FC-Wohlen-Serie

Die Überlebenskünstler in der neu erschaffenen Zehnerliga

Cristian Ianu war einer der «kleinen Stars», die der FC Wohlen dank der Donatoren-Unterstützung verpflichten konnte. (Archiv)

Cristian Ianu war einer der «kleinen Stars», die der FC Wohlen dank der Donatoren-Unterstützung verpflichten konnte. (Archiv)

Die Zehnerliga lässt den FC Wohlen sportlich und finanziell an seine Grenzen stossen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, erhöhte man das Budget. Das war der Anfang vom Ende. Zusätzlich entpuppte sich der Verband als «Totengräber» des FC Wohlen.

Es grenzt an ein Wunder, dass sich der FC Wohlen während 16 Jahren den Luxus leisten konnte, in der Challenge League zu spielen. Nach der Reduktion von 16 auf 10 Mannschaften wurde der Kampf um den Ligaerhalt für die Freiämter verschärft. Die Verantwortlichen waren gezwungen, sportlich und finanziell nach den Sternen zu greifen.

Ohne die vielen Geldgeber wären die Transfers von kleinen Stars wie Cristian Ianu und Sergio Bastida nicht möglich gewesen. Eine wichtige Quelle war die Donatoren-Vereinigung, die den FCW Jahr für Jahr mit sechsstelligen Beträgen unterstützt hat.

Diese Donatoren treffen sich seit 2000 einmal jährlich zu einem von der Neuen Aargauer Bank offerierten Aperitif. Das gesellige Beisammensein steht unter dem Motto «sehen und gesehen» werden. Man plaudert, isst und trinkt. Je später der Abend, desto gelöster die Stimmung! Höhepunkt des Abends ist jeweils ein Referat einer prominenten Persönlichkeit.

Zweimal mit dabei war Nationalrätin und Bundesrätin Doris Leuthard. Sie kommt aus Merenschwand und war jahrelang Donatorin. Zu den Gastrednern zählten in der Vergangenheit auch illustre Figuren wie der frühere FCB-Präsident Bernhard Heusler, FCZ-Präsident Ancillo Canepa und HC-Davos-Kulttrainer Arno Del Curto.

2012 traute der eine oder andere Geldgeber seinen Augen nicht, als mit Claudius Schäfer ausgerechnet der Chief Executive Officer (CEO) der Swiss Football League (SFL) als Referent auftrat.

Jener Mann, der den für den FC Wohlen folgenschweren Entscheid der SFL mittrug, die Challenge League von 16 auf 10 Mannschaften zu reduzieren. Jener Mann, der während Häppchen, Bier und Wein versprach, dass die Liga alles unternehmen werde, um die zweithöchste Spielklasse attraktiver zu machen.

Kein Mittel gegen die Langeweile

Das war vor sechs Jahren. Und was ist passiert? Herzlich wenig! Zwar hat die SFL für die Challenge League mit «brack.ch» einen Hauptsponsor gefunden, aber mit der Reduktion ist die Liga nicht attraktiver geworden. Im Gegenteil! Die Teams spielen in 36 Runden viermal gegeneinander. Wo ist da der Reiz?

Vor lauter Langeweile gehen die Zuschauerzahlen je länger, je mehr zurück. Pikant: In den vergangenen sechs Saisons gab es mit dem FC Locarno nur einen sportlichen Absteiger. Die andern fünf Absteiger wurden zwangsrelegiert oder zogen sich aus freiem Willen aus dem Profifussball zurück.

Auch in dieser Meisterschaft löste sich der Kampf gegen die Relegation nach dem freiwilligen Rückzug des FC Wohlen Anfang dieses Jahres buchstäblich in Luft auf. Oder, um es mit den Worten von Rapperswil-Jona-Trainer Urs Meier zu sagen: «Was die Spannung betrifft, hat der FC Wohlen den Stecker gezogen.»

Statt die Anforderungen und die Auflagen nach oben zu schrauben, hätte sich die SFL besser grundsätzliche Gedanken über die Zusammenstellung und den Modus gemacht. Die SFL hat es zudem versäumt, die Challenge League zu einer Ausbildungsliga mit jungen Schweizer Spielern zu machen. Das geht nicht mit Phrasen und Empfehlungen, das geht nur mit Regeln.

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Ein Beispiel gefällig? Bitte schön: Warum werden die Klubs nicht dazu verpflichtet, mindestens sechs Talente aus der eigenen Juniorenabteilung spielen zu lassen? Statt Nachwuchsspieler zu berücksichtigen, setzen viele Teams der zweithöchsten Spielklasse noch immer auf Routiniers und Ausländer.

Kommt hinzu, dass die Klubs von der SFL bezüglich Infrastruktur und Sicherheitsmassnahmen überfordert werden. Die Liga verdonnert die Klubs beispielsweise dazu, Schalensitze durch Klappsitze zu ersetzen. Ein Witz! Und wenn man vor einem Heimspiel des FC Wohlen ins Stadion Niedermatten will, stehen einem erst jede Menge Sicherheitsleute im Weg. Die Kosten dafür werden von Jahr zu Jahr höher. Wer soll das bezahlen?

Natürlich ist die Swiss Football League nicht die Totengräberin des FC Wohlen, aber sie hat die Freiämter von Jahr zu Jahr in ein engeres Korsett gezwungen. Es war eine Frage der Zeit, bis der Führungscrew um René Meier und Lucien Tschachtli die Luft ausgeht.

Nach der «Todessaison» 2011/12 stiess der FC Wohlen an Grenzen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, erhöhte man das Budget bis über die Grenze von zwei Millionen Franken hinaus. Das war der Anfang vom Ende.

Der Kampf geht weiter

Die Verantwortlichen standen Ende 2012 vor einer wegweisenden Entscheidung. Drei Szenarien standen im Raum: Die finanzielle Sanierung, die Einstellung des Profibetriebs oder ein Verkauf der Aktiengesellschaft an einen Investor. Man entschied – der Kampf geht weiter!

Die Versammlung der AG des FC Wohlen stimmte Mitte November einer Kapitalerhöhung von 225 000 auf neu 335'000 Franken zu. Aber eines stand fest: Kurz vor dem bittersten Kapitel in der Challenge-League-Geschichte des FC Wohlen – dem folgenschweren Fall mit den zwei Verträgen für den Brasilianer Wellington und dem Verstoss gegen das Ausländergesetz – geriet das Schiffchen FC Wohlen mehr und mehr in Schieflage. Am Horizont zogen dunkle Wolken auf. Die Sturmflut kam näher. Immer näher.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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