Fussball 1. Liga
Die Säuliämter drehen den Spiess um: Der FC Muri geht unter

Gleich mit 0:4 gehen die Murianer gegen Wettswil untendurch. Eine Niederlage, die zum Nachdenken anregt. Zu Beginn das Spiel dominiert, bauten die Gastgeber konstant ab und obliessen das Spieldiktat mit Fortdauer der Partie dem Gegner.

Daniel Ludin
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Muris Torhüter Reto Felder war beim 0:4 gegen Wettswil nicht zu beneiden.

Muris Torhüter Reto Felder war beim 0:4 gegen Wettswil nicht zu beneiden.

Alex Spichale

Für einmal wurden die Rollen getauscht: Das vermeintliche Opfer wird zum Täter. Sinnbildlich für die Zeit der sogenannten «Metzgete» drehen die Säuliämter den Spiess um. Der FC Muri geht, sichtlich getroffen, baumelnd von dannen und muss nun hinter die Bücher. Eine solche Niederlage tut weh.

Hoffnungsvoll und mit Selbstvertrauen aus den letzten Spielen nahmen die Gastgeber das Spiel von Beginn an in die Hand und agierten mit cleveren Vorstössen. Ein wahrer Augenschmaus, als Matoshi nach einer guten Viertelstunde mit seinem ganzen Spielwitz auftrumpfte und gleich zwei Spieler verdutzt hinter sich liess. Seine Flanke wurde zur gefährlichen Vorlage – der Abschluss jedoch verfehlte sein Ziel.

Thaqaj gegen seinen Ex-Klub

Immer wieder kam das Heimteam gefährlich über die linke Seite und lancierte Thaqaj in der Offensive. Für Thaqaj war es das besondere Spiel - gegen seinen Ex-Club setzte er alles daran, als Sieger vom Platz zu gehen. Es kam anders. Wie aus dem Nichts kam die Führung der Gäste: Oleg Dukhnich beförderte das Leder nach einem cleveren Doppelpass in die Maschen und brachte die Gäste mit 0:1 in Front.

Der Schock sass tief. Wie tief, merkte man, als es kurz darauf bereits 0:2 stand. Wieder einmal kam das Zusammenspiel der Unparteiischen zum Tragen: Ein unglücklicher Rutscher im eigenen Strafraum – der gegnerische Angreifer lässt sich geschickt fallen und schon erklingt der schrille Ton. Elfmeter. Eine Zeigerumdrehung später ist der Zwei-Tore-Rückstand bereits Tatsache. Gerademal 34 Minuten waren gespielt, als das Schicksal seinen Lauf nahm.

Die Halbzeitpause schenkte Trainer Hubeli die Zeit, seinen Akteuren mentale Peitschenhiebe zu verpassen. Es kam bereits in der Pause zum ersten Wechsel: Michael Hohl musste nach einem unglücklichen Tackling des Gegners ausgewechselt werden – für ihn kam Streuli auf die Aussenbahnen. Bei diesem Spielstand ist noch nichts entschieden, hätte man denken können, ja müssen.

Unerklärliche Wende nach gutem Start

Einige dachten es vielleicht bereits, trauten es aber nicht auszusprechen: Die Murianer zeigten sich bereits geschlagen – kein übertragender Funke, der die Spieler mehr antrieb. Auch die Einwechslung frischer Kräfte wie Nathan und Studer änderten nichts an der besiegelten Niederlage. Die weiteren Tore waren nicht mehr als ein Ausrufezeichen – ein Unterstreichen, dass die mentale Stärke noch nicht da ist, bis zum Ende zu kämpfen.

Die letzte halbe Stunde wurde es immer leiser. «Wer hat noch nicht, wer will nochmal»: Fast schon frech spielten die Gäste ihren Gegner in der zweiten Hälfte an die Wand. Nein, mit Hubeli hätte heute keiner tauschen wollen. Wirklich kein schöner Anblick, wie man sich Mal für Mal düpieren liess.

Auch Torhüter Felder war an diesem Abend nicht zu beneiden - für ihn gabs kaum was zu halten. Dass er beim 0:4 Schlusspunkt noch in hoher Kunst überlobbt wurde, veranschaulichte die Überlegenheit der Gäste sinnbildlich. Luca Studer entschied das Spiel mit einer technisch perfekten Einlage und liess sich zu Recht von seinen Mitspielern feiern. Dass Hubeli seine Spieler gleich nach dem Schlusspfiff in die Kabine zitierte, erstaunte Niemanden mehr. Nach einer desolaten Vorstellung wie dieser müssen einige Scherben wieder zusammenfinden.

Muri - Wettswil-Bonstetten 0:4 (0:2)

Brühl. – 300 Zuschauer. – SR Vetsch. – Tore: 34. Dukhnich 0:1. 41. Buchmann (Penalty) 0:2. 57. Acosta 0:3. 90. Studer 0:4.

Muri: Felder, Diethelm, Zeqiraj, Knezevic; Müller, Ludäscher, Matoshi (75. Nathan), Hohl (46. Streuli), Sinanovic (60. Studer), Koch, Thaqaj.

Wettswil: Bachmann, Buchmann, Studer, Kalyon, Gouiffe, Dukhnich (90. Lauper), Acosta (85. Constancio), Baumgartner, Halef, Gjergji, Bonfardin (73. Peter).

Bemerkungen: Muri ohne Tafa K., Hirschi, Gazsi, Kohler (alle nicht im Aufgebot), Trost und Kaufmann (beide Ausland). – Verwarnungen: 33. Sinanovic, 40. Müller, 46. Baumgartner, 80. Acosta, 85. Studer L., 88. Diethelm.