Challenge League

Die pure Erleichterung: Der FC Aarau rückt dem Barrage-Platz näher

Raoul Giger, Nicolas Bürgy, Mats Hammerich und Linus Obexer feiern den Sieg. ff

Raoul Giger, Nicolas Bürgy, Mats Hammerich und Linus Obexer feiern den Sieg. ff

Mit dem 1:0 in Winterthur steigt der FC Aarau in die Gilde der Spitzenteams auf. Die drei Punkte werden dringend benötigt, um die Chance auf einen Aufstieg zu wahren. Das Spiel wurde zu einer Zitterpartie, da Aarau schon sehr früh den Führungstreffer erzielte.

Ist der FC Aarau ein Spitzenteam? Der Blick auf das Kader erübrigt diese Frage: Wer Spieler wie die langjährigen Super-League-Granden Markus Neumayr, Marco Schneuwly, Elsad Zverotic und Goran Karanovic zur Verfügung hat, der darf sich in einer Liga tiefer nicht gegen den Favoritenstatus wehren.

Doch der schwache Saisonstart, die bisherige Klassierung in der Tabelle und insbesondere die Direktduelle gegen die anderen Spitzenteams der Challenge League zeigten ein anderes Bild.

Bis der FC Aarau am 25. Spieltag in Winterthur antritt und 1:0 gewinnt: Es ist dies im achten Anlauf der erste Sieg gegen eine der drei Mannschaften, die seit der Winterpause die Plätze 1 bis 3 belegen.

Der Dreier auf der «Schützenwiese» lässt auch die Resultate in den beiden vorherigen Partien in einem anderen, in einem besseren Licht erscheinen: 3:3 gegen Tabellenführer Servette, 0:0 beim zweitplatzierten 12-Millionen-Team Lausanne.

Im als wegweisend ausgerufenen Dreierpäckli hat der FC Aarau die anfangs gestellte Frage beantwortet: Ja, er ist mittlerweile auch auf dem Platz ein Spitzenteam.

Das Zittern zum Schluss

Die Art und Weise, mit der die Aarauer in Winterthur den Sieg einfahren, imponiert. Goalie Djordje Nikolic wird zu keiner nennenswerten Parade gezwungen, was vor allem der starken Defensivperformance zu verdanken ist.

Drei Distanzschüsse, die das Ziel knapp verfehlen – mehr gelingt dem Heimteam nicht. Denn die taktisch bestens eingestellten Gästeverteidiger lassen dem Prunkstück der Winterthurer, der Offensive um die früheren FCA-Profis Davide Callà und Luca Radice und den einstigen Wohler Taulant Seferi, keinen Raum zur Entfaltung.

Die Entscheidung fällt eine Viertelstunde vor der Pause: Nach einem Corner fabriziert Linus Obexer einen Mix aus Schuss und Pass, der Ball landet bei Innenverteidiger Nicolas Bürgy und dieser schiebt im Stil eines abgezockten Stürmers zum 1:0 ein.

Es ist das erste Tor von YB-Leihgabe Bürgy, der grossen Anteil am Aufschwung des FC Aarau hat. Kurioses Detail: Der 39. Saisontreffer ist der erste, den ein Abwehrspieler erzielt.

Die Aarauer müssen sich am Ende lediglich einen Vorwurf gefallen lassen: Den, dass sie «nur» mit 1:0 gewinnen. In der zweiten Halbzeit überbieten sich Tasar, Schneuwly, Jäckle, Misic und Neumayr im Vergeben von Topchancen.

Entsprechend müssen sie bis zum Schlusspfiff um die drei Punkte zittern – es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass die unterlegene Mannschaft mit einem Tor aus dem Nichts in letzter Sekunde doch noch einen Punkt ergaunert.

Aus FCA-Präsident Alfred Schmid spricht nach Spielende die pure Erleichterung: «Das war ein Nervenkitzel, den wir uns auch hätten ersparen können. Ich habe es kaum ausgehalten.»

Schmids Anspannung ist verständlich: Die drei Punkte sind für den FC Aarau überlebenswichtig im Kampf um den Barrage-Platz, er hat die letzte Chance auf den Verbleib im Aufstiegsrennen genutzt. Mit nun sechs Punkten Rückstand auf Lausanne und noch deren zwei auf Winterthur ist das zu Saisonbeginn angestrebte Ziel noch immer in greifbarer Nähe.

«Natürlich wollen wir auf den zweiten Platz», sagt Trainer Patrick Rahmen, «aber ruhig Blut, es sind noch elf Spiele. In erster Linie muss ich heute die Jungs loben, wie sie dem Gegner die Stärken genommen haben.»

Als er das sagt, feiern im Hintergrund die Aarauer Spieler, als hätten sie soeben den Tabellenthron der Challenge League erobert. So weit ist es noch nicht.

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