Schwingen
Die Videoleinwände machen den Kampfrichtern in Burgdorf das Leben schwer

Die Kampfrichter Marcel Villiger und André Bergmann stehen kurz vor ihrem Einsatz am Eidgenössischen Schwingfest in Burgdorf. Für den einen ist es das erste Eidgenössische, für den anderen das letzte.

Fabian Kleeb
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André Bergmann.

André Bergmann.

Voller Vorfreude blicken die beiden Aargauer Kampfrichter dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest vom Wochenende entgegen.

«Die Nervosität ist noch nicht da, aber sie kommt bestimmt», sagt Marcel Villiger, der erstmals an einem Eidgenössischen im Einsatz stehen wird.

Der 47-jährige André Bergmann, der an über 200 Schwingfesten als Kampfrichter im Einsatz stand, ist vor seinem letzten Auftritt gelassener. «Ich verfüge über sehr viel Erfahrung und bin abgebrüht, Nervosität kenne ich nicht mehr», so Bergmann.

Stolze 60 Kränze hat der in Rüstenschwil wohnhafte Marcel Villiger während seiner Aktivkarriere erkämpft, darunter einen Eidgenössischen Kranz. Eine Verletzung zwang ihn 2002, die Zwilchhosen an den Nagel zu hängen. Es folgte der Wechsel zum Kampfrichter: «Ich habe sehr viel profitiert vom Schwingen, jetzt kann ich der Sportart etwas retour geben.»

Nachdem er vor drei Jahren für das Eidgenössische knapp nicht selektioniert wurde, berücksichtigte ihn die Kampfrichterkommission in diesem Jahr zu seiner grossen Freude. An rund zwölf Schwingfesten pro Jahr amtet der 43-Jährige als Kampfrichter und holt sich dabei die nötige Routine für Burgdorf.

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Einsatz zu stehen, ist einerseits für die Schwinger eine hohe Belastung, andererseits wird auch von den Kampfrichtern einiges abgefordert.

Die beste Vorbereitung sieht Villiger darin, früh ins Bett zu gehen und lange zu schlafen. «So kann man den Druck, der auf den Schultern der Kampfrichter lastet, besser verarbeiten.» Obwohl er mehr als an einem normalen Schwingfest im Rampenlicht steht, empfindet der Rüstenschwiler den Druck nicht als unangenehm.

Villiger bekundet auch keine Probleme damit, schwierige Entscheide zu fällen. «Es geht zwar alles sehr schnell, doch wenn man einen Gang sozusagen lesen kann, bereitet einem das keine Schwierigkeiten», beschreibt er die wichtigste Fähigkeit der Kampfrichter.

Mit seinem fachkundigen Wissen tippt er beim Anschwingen auf die Paarung Wenger gegen Forrer, sein Königsfavorit ist Wenger vor Sempach und Gisler.

Der in Reinach wohnhafte André Bergmann hat als Aktivschwinger 13 Kränze gewonnen. Einen Namen machte er sich allerdings erst als Kampfrichter.

Am «Nordwestschweizerischen Schwingfest» bestritt der «Vollblut-Schwingerfan» – sage und schreibe – Fest Nummer 200.

«So viele hat noch nie einer gemacht, das ist Rekord», sagt Bergmann stolz. 2007 leitete er den Schlussgang am Eidgenössischen in Aarau, neben dem Schlussgang am Kilchberg 2002 sein persönlicher Höhepunkt.

Im Gegensatz zu Villiger bemerkt der erfahrene Kampfrichter den grösser werdenden Druck. «Alles wird professioneller. Die grossen Videoleinwände machen uns das Leben als Kampfrichter nicht einfacher», so der Wynentaler.

Das sechste Eidgenössische wird für den 47-jährigen Gerüstemonteur gleichzeitig das letzte sein, nach über 200 Schwingfesten ist genug.

Er prognostiziert, dass Kilian Wenger im ersten Gang gegen Gisler schwingen muss und gibt gleichzeitig Wenger knapp vor Gisler die besten Chancen auf den Festsieg.

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