Curling

Die Suche geht weiter: Scheitert Skip Silvana Tirinzoni unter Druck?

Silvana Tirinzoni – eine Suchende

Silvana Tirinzoni – eine Suchende

Silvana Tirinzonis Suche nach der Wahrheit geht auch nach ihrem Olympia-Debüt weiter. Aber findet sie überhaupt je eine schlüssige Antwort auf die eigenen Fragen? Die 38-jährige Zürcherin schliesst das Turnier in Pyeongchang auf dem enttäuschenden siebten Rang ab.

Letztlich fehlte nur ein Sieg für den Halbfinal-Einzug. Auch das ist typisch Tirinzoni. Sie verliert selten hoch, hält praktisch in jeder Partie mit, gewinnt aber die entscheidenden Spiele nicht. Nur drei WM-Teilnahmen in ihrer langen Elite-Karriere und die Olympia-Premiere erst mit 38 Jahren sind viel zu wenig für eine Spielerin mit ihrem Talent und ihren Ansprüchen.

Denn das Team des Curlingclubs Aarau mit Skip Tirinzoni gehört unbestritten zu den Besten seines Fachs. Es liegt in der Weltrangliste seit Jahren auf einem der vordersten Ränge, zeigt von allen Schweizer Curlerinnen die grösste Konstanz auf höchstem Niveau.

Scheitern an den Ansprüchen

Aber grosse Siege oder wichtige Medaillen? Fehlanzeige! «Sie kämpft mit den Erwartungen, die andere an sie haben könnten», sagte Ralph Schoenfeld, der kanadische Mentaltrainer des Teams vor dem bisher wichtigsten internationalen Auftritt seiner Schützlinge in der Neuen Zürcher Zeitung.

Nach den beiden letzten gewonnenen Gruppenspielen zog Tirinzoni Olympia-Bilanz. Auch diese widerspiegelt letztlich ihre fehlenden Antworten. «Ich bin nicht zufrieden mit den Resultaten. Aber ich kann nicht behaupten, zutiefst enttäuscht zu sein», sagte sie. Man wünsche sich den einen oder andern Stein zurück, denn leider habe man das eine oder andere End verschlafen und die eine oder andere Partie blöde verloren. «Wir haben zwischendurch den Fokus verloren. Auf diesem Niveau kann man sich dies nicht leisten.»

Die Antwort, wieso so etwas passieren konnte, gibt die 38-Jährige gleich selber. «Man ist total überwältigt von diesem ganzen Zirkus hier. Olympische Spiele sind bei weitem mit keinem anderen Event zu vergleichen, den ich je in meinem Leben gespielt habe.» Vier der ersten fünf Spiele gingen verloren – vielleicht auch deshalb. «Man versucht, sich so gut wie möglich darauf vorzubereiten. Aber letztlich ist es unmöglich. Diese Emotionen – ob positiv oder negativ – muss man erlebt haben», sagt Tirinzoni. Sie wisse auch nicht, was man in der Vorbereitung hätte anders machen können.

Stolz auf das Team

Auf ihre Mitspielerinnen Manuela Siegrist, Esther Neuenschwander und Marlene Albrecht ist die Zürcherin trotz des wiederholten Scheiterns nach der bereits verpassten Medaille an der Heim-EM in St. Gallen stolz. «Der Teamspirit blieb stets intakt. Wir haben nie den Mut verloren und auch nie aufgehört zu kämpfen und uns damit immer wieder Chancen erarbeitet.» Chancen, die nicht genutzt wurden.

Morgen Freitag machen die Aarauerinnen einen Abstecher zum Männer-Slalom, nach der Heimreise folgen eine längere Pause und im April die letzten zwei Grand-Slam-Turniere der Saison. Silvana Tirinzoni wird auch dort wieder mit den Weltbesten mithalten. Aber eines ist klar: Sie bleibt eine Suchende.

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