0:4! Das Verdikt ist auf den ersten Blick noch brutaler als beim letzten Auftritt in Genf, als sich der FC Aarau von Servette am Nasenring durch das Stade de Genève ziehen liess, aber «nur» 0:3 verlor. War der Auftritt am vergangenen Samstag also noch schlechter als damals?

Nein. Es mag grotesk klingen, aber der FC Aarau war optisch phasenweise sogar die bessere Mannschaft. Doch auf den letzten 30 Metern vor dem gegnerischen Tor, im Fussball nun einmal die entscheidende Zone, fehlten einmal mehr die Durchschlagskraft, der Mut zum Risiko und vor allem spielerische Lösungen.

Dies untermauert der Blick auf die Statistik: Die Aarauer brachten keinen Schuss aufs Tor und mussten sich am Ende bei ihrem Goalie Steven Deana bedanken, dass dieser immerhin drei von sieben Genfer Schüssen abwehrte. Aarau-Trainer Marinko Jurendic sagte nach dem Spiel: «Wir haben in den dümmsten Momenten die Gegentore erhalten und uns in der Offensive nicht gut angestellt. Das Resultat ist schlechter als die Leistung, aber natürlich ist das ein Rückschlag, wir haben uns mehr erhofft.»

In einigen Dingen gut, in genauso vielen schlecht

Von Jurendics Ankündigung, «mutig und frech» aufspielen zu wollen, war abgesehen von netten Ballstafetten im Mittelfeld nicht viel zu sehen. Die Hoffnungen, eine Woche nach dem 4:1-Heimsieg gegen Chiasso einen Coup beim Tabellenzweiten Servette zu landen, wurden schon nach dem frühen 0:1 durch Chagas (7. Minute) zerstört.

Nach dem Schlusspfiff in Genf musste man nüchtern festhalten: Zu Hause im Brügglifeld durchschnittliche Gegner wie Schaffhausen (2:1) oder Chiasso (4:1) zu dominieren und zu besiegen, dazu ist der FC Aarau mittlerweile wieder fähig. Doch auswärts ist gegen die Spitzenklubs Xamax (1:3) und Servette (0:4) kein Kraut gewachsen. Der FC Aarau gehört in der Challenge League zum Mittelmass. Mittelmass heisst: In einigen Dingen gut sein, in genauso vielen schlecht.

Heimbilanz top - Auswärtsbilanz flop

Seit über einem halben Jahr oder anders gesagt seit acht Spielen ist der FC Aarau zuhause ungeschlagen – das gelang innerhalb einer Saison noch nie! Seit dem 0:2 gegen Vaduz am 20. August 2017 gelangen im Brügglifeld 5 Siege und 3 Unentschieden – darunter die überzeugenden Auftritte gegen Xamax (2:0) und Servette (0:0).

In der Heimtabelle der Challenge League belegt Aarau mit 19 Punkten und einem Torverhältnis von 19:11 Rang 4. Ganz anders das Bild, wenn der FC Aarau auf fremden Plätzen spielt: 10 Spiele, 1 Sieg (3:1 in Wil), 2 Unentschieden und 7 Niederlagen. Das Torverhältnis von 9:24 ist katastrophal, gemeinsam mit dem FC Wohlen liegt Aarau in der Auswärtstabelle mit 5 Punkten auf dem letzten Rang.

Die beiden Bilanzen vermischt, kommen nach 21 Spieltagen 24 Punkte und Rang 6 heraus – eben Mittelmass.

Fans sind mit ein Faktor

Warum diese zwei Gesichter in Heim- und Auswärtsspielen? Abwehrchef Marco Thaler: «Im Brügglifeld werden wir jedes Mal von unseren Fans getragen. Aber das darf keine Ausrede für die schwachen Auftritte auswärts sein. Man sollte nicht alle Auswärtsspiele in einen Topf werfen, sondern sie einzeln betrachten. Dass es gegen Servette und die beste Defensive der Liga schwierig wird, das war klar.»

Trainer Jurendic trauert vor allem der Gelegenheit nach, mit einem Exploit viel Selbstvertrauen für die kommenden Wochen zu tanken: «Einmal mehr haben wir auf blöde Art und Weise die Gegentore erhalten, das ärgert mich besonders.»

Der FCA braucht mehr Qualität

Was Thaler und Jurendic nicht sagten, was im Stade de Genève einmal mehr offensichtlich war: Will der FC Aarau künftig wieder ein Spitzenteam sein, braucht er neue Spieler der Marke «Qualität statt Quantität».

Die zuletzt verpflichteten GC-Junioren Edmond Ramadani und Nikola Gjorgjev sind Mitläufer, mehr nicht. Es braucht Spieler, die unabhängig von der Leistung der Mannschaft Spiele entscheiden können – also auch dann, wenn es den Teamkollegen nicht läuft.
Spieler, wie sie Xamax mit Nuzzolo und Tréand oder Servette mit Chagas und Wüthrich haben. Spieler, die den Unterschied zwischen Spitzenklasse und Mittelmass ausmachen.