Gestern Nachmittag um 15 Uhr passierte das, was Robin Grossmann schon seit einigen Tagen kommen sah: Der Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, Sean Simpson, teilte dem Verteidiger des HC Davos mit, dass er den letzten Kaderschnitt vor der Weltmeisterschaft in Helsinki nicht überstanden hat und deshalb zu Hause bleiben muss.

«Er hat mir gesagt, dass er eher auf die erfahreneren Spieler setzen will, dass meine Chance aber bestimmt noch kommen wird und ich sicher mal eine WM bestreiten dürfe.»

Die gleiche Leier wie letztes Jahr

Fast identisch hatte es bereits im Vorjahr getönt, als Grossmann ebenfalls kurz vor Toreschluss noch ausser Rang und Traktanden gefallen war. Auch deshalb hat er Mühe, der Situation etwas Positives abzugewinnen. Zumal bei ihm das Gefühl dominiert, «dass ich immer meine Leistung gebracht habe.

Andere waren aus meiner Sicht nicht besser als ich. Aber offenbar gelten für diese Spieler andere Kriterien.» Robin Grossmann äussert seine Kritik offen. Und man kann sie auch nachvollziehen. Er hat vier Wochen in die Nationalmannschaft investiert – und steht trotzdem mit leeren Händen da. Der 24-Jährige ist zwar froh, «dass ich in dieser Zeit Erfahrung auf internationalem Niveau sammeln durfte», aber am Ende dominiert dann halt doch das Gefühl der Unzufriedenheit. Er sagt aber auch: «Immerhin hat das Warten jetzt ein Ende und ich weiss endlich, was Sache ist.»

Inexistente Kommunikation

Robin Grossmann, der in seinem Meisterschaftsalltag beim HC Davos mit Arno Del Curto einen Trainer hat, der den Austausch mit den Spielern intensivst pflegt, hat auch Mühe mit der eher oberflächlichen Kommunikation Simpsons.

Persönliche Gespräche mit dem Nationalcoach fanden in dem Monat, den er jetzt mit der Nationalmannschaft verbracht hat, kaum statt: «Man weiss eigentlich nie, woran man ist.» Simp-son sei halt ein typischer Kanadier, bemerkt der Dintiker.

Über seine weitere Zukunft bei der Nationalmannschaft mag sich Robin Grossmann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Gedanken machen. Er will erst einmal Abstand gewinnen nach seiner neuerlichen Ausbootung. Er lässt jedoch durchblicken, dass er unter den gegebenen Umständen keine allzu vielversprechenden Perspektiven sieht.

Keine WM im TV

Statt mit der Nationalmannschaft heute nach Helsinki zu fliegen, wird Robin Grossmann in seine Davoser Heimat zurückfahren. Ob er sofort wieder ins Sommertraining einsteigen wird oder erst einmal eine Verschnaufpause benötigt, wird er mit Arno Del Curto besprechen. Ferien sind vorderhand jedenfalls keine vorgesehen, da seine Freundin arbeiten muss. Nur eines ist derzeit sicher: «Die WM-Spiele schaue ich mir nicht an.»