Alexander Ursenbacher

Die Snooker-Sensation aus dem Aargau geht mit fliegenden Fahnen unter

Das WM-Abenteuer ist für Alexander Ursenbacher zu Ende.

Das WM-Abenteuer ist für Alexander Ursenbacher zu Ende.

Das WM-Abenteuer des Aargauer Snooker-Profis Alexander Ursenbacher ist im Sechszehntelfinal gegen den Engländer Barry Hawkins mit einer deutlichen 2:10-Niederlage zu Ende, doch die Leistungen des Fricktalers im Snooker-Mekka Sheffield waren eindrücklich.

Plötzlich ist sie noch einmal da, die Chance für Alexander Ursenbacher. Im zwölften von maximal 19 Durchgängen begeht sein Gegner Barry Hawkins einen seiner seltenen Fehler. Der Schweizer hat es in der Hand, sein Ausscheiden aus dem WM-Turnier zumindest zu verzögern. Doch dann passiert dem Fricktaler das, was ihm im Verlauf dieses WM-Duells gegen die Nummer 15 der Weltrangliste regelmässig passiert: Er verpasste einen relativ einfachen Stoss. Hawkins lässt sich die Gelegenheit nicht nehmen und macht den Sack zu. Nach etwas mehr als vier Stunden Spielzeit ist das WM-Abenteuer für Alexander Ursenbacher vorbei. 10:2 lautet das klare Verdikt zugunsten des Engländers.

Eine ausserordentliche Leistung

Daniel Holliger schaut derweilen auf dem Grossbildschirm in seinem Billard-Center «Kiss-Shot» in Staufen zu, wie sich Ursenbacher und Hawkins – coronakonform – zum Abschluss den Ellbogen geben. Holliger, der Vize-Präsident von Swiss Snooker, betont, dass das, was sein Aargauer «Landsmann» in Sheffield erreicht hat, eine grossartige Leistung ist. «Dass er sich als erster deutschsprachiger Spieler überhaupt für das WM-Hauptturnier qualifizieren konnte, das ist ausserordentlich.»

Das relativ schnelle Aus gegen Hawkins überrascht Holliger aber nicht. «Er hat einen riskanten Spielstil. Und ein Routinier wie Hawkins nutzt dann eben jeden Fehler eiskalt aus. Aber auf der anderen Seite ist Alex nur dank seiner offensiven Spielweise überhaupt so weit gekommen.» Barry Hawkins fand nach dem Duell jedenfalls lobende Worte für Ursenbacher: «Ich wusste, dass er ein gefährlicher Spieler ist. Einer der, wenn er mal in Fahrt ist, aufs Ganze geht. Deshalb musste ich versuchen, ihn etwas zu bremsen und darauf zu spekulieren, dass ich meine Chancen erhalten würde.» Gleichzeitig attestierte der Engländer seinem 17 Jahre jüngeren Konkurrenten viel Potenzial: «Mit ein wenig mehr Erfahrung kann er sein ganzes Spiel weiterentwickeln.» Es sei zudem sehr schwierig, das erste Mal unter diesen Bedingungen zu spielen. «Ich habe 1:10 verloren bei meinem ersten WM-Auftritt. Also hat er sich sogar besser geschlagen als ich», erinnerte sich Hawkins an eine WM-Premiere.

Die Erfahrung, im «Wem­bley des Snookers», im Crucible Theater in Sheffield, an einer WM antreten zu dürfen, ist für Ursenbacher auf jeden Fall Gold wert. Dass sich ein 24-jähriger Schweizer Spieler mit den besten Cracks der Welt auf höchstem Niveau messen kann, ist schon angesichts der Anzahl ­lizenzierter Snookerspieler hierzulande erstaunlich: Nur ungefähr 50 betreiben den Sport offiziell. Snooker ist also in der Schweiz ein absoluter Nischensport. Und auch deutlich weniger populär als das bekannte Pool-Billard. «Obwohl auf Eurosport ja oft stundenlang Snooker live am TV zu sehen ist, hat die Disziplin vergleichsweise einen schweren Stand», sagt Daniel Holliger. Snooker sei wegen des im Vergleich zum Pool-Billard markant grösseren Tischs eben anspruchsvoller und somit die Hemmschwelle auch etwas höher, mutmasst der Staffelbacher.

Das Hoffen auf den Ursenbacher-Effekt

Natürlich hofft Daniel Holliger, dass die starken Auftritte Ursenbachers dem Sport hierzulande neuen Auftrieb verleihen. Für Swiss Snooker ist der Rheinfelder das perfekte Aushängeschild. Holliger hatte im Mai schon einen Show-Match mit dem Schweizer Profi und einem ausländischen Crack in Staufen geplant. Die Coronakrise machte dem Ansinnen aber einen Strich durch die Rechnung. Nach den jüngsten Auftritten von Alexander Ursenbacher dürfte der Werbeeffekt bei der angestrebten Neuauflage nun aber noch viel grösser sein.

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