Wie lange dauert die Reise von der Fussballhölle in den Fussballhimmel? Für den FC Wohlen gerade mal eine Saison! Nach den Negativschlagzeilen mit dem «Fall Wellington» und dem zähen Ringen um den Ligaerhalt 2013/14 folgte ein sportlicher Höhenflug.

Der FC Wohlen startete dank einer neuen Führungscrew mit Stratege und Arbeitsbiene Lucien Tschachtli sowie Erfolgstrainer und Dirigent Ciriaco Sforza sowohl auf als auch neben dem Spielfeld durch. 

Beginnen wir mit dem sportlichen Teil: Was war das für ein hochkarätiges, aber halt auch kostspieliges FCW-Kader in der Saison 2014/15!

Namen wie Joel Kiassumbua (heute FC Lugano), Mario Bühler (Vaduz), Alban Pnishi und Bujar Lika (beide GC), Joël Geissmann und Simone Rapp (beide Lausanne), Roman Buess (FC St. Gallen) und Samir Ramizi (Xamax) machten aus der grauen Maus einen stolzen Löwen.

Nicht zu vergessen Sforzas Supertransfer Kevin Pezzoni: Der deutsche Ausnahmekönner kam vom 1. FC Köln zum Freiämter Challenge-Ligisten und war im zentralen, defensiven Mittelfeld so etwas wie der Fels in der Brandung.

Mit dem Erfolg kamen die Begehrlichkeiten

Mit Pezzoni und Co. ging die Post ab: Zwei Spiele, sechs Punkte, vier Spiele, zwölf Punkte, sechs Spiele, sechzehn Punkte! Der FC Wohlen führte die Tabelle der Challenge League nach sechs Runden schon mit sechs Punkten Vorsprung auf Winterthur und Servette an.

Der fulminante Start in die Saison 2014/15 weckte Begehrlichkeiten. Und weil der sportliche Höhenflug immer weiter ging, durfte der FC Wohlen bis zum Schlussspurt auf den Aufstieg in die Super League hoffen.

Das Ganze war nichts anderes als ein sportlicher Wahnsinn! Für Joël Geissmann gab es drei Gründe, warum der FC Wohlen fast nicht mehr zu stoppen war: «Einerseits entfachte Ciriaco Sforza eine grosse Euphorie», erklärt der heutige Lausanne-Mittelfeldspieler rückblickend.

«Sforza ist ein hervorragender Motivator. Er war extrem ehrgeizig, ging voran, wollte immer mehr und hat uns alle heiss gemacht. Anderseits war die Mannschaft gespickt mit jungen, hungrigen Spielern, die den Sprung in die Super League anstrebten. Und zum Dritten spielten wir uns nach dem hervorragenden Saisonstart in einen Rausch. Plötzlich gab es keine Grenzen mehr. Wir waren mit Teams wie Lugano, Servette und Lausanne auf Augenhöhe.»

Machtwechsel mit Tschachtli

Neben dem Spielfeld kam es zu einem Machtwechsel: Verwaltungsratspräsident René Meier und Andy Wyder, seines Zeichens Delegierter des Verwaltungsrats, gaben Ende Mai 2014 nicht zuletzt wegen der leidigen Angelegenheit um den Doppelvertrag für den brasilianischen Verteidiger Wellington ihre Demission bekannt.

Fünf Monate später gab Wyder nach sage und schreibe 22 Jahren auch sein Vorstandsmandat ab. Ein FC Wohlen ohne die beiden Alphatiere Meier und Wyder? Auf den ersten Blick undenkbar!

Der Dreijahres-Schlachtplan

Aber erstens kommt es anders, als man zweitens denkt: Nach dem Ligaerhalt im Frühling 2014 rauften sich der damalige Verwaltungsrats-Vizepräsident Lucien Tschachtli und Trainer Ciriaco Sforza zusammen. Sie legten sich einen Schlachtplan zurecht und machten einen Dreijahresplan. Mit dem grossen Ziel, den FC Wohlen in der Challenge League als Topverein zu etablieren.

Der sportliche Bereich mit der Zusammenstellung des besten Kaders in der Challenge-League-Geschichte auf die Saison 2014/15 war nur ein Teil. Auf dem Weg zur Professionalisierung wurde die Administration auf 160 Stellenprozent aufgestockt. Und in finanzieller Hinsicht erhöhten die Donatoren Ende Juni an ihrer Generalversammlung nach einem flammenden Appell von Sforza den Mitgliederbeitrag sogar von 1500 auf 2000 Franken.

Paukenschlag: Aufstieg kommt nicht infrage

Der nimmermüde Finanzfachmann Tschachtli wurde mehr und mehr zum Überflieger. Sforza war der Captain und führte das wankende Schiff auf Erfolgskurs. Ausgerechnet als der FC Wohlen an der Tür zur Super League anklopfte, kam der Hammerschlag. Tschachtli liess in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» durchblicken, dass für den FC Wohlen ein Aufstieg in die höchste Spielklasse nicht infrage komme. Ein Aufstieg sei aus finanzieller Sicht und wegen der ungenügenden Infrastruktur schlicht und einfach unrealistisch.

Die Enttäuschung bei Sforza und den Spielern über die klare Aussage und den deutlichen Fingerzeig von Tschachtli unmittelbar vor den entscheidenden Spielen führte zu einem sportlichen Einbruch.

Der FC Wohlen verlor, verlor und verlor – und verlor damit auch den Anschluss an den späteren Aufsteiger Lugano. Dennoch ist die Saison 2014/15 die erfolgreichste in der 16-jährigen Challenge-League-Geschichte.

Aber halt auch die teuerste: Langsam, aber sicher stiess der FC Wohlen in finanzieller Hinsicht an Grenzen. Das Budget hatte die 2-Millionen-Grenze längst überschritten. So musste man sich je länger, je mehr die Frage stellen: Wer soll das Spektakel bezahlen? Die Suche nach einem Investor begann. Tschachtli kam, sah und fand.

Fortsetzung folgt: Nächste Woche in Teil 15!