Sentimentalitäten im Fussball? Fehlanzeige? Quatsch! Sentimentalitäten im Fussball gibt es immer wieder. Beim FC Wohlen vor dieser Saison gleich doppelt!

Davide Giampà und Ronny Minkwitz sitzen in der VIP-Lounge vom Stadion Niedermatten. Sie strahlen um die Wette. «In dieser Saison werden wir vorne mitspielen», sagt Minkwitz mit einem Augenzwinkern. «Wir haben eine starke Mannschaft.» Klare Worte! An Selbstbewusstsein hat es dem 25-jährigen Deutschen noch nie gefehlt.

Das war allerdings auch 2014 so, als das Talent von der Nachwuchsabteilung von Fulham zum FC Wohlen wechselte. Der damalige Startrainer Ciriaco Sforza hielt grosse Stücke auf Minkwitz, setzte allerdings nicht vorbehaltlos auf den jungen Mann aus Baden-Württemberg. Statt durchzustarten sass der Mittelfeldspieler mit dem grossen Kämpferherzen oft auf der Ersatzbank und hatte auch noch mit Verletzungspech zu kämpfen.

Davide Giampà als Francesco Totti des FC Wohlen

Mit ein Grund, warum Minkwitz den Durchbruch nicht schaffte und zuletzt zwei Jahre für den FC Muri in der 2. Liga interregional spielte. Statt voll auf die Karte Fussball setzen zu können, arbeitet er heute als Sanitär und Chauffeur. «Natürlich wäre ich gerne Fussballprofi geworden», sagt er. «Aber ich bin zufrieden, wie es jetzt ist.

Und ich bin froh, dass ich wieder für den FC Wohlen spielen darf. Wohlen ist so etwas wie meine zweite Heimat. Der Verein ist im Laufe der Zeit zu einer Herzensangelegenheit geworden. Hier fühle ich mich wohl.»

Wohl fühlt sich momentan auch Davide Giampà. Sehr wohl sogar. «Davide ist unsere neue Nummer 10, unser neuer Francesco Totti», witzelt Minkwitz. Giampà auf den Spuren des früheren Superstars der AS Roma? Interessant! Aber wie kommt das? Ganz einfach: Giampà hat sich in der jüngsten Vergangenheit vom Abwehrspieler zum offensiven Mittelfeldspieler gemausert. Am technischen Rüstzeug und an den kreativen Fähigkeiten hat es Giampà schon in jungen Jahren nicht gefehlt. Heute bringt der 26-Jährige die nötige Erfahrung und Reife für die Position im zentralen, offensiven Mittelfeld mit.

Zwei Aushängeschilder

Giampà arbeitet als Immobilien-Bewirtschafter, spielte während seiner Laufbahn im Gegensatz zu Minkwitz während fünf Jahren als Profi. Eine Saison stand er beim FC Aarau unter Vertrag. Während vier Jahren spielte er für Wohlen. Dass Giampà den Durchbruch nicht geschafft hat, ist in erster Linie auf Verletzungspech zurückzuführen.

Ein Kreuzbandriss, eine Meniskus-Verletzung und zwei Schambein-Entzündungen warfen ihn auf dem Weg nach oben zurück. Ist damit der Traum von der Fortsetzung der Profikarriere schon ausgeträumt? Giampà lächelt und sagt: «Diesbezüglich bin ich eine Mischung aus Realist und Träumer. Momentan stimmt es für mich, wie es ist. Aber wer weiss? Manchmal geht es schnell.»

Minkwitz und Giampà zählen zweifellos zu den Aushängeschildern des FC Wohlen. Das Mittelfeld mit den Rückkehrern ist das Prunkstück des Kaders. Trainer Thomas Jent, Sportchef Alessio Passerini und Verwaltungsrats-Mitglied Adrian Meyer ist es gelungen, ein schlagkräftiges Kader zusammenzustellen. Nach dem Abstieg aus der Promotion League sollte ein Platz im vorderen Mittelfeld der 1. Liga Classic drin liegen.

Das Highlight der Vorrunde findet für die Freiämter am 2. November statt: Dann empfängt der FC Wohlen den Kantonsrivalen Baden. Spätestens nach diesem Leckerbissen wird man wissen, wer die Aargauer Nummer zwei hinter dem FC Aarau ist.