11:29 Uhr: Die Inlinehockey-Sommerpause ist offiziell zu Ende. Die Hurricanes nehmen den Meisterschaftsbetrieb in Biel gegen die Seelanders wieder auf. Die Anreise ist praktisch immer individuell. Ein Mannschaftsbus wird nur für Gastspiele im Tessin organisiert. Die arrivierten Hurricanes-Akteure Christoph Eichenberger und Daniel Maurer bilden eine Fahrgemeinschaft und treffen sich rund zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn in Lenzburg. Die platzraubenden Taschen werden verstaut, das Navigationssystem eingeschaltet und los geht‘s.

11:55 Uhr: Während der Autofahrt wird nicht über Hockey gesprochen. Der EM-Marathon, eine neuerliche Hochzeit und unvergessliche Erinnerungen von Klubausflügen sind die Themen. Die Stimmung ist ungezwungen.

12:10 Uhr: Zwischenhalt an einer Autobahnraststätte. Jeder bereitet sich auch kulinarisch individuell auf die anstehende Partie an. Schokoladenriegel und reichlich Wasser liegen auf dem Tresen. Es soll an nichts fehlen.

12:33 Uhr: Ankunft in Biel. Die Umgebung erinnert gewissermassen an den Klotener Schluefweg: Am Ende einer ruhigen Quartierstrasse erreicht man eine anmutige Freiluft-Arena, die von reichlich Grünfläche umgeben ist. Die Hurricanes müssen sich in einem Container, der wohl als langfristiges Provisorium dient, umziehen.

Container, die als provisorische Garderobe dienen

Container, die als provisorische Garderobe dienen

12:46 Uhr: Alle Fahrgemeinschaften haben mittlerweile den Weg ins Seeland gefunden. Die „Wirbelstürme“ sind bereit für die erste lockere Jogging-Session.

13:06 Uhr: Die Sonne lacht, ideales Inlinehockey-Wetter. Die Stimmung im Team ist bis dato locker. Nichts ist vom Eklat der letzten Woche zu spüren. Das Material wird vorbereitet: Stöcke werden mit Tape umwickelt, Rollen an den Skates ersetzt und getestet.

Der Freiluft-Platz in Biel - ein idyllisches Bild für jeden Inlinehockey-Fan

Der Freiluft-Platz in Biel - ein idyllisches Bild für jeden Inlinehockey-Fan

13:14 Uhr: Währendem sich die Mannschaft vorbereitet, sitzen Ex-Coach Maurer und Kapitän Gian Amstutz fernab auf einer Bank. Wohl eine private Diskussion über die Zukunft der Lenzburger Mannschaft. Doch eines versteckt das Gros nicht: Die Hoffnung auf den Rücktritt des Rücktritts. Vielleicht wäre ein heutiger Sieg Balsam auf die zuletzt erlittenen Wunden Maurers.

13:38 Uhr: Die Mannschaften sind auf dem Feld. Währendem grundlegende Schussübungen umgesetzt werden, spürt man einen schleichenden Attitüden-Wechsel innerhalb der Hurricanes. Die zuvor ausgestrahlte Lockerheit wird vom eisernen Fokus auf die kommende Partie übertrumpft. Maurers Rolle ist weiterhin dezent. Einzelne kleinere Anweisungen kann er sich nicht verkneifen. Generell spürt man eine elektrisierende Aufbruchsstimmung in den Reihen der „Wirbelstürme“. Ob dies ein Beschwichtigungsversuch mit Blick auf die vergangenen aufwühlenden Tagen ist?

Die Lenzburg Hurricanes auf fremdem Terrain

Die Lenzburg Hurricanes auf fremdem Terrain

13:52 Uhr: Kurz vor Matchbeginn motivieren Kapitän Gian Amstutz und Ex-Coach Maurer ein letztes Mal. Einfach und konzentriert, so soll man auf fremden Terrain agieren. Die Spieler nicken im Takt.

13:58 Uhr: Der obligate Spielerkreis, der gewohnt anspornende Schlachtruf und dann wird der Spielball zum ersten Mal freigegeben.

14:34 Uhr: Assistenzkapitän Thierry Joye ergreift das Wort. Zu passiv seien er und seine Kameraden aufgetreten – und zu ungenau im Abschluss. Er fordert ein sofortiges Erwachen. Mit einem 0:1-Rückstand wanderten die Hurricanes in die erste Drittelpause. Biel zelebrierte ein schnelles Konterspiel, das den Aargauern einige Mühe bereitete. Wieder der Spielerkreis. Wieder der Schlachtruf. Und Maurer? Bis auf wenige Hinweise auf dem Feld, blieb der 30-Jährige wortkarg.

14:50 Uhr: Die Hurricanes haben den Gegner jetzt im Griff und merken, dass der Ausgleich in der Luft liegt. Dennoch wird auf der Bank viel moniert und kommentiert. Man merkt, dass die Team-Hierarchie im Moment etwas intransparent ist. 

15:13 Uhr: Trotz ruppiger Gangart des Bieler Gastgebers, gelingt den Wirbelstürmen der verdiente Ausgleich. Kurz vor Wiederanpfiff erhebt sich Daniel Maurer. Er redet mit seiner bestimmten, aber druckentlastenden Art auf die Spieler ein. Er fordert Geduld.

15:44 Uhr: Knapp vier Minuten sind noch zu spielen. Die Seelanders erzwangen zuvor die erneute Führung. Die Hurricanes reagierten zwar postwendend, blieben aber vor dem Tor zu zaghaft. Timeout. 30 Sekunden Zeit für Dirigent Maurer. Ohne irgendein aufmerksamkeitsförderndes Zeichen horchen die 13 Akteure den erfolgssicheren Worten Maurers. „Wir haben hier vor einem Jahr schon einmal kurz vor Schluss ausgeglichen“. Anweisungen bleiben aus. Wieder der Spielerkreis. Wieder der Schlachtruf.

15:49 Uhr: 28 Sekunden verbleibt auf der Uhr. Die Lenzburger spielen aufgrund einer fahrlässigen Strafe Biels im Powerplay. Der Ball kommt nach einem Bandengefecht zu Kay Gfeller. Dieser ahnt eine freiwerdende Lücke in der Bieler Abwehrmauer, fasst sich ein Herz und trifft – in extremis. Grenzenloser Jubel und einmal mehr ein Beispiel, dass die Hurricanes über eine beneidenswerte Teammoral verfügen. Die Wirbelstürme retten sich in die Verlängerung.

16:00 Uhr: Diese endet torlos. Das Penaltyschiessen muss die Entscheidung herbeiführen.

16:08 Uhr: Von je zwei Schützen traf lediglich ein Bieler. Die Mannschaft um Kapitän Gian Amstutz ist unter Zugzwang und muss den nächsten Anlauf verwerten, will sie noch eine Chance auf den Sieg haben. Der grossgewachsene Spielführer tritt selber an – und scheitert. Nicht am Torhüter, sondern am Material. Während des Schusses teilt sich der Hockeystock von Amstutz in zwei Teile. Ernüchterung im Lager der Aargauer.

16:45 Uhr: Die Enttäuschung ist immer noch spürbar, als die letzten Lenzburger die Garderoben verlassen. Doch immer wieder ist auch folgender Satz zu hören: „Dieser Ausgleich war für die Moaral ungemein wichtig.“ Man reiste also doch nicht ganz vergebens ins Seeland. Mit einem Zähler im Gepäck macht sich auch die Fahrgemeinschaft Maurer/Eichenberger wieder auf den Heimweg.

17:00 Uhr: Es verstreichen einige Minuten mit einer ausführlichen Matchanalyse. Die aussenstehenden Zuschauer werden daraufhin zum Thema. Von jenen lasse man sich höchst selten aus dem Konzept bringen. Mehr aus dem Rhythmus komme man durch Schiedsrichterentscheidungen. Die Auswahl an Inlinehockey-Schiedsrichter ist in jeder Region beschränkt, deshalb pfeifen regelmässig dieselben Gesichter. Voreingenommenheit oder revanchierende Aktionen können deshalb zum Problem werden. Eine Staumeldung.

17:20 Uhr:  Der Verkehr stockt. Daniel Maurer wird mit der Trainerfrage konfrontiert. Niemand wollte an diesem Tag eine handfeste Antwort liefern. Alle hoffen sie im Stillen auf die Rückkehr des Unersetzbaren. Maurer hingegen hat weiterhin keine Hemmung, über seine Entscheidung zu sprechen. Explizit verneint er eine Trainerzukunft nicht. Der Missmut aus der vergangenen Woche schwebt aber noch immer in der Luft. Er verweist auf eine Mail, die er der Mannschaft zukommen liess, in der Maurer ein negatives Fazit bezüglich der Mannschaftsdisziplin zieht. Trotzdem lässt Maurer nicht durchblicken, wie seine Zukunft in Lenzburg aussehen wird. „In den kommenden Wochen wird Gian Amstutz das Training leiten“, stellt Maurer klar. Gut möglich, dass seine Reaktion die letzte Warnung an seine Mannschaft war. Vielleicht aber auch ein folgenreicher Schlusspunkt. 

18:00 Uhr: Ankunft in Lenzburg. Ein intensiver Tag neigt sich langsam dem Ende zu, während die Spekulationen über Maurers Zukunft erst richtig beginnen. Im Moment herrscht in Lenzburg eine Übergangsregierung mit Daniel Maurer, Gian Amstutz und Thierry Joye, doch alle wollen im Stillen nur das Eine: Die Nummer 24 zurück im Traineramt.