Handball-WM
«Die Schweiz kommt an die WM»: HSC-Portugiese João Ferraz wusste noch vor Andy Schmid und Co. Bescheid

Der 31-jährige Linkshänder des HSC Suhr Aarau trifft in der WM-Hauptrunde am Freitagnachmittag (Anpfiff: 15.30 Uhr, live TV24) mit Portugal auf die Schweiz.

Dean Fuss
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HSC-Portugiese João Ferraz (r.) während der WM-Partie gegen Algerien.

HSC-Portugiese João Ferraz (r.) während der WM-Partie gegen Algerien.

Keystone

Dienstag, 12. Januar, 19.30 Uhr. Im Whatsapp-Teamchat des HSC Suhr Aarau poppt eine Nachricht auf: «Die Schweiz kommt zur WM.»

Ein Satz, so simpel wie bedeutungsvoll. Der Inhalt so knapp wie exklusiv. Zumal im Moment, in dem ihn der portugiesische WM-Teilnehmer João Ferraz seinen Aargauer Teamkollegen schickt.

Denn der Grossteil des Schweizer WM-­Kaders weiss zu diesem Zeitpunkt noch nichts von seinem WM-Nachrücker-Glück. Die offizielle Bestätigung erfolgt über drei Stunden später.

Der portugiesische HSC-Linkshänder João Ferraz (r.) im Zweikampf mit dem Isländer Ymir Orn Gislason.

Der portugiesische HSC-Linkshänder João Ferraz (r.) im Zweikampf mit dem Isländer Ymir Orn Gislason.

Keystone

«Ich habe beim Abendessen gehört, dass sich nach Tschechien auch die USA wegen zu vielen Coronafällen zurückziehen müssen und dass damit die Schweiz als zweiter Nachrücker zum Handkuss kommt», sagt Ferraz.

Anderthalb Wochen später kommt es heute in der WM-Hauptrunde zum Duell zwischen Portugal und der Schweiz (Anpfiff: 15.30 Uhr). Die Südwesteuropäer gehen als Favorit in die Partie. Aber Ferraz sagt:

Es gibt in dieser Phase des Turniers keine einfachen Gegner mehr – auch nicht die Schweiz.

Es ist früher Mittwochnachmittag als die AZ den portugiesischen Rückraumspieler des HSC Suhr Aarau in Ägypten telefonisch erreicht. Der Linkshänder hat gerade zu Mittag gegessen und bereitet sich auf die Partie vom Abend gegen Norwegen vor.

Diese geht wenige Stunden später mit 28:29 verloren. In ihrem vierten Spiel an dieser WM gehen die Portugiesen zum ersten Mal als Verlierer von der Platte.

Portugal ist ohne Verlustpunkte in die Hauptrunde gestartet

In der ersten Turnierphase hatte Portugal in der Gruppe F keinerlei Mühe bekundet und sich ohne Verlustpunkte souverän für die Hauptrunde qualifiziert.

Gegen Gruppenfavorit Island setzte sich Portugal mit 25:23 durch, die Pflichtaufgaben gegen Marokko (33:20) und Algerien (26:19) wurden problemlos erledigt.

«Das ist keine schlechte Ausgangslage für uns», sagt Ferraz. Nach der Niederlage gegen Norwegen ist ein paar Stunden später klar: Ein Spaziergang wird die Viertelfinalqualifikation für die Portugiesen trotzdem nicht. Zwar belegen sie als Gruppenzweiter weiterhin einen der beiden Viertelfinalplätze und haben intakte Chancen auf ein Weiterkommen, aber das Polster ist bereits weg.

Deshalb muss heute gegen die Schweiz ein Sieg her. Der vermeintlich einfachste Gegner der Portugiesen in der Hauptrunde hat allerdings bekanntlich am späten Mittwochnachmittag mit dem 20:18-Sieg gegen das stärker eingeschätzte Island ein Ausrufezeichen gesetzt.

Ferraz' Vorfreude auf die Partie gegen die Schweiz

Ferraz, der vor exakt zwei Wochen seinen 31. Geburtstag gefeiert hat, freut sich auf die Partie gegen das Land seines Arbeitgebers:

Das wird ein spezielles Spiel für mich gegen viele bekannte Gesichter aus dem Liga-Alltag. Ich freue mich auch darauf, meine HSC-Mitspieler zu treffen.

Die Vorfreude ist auch verbunden mit Hoffnung. Im Gegensatz zur erfolgreichen EM-Kampagne Anfang 2020 kam Ferraz in Ägypten bisher noch nicht so auf Touren.

Vor Jahresfrist hatte er durchschnittlich 22:30 Einsatzminuten pro Partie sowie insgesamt 20 Treffern verbucht und damit seinen unbestrittenen Anteil am Sturm auf den sechsten EM-Schlussrang.

Ferraz wurde bisher nur in zwei der vier Partien eingesetzt

An der WM hingegen ist Ferraz bisher eher Ergänzungsspieler denn Leistungsträger. Zuletzt gegen Norwegen fehlte sein Name auf dem Matchblatt.

Erst in zwei der vier Partien Portugals ist er überhaupt zum Einsatz gekommen. Dabei totalisierte er durchschnittlich 15:10 Minuten auf der Platte. Auf seinen ersten WM-Treffer wartet Ferraz noch.

«Bis jetzt bin ich leider noch nicht so viel zum Zug gekommen. Aber das ist die Entscheidung des Trainers, das muss ich akzeptieren. Ich bin 100 Prozent fit und halte mich bereit. Wenn es mich braucht, dann bin ich da», sagt Ferraz.

Vielleicht ja schon heute gegen die Schweiz.