Schwingen
Die «neue Generation» der Nordwestschweizer deutet am Unspunnen Schwinget ihr Potenzial an

Die Nordwestschweizer Schwinger riefen beim Saisonhöhepunkt in Interlaken nicht die erwartet oder zumindest erhoffte starke Leistung ab. Sie spielten am Unspunnen-Fest nur eine Nebenrolle. Am Schluss gabs für die beiden Aargauer Nick Alpiger und Patrick Räbmatter trotzdem noch einen vorderen Rang.

Wolfgang Rytz
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Patrick Räbmatter (oben) gewinnt gegen den Berner Defensivspezialisten Simon Anderegg und holt sich den 5. Platz.

Patrick Räbmatter (oben) gewinnt gegen den Berner Defensivspezialisten Simon Anderegg und holt sich den 5. Platz.

Keystone

Der Technische Leiter Stefan Strebel, der dem Einteilungsgericht angehörte, redete am Abend nicht um den Brei herum: «Wir hatten Hochs und Tiefs. Aber nach dem sehr schlechten Start war es für uns schwierig.» Statt zu lamentieren, freut sich Strebel über die neue Generation, angeführt von Alpiger und Räbmatter. «Die Wachablösung in unserem Teilverband ist spürbar und schlug am Unspunnen-Schwinget durch.»

Alpiger blieb unbesiegt. Zum Auftakt war er gegen Philipp Reusser zu vorsichtig und kam nicht über einen «Gestellten» hinaus. Danach erfüllte er gegen den Zuger Marco Reichmuth und den Berner Oberländer Marco Iseli die Pflicht.

Impressionen vom Unspunnen Schwinget in Interlaken
31 Bilder
Curdin Orlik (links) und Christian Stucki (rechts) treffen im Schlussgang aufeinander. Im Bild: beim Mittelländischen Schwingfest auf dem Gurten am 11. Juni.
Alle sechs Jahre wieder: In Interlaken steht der Unspunnen Schwinget an. Die Zuschauer strömen in die Arena.
Voll besetzte Tribünen am Unspunnen Schwinget.
Die Schwingerhosen sind bereit.
Athleten vom Innerschweizer Schwingverband schreiten in die Arena.
Die Berner Schwinger Matthias Sempach (Mitte) und Philipp Reusser (rechts) warten auf ihren Einmarsch.
Die Berner Schwinger Martin Rolli, Fabian Staudenmann, Kilian Wenger und Matthias Sempach (von links) erscheinen in der Arena am Unspunnen Schwinget.
Auch die Jodler warten auf ihren ersten Einsatz in der Arena von Interlaken.
Christian Stucki bodigt im ersten Gang am Unspunnen Schwinget seinen Widersacher Daniel Bösch mit einem Plattwurf...
...und startet als Top-Favorit somit sehr überzeugend in den Unspunnen-Schwinget.
Christian Stucki in Siegerpose.
Damit hat sich der Berner Schwinger eine Erfrischung am Brunnen verdient.
Simon Anderegg (rechts) kämpft im ersten Gang gegen Rene Suppiger.
Andreas Ulrich (oben) im Duell gegen Niklaus Zenger während des Anschwingens.
Matthias Aeschbacher (links) bezwingt im ersten Gang Samir Leuppi.
Kilian Wenger (unten) trifft im ersten Gang auf Widersacher Joel Wicki.
Nach seinem Sieg gegen Daniel Bösch im ersten Gang posiert Christian Stucki mit einem jungen Fan für ein Selfie.
Auf in den zweiten Gang: Joel Wicki (oben) bodigt Pascal Piemontesi.
Nach seiner Niederlage gegen Top-Favorit Christian Stucki im ersten Gang gewinnt Daniel Boesch (oben) gegen Martin Zimmermann im zweiten Gang.
Matthias Sempach (oben) im Duell gegen Roman Zurfluh im zweiten Gang.
Armon Orlik (oben) kämpft im zweiten Gang am Unspunnen-Schwinget gegen Bruno Linggi.
Los geht's mit dem dritten Gang: Hier kämpt Matthias Sempach (oben) gegen Stefan Kennel.
Hier duellieren sich Joel Wicki (rechts) und Willy Graber.
Nach einem Sieg im zweiten gang kann Daniel Bösch auch im dritten jubeln. Er bezwingt Hanspeter Luginbühl.
Im dritten Gang am Unspunnen-Schwinget trifft Armon Orlik (rechts) auf Christian Gerber.
Schwing-Fans verfolgen das Geschehen in der Arena während des dritten Gangs.
Zuschauer verpflegen sich am Unspunnen-Schwinget.
Blick in die Schwing-Arena in Interlaken.
Für Titelverteidiger Daniel Bösch ist das Unspunnen-Schwinget vorbei. Er verliert gegen Remo Käser und kann seinen Sieg nicht wiederholen.
Topfavorit Stucki Christian bleibt weiter makellos und gewinnt auch den vierten Gang. Ist der Berner Koloss noch zu stoppen?

Impressionen vom Unspunnen Schwinget in Interlaken

Keystone

Am Nachmittag steigerte sich der 20-jährige Staufner und legte die «Eidgenossen» René Suppiger und Marcel Mathis auf den Rücken. «Der Sieg gegen Mathis nach langem Kampf war stark», freute sich Strebel. Damit besiegte der neue Teamleader den Sieger des diesjährigen «Innerschweizerischen». Einzig das Remis Alpigers im fünften Gang gegen den defensiv eingestellten Berner Bernhard Kämpf verhinderte eine Topklassierung.

Ebenfalls im 5. Rang reihte sich Patrick Räbmatter ein. Der Uerkner Brocken zollte seiner offensiven Kampfweise mit nicht zwingenden Niederlagen gegen Fabian Kindlimann und Samir Leuppi Tribut. Doch mit seinem abschliessenden Erfolg über den Berner Defensivspezialisten Simon Anderegg, bisher ein Angstgegner für «Räbi», zeigte der «Neueidgenosse», dass er für den Nordwestschweizer Verband «Gold wert» ist, wie Strebel mit Genugtuung feststellte.

«Alte Garde» geschlagen

Keine grosse Überraschung bilden die Mittelfeldklassierungen der lange bewährten Christoph Bieri, Bruno Gisler und Mario Thürig. Allesamt mehrfache «Eidgenossen», dürfen sie an einem solchen Fest nicht mit einer gnädigen Einteilung rechnen. Thürig tauchte zweimal gegen einen Teilverbandskranzer, Gisler verlor gegen die namhaften «Eidgenossen» Bernhard Kämpf und Andreas Ulrich.

Obwohl nicht überhart belastet, kam Bieri nicht über zwei Siege hinaus. «Jeder aus diesem Trio muss sich hinterfragen», zeigte sich Stefan Strebel nicht zufrieden mit seinen langjährigen Stützen. Er rechnet damit, dass diese «Bösen» in Zug vielleicht nur noch «gute Helfer» für das Nordwestschweizer Team sein werden. Ob sich die alternden Spitzenschwinger damit abfinden und ihre Karriere fortsetzen, bleibt abzuwarten.

«Braucht noch viel»

Strebel macht sich beim Blick in die Zukunft dennoch keine Sorgen. «Wir werden unseren Weg fortsetzen. Ich bin zuversichtlich. Unsere nächste Generation ist bis 2019 gerüstet.» Dazu gehört beispielsweise der Aarauer Tobias Widmer. In Interlaken zeigte er wie schon während der Saison gute Ansätze. Doch ein Unspunnen-Exploit gelang ihm nicht.

Dasselbe gilt für die jungen Freiämter. Lukas Döbeli, mit 17 Jahren der jüngste Schwinger im 120-köpfigen Feld, qualifizierte sich immerhin für den Ausstich und landete in der Ranglistenmitte. Die mindestens so hoch gehandelten Yanick Klausner und Andreas Döbeli bezahlten Lehrgeld.

«Da braucht es noch viel bis zu einem eidgenössischen Kranz», fordert Strebel von seinen jungen Talenten Trainingseifer in den nächsten Jahren. «Aber unsere neue Generation holte wertvolle Erfahrungen für den nächsten Grossanlass in Zug.»