. Kommt es wieder zum Spektakel? Zu hoffen ist dies, denn schliesslich soll dem Publikum heute noch mehr als sonst etwas geboten werden: Als Mittel gegen den Zuschauerschwund ist heute jedes Ticket und jede Saisonkarte für zwei Personen gültig.

„Unsere Aufgabe ist es, die Gratisbesucher davon überzeugen, beim nächsten Heimspiel ein Ticket zu kaufen.“ Der dies sagt, ist Stephan Keller, seit dem 21. März und der Entlassung von Marinko Jurendic der FCA-Interimstrainer. Der vorherige Assistent von Jurendic wird die Mannschaft solange trainieren, bis der neue Cheftrainer übernimmt. Gut möglich, dass Keller bei sämtlichen elf verbleibenden Spielen an der Linie steht.

Über das, was war, will der Zürcher nicht sprechen. Heisst: Keine Fragen bitte zu Marinko Jurendic und zu den Gründen, warum es nicht lief. Also die Frage: Wo hat er in den vergangenen gut zehn Tagen angesetzt? Er sagt: „Nach den unbefriedigenden Wochen zuvor war natürlich der Grossteil der Spieler unzufrieden – vor allem auch über sich selber, weil sie nicht abgerufen haben, was sie vorgenommen haben. Wie löst man dieses Problem? Mit harter Arbeit, wir haben viel trainiert, die Spieler waren teils sehr müde. Und mit Spass an der Arbeit. Sie sollen mit positiven Gefühlen in das nächste Spiel gehen.“

Allzu viel will Keller nicht verraten, um den Überraschungseffekt für Gegner Winterthur zu wahren. Aber während des Gesprächs ist herauszuspüren, dass Keller an die Grundtugenden der Spieler appelliert. „Einsatz, Leidenschaft, Kampf, aber auch Freude und der Wille, Fussball zu spielen. Diese Dinge sind nicht diskutabel, das sind Grundvoraussetzungen.“ Die Spieler sollen sich auf das Wesentliche, auf ihren Job konzentrieren. Um das zu verdeutlichen, macht Keller einen Abstecher in die Gastronomie: „Wenn in einer Pizzeria die Bedienung schlecht, die Pizza aber hervorragend ist, gehe ich trotzdem wieder hin. Weil es die Kernaufgabe einer Pizzeria ist, eine gute Pizza zu machen. Das gilt auch bei uns: Wir sind der FC Aarau, ein Fussballklub. Mit gutem und erfolgreichem Fussball die Menschen und uns selber glücklich machen, das ist unsere Hauptaufgabe.“

Der FCA (im roten Trikot Frontino) will gegen Winterthur zum Siegen zurückfinden

Der FCA (im roten Trikot Frontino) will gegen Winterthur zum Siegen zurückfinden

In der Länderspielpause sind im Brügglifeld die Profimannschaft und die Juniorenabteilung näher zusammengerückt. Etliche Spieler aus der U21 und der U18 nahmen an den Trainings der ersten Mannschaft teil. Keller: „Dadurch konnten wir lehrreiche und gute Einheiten absolvieren. Mein Dank gilt Sven Christ (techn. Leiter Team Aargau; d. Red.), der die Abklärungen mit den Schulen und den Lehrbetrieben gemacht hat und so auf die Schnelle viele Spieler aufbieten konnte.“ Dazu passt, dass Keller als Assistent den früheren FCA-Publikumsliebling Sven Lüscher zur Seite hat, der sonst im Nachwuchsbereich als Trainer tätig ist. Keller: „Er ist zum jetzigen Zeitpunkt die richtige Person am richtigen Ort.“

Erste Indizien, wie Kellers Inputs fruchten, liefert das heutige Spiel gegen Winterthur. Gegen die Eulachstädter hat der FCA statistisch etwas gutzumachen, in keinem der vergangenen fünf Duelle gelang ein Sieg. Doch fast wichtiger als das Resultat dürfte die Art und Weise sein: Das Aarauer Publikum will endlich wieder unterhalten werden. Am besten so wie damals beim 3:3 gegen den gleichen Gegner wie heute.