Curling

Die russischen Europameister holen in der Schweiz den Erfolgsschliff

Trainer Thomas Lips (Dritter von links) ist zuversichtlich.

Trainer Thomas Lips (Dritter von links) ist zuversichtlich.

Mitten im Sommer marschieren die dick eingepackten Russinnen und ihr ebenfalls eingehüllter Trainer in die Curlinghalle in Baden. Die Trainings dort sind eine weitere Etappe auf dem Weg zur angepeilten Olympia-Medaille nächstes Jahr in Sotschi.

Dass die Osteuropäerinnen im Aargau trainieren, ist kein Zufall. Zum einen ist die Halle in Baden für ihr hervorragendes Eis bekannt, das ausserdem länger als auf vielen anderen Rinks zur Verfügung steht. Zum anderen werden sie vom Urdorfer Lips trainiert.

Lips war bekanntlich selber ein äusserst erfolgreicher Curler beim CC Baden-Regio. 2006 gewann er Gold bei der Heim-Europameisterschaft in Basel. Bereits 1991 in Chamonix curlte er zu Bronze. Hinzu kam eine weitere Goldmedaille bei der Mixed-EM 2011. Trotz des riesigen Aufwandes und des grossen Erfolgs war er immer Amateur und verdiente seinen Lebensunterhalt als Privatbankier.

Im April 2012 erfuhr er im Internet, dass der russische Nationaltrainer entlassen worden war. Lips erkundigte sich, wer denn sein Nachfolger werde. «Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass ich nie etwas höre», gibt er selber zu. Zumal der russische Verband noch nie einen ausländischen Trainer engagiert hat. Bereits zwei Tage später erhielt er eine kurze Antwort und nach wenigen - jeweils sehr kurzen - Mails wurde er bereits zu einem Gespräch nach Moskau eingeladen.

Aus dem Koffer leben

Danach musste er sich sehr schnell entscheiden, ob er sich einen neuen Job im Bankensektor sucht, oder ob er voll auf die Karte Curling setzt. «Es gibt wenig Möglichkeiten, um ein regelmässiges Einkommen im Curling zu erhalten», war er sich bewusst. Sowohl als Aktiver als auch als Trainer war er immer ehrenamtlich tätig. «Es ist eigentlich das, was ich immer machen wollte», ergänzt der 43-Jährige und damit war seine Entscheidung auch schnell gefallen. Die Umstellung war dennoch gross, hat er seitdem doch über 80 Tage in Russland verbracht und lebt meistens aus dem Koffer. Bereut hat er den Schritt jedoch keine Minute: «Es macht Spass.»

Der Druck ist hoch

Seit Juli 2012 trainiert er die Russinnen. Die ersten Erfolge lassen sich sehen: Das Team um Skip Anna Sidorowa wurde Europameister. Zudem schloss es die Champions Tour als Dritter ab, hauchdünn vor Silvana Tirinzoni, die für Aarau startet. Joe Wälchli, seit Jahrzehnten ein grosser Förderer des Curlings, überreicht dem Team in der Halle Baregg die Bronzemedaillen.

Wälchli ist es zu verdanken, dass nach dem Zusammenbruch der UdSSR wieder Curling gespielt wurde in Russland. Die Auszeichnungen übergab er zusammen mit Armin Harder. Der Chef Leistungssport im Schweizer Verband hat sich auch als versierter Eismeister einen Namen gemacht.

Thomas Lips misst dem dritten Platz keine allzu grosse Bedeutung bei. Der Fokus liegt ganz auf den Olympischen Spielen in der Heimat seines Teams. Bis kurz nach Sotschi läuft der Vertrag des Limmattalers. Die Messlatte liegt hoch, das weiss der erfahrene Curler und Trainer. Deshalb wird Lips noch das eine oder andere Mal dick eingepackt im Sommer in Erscheinung treten.

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