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Die nächste Lektion für Neoprofi Silvan Dillier

Silvan Dillier beendet mit der Tour de Romandie seine erste grosse Rundfahrt ansprechend. Die guten Ansätze in den Bergen nähren die Hoffnung, dass der Aargauer dereinst auch an der Tour de Suisse für Akzente sorgen könnte.

Simon Steiner
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Ein Mann für alle Fälle: Silvan Dillier (hier beim Prolog in Ascona) beweist Allrounderqualitäten.

Ein Mann für alle Fälle: Silvan Dillier (hier beim Prolog in Ascona) beweist Allrounderqualitäten.

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Noch ist Silvan Dillier ein Lehrling unter den Profis. In seiner ersten Saison als Berufsfahrer geht es für den 23-jährigen Aargauer in den Rennen nicht nur darum, sich für seine Mannschaft so gut wie möglich in Szene zu setzen, sondern auch Erfahrungen für die kommenden Jahre zu machen. «Das Team legt grossen Wert darauf, dass wir jungen Fahrer gefördert werden», sagt der BMC-Profi.

Nachdem Dillier bei der Flandern-Rundfahrt und Paris–Roubaix seine ersten grossen Klassikerrennen bestreiten durfte, folgte nun bei der Tour de Romandie die nächste Premiere. In der Westschweiz kam Dillier erstmals in einer Rundfahrt der höchsten Rennstufe World Tour zum Einsatz – und landete im Gesamtklassement auf dem 47. Platz. Auch wenn er mit seiner Leistung im abschliessenden Zeitfahren gestern in Neuenburg (73. Etappenrang) nicht richtig glücklich wurde und das Team insgesamt mit mehreren Stürzen eher unglücklich kämpfte, konnte Dillier nach seinem Tour-de-RomandieDebüt für sich unter dem Strich eine positive Bilanz ziehen.

Starke Königsetappe

Anlass zur Zufriedenheit gab ihm vor allem sein Abschneiden in der Königsetappe vom Freitag mit vier Bergpreiswertungen der 1. Kategorie in der Region Aigle. Dort erhielt Dillier die vertrauensvolle Aufgabe, den kolumbianischen Kletterspezialisten im Team, Darwin Atapuma, so lange wie möglich zu unterstützen. Bis kurz vor Schluss der dritten Steigung hielt Dillier in der Spitzengruppe mit, ehe er abreissen lassen musste. «Dass ich so lange dranbleiben konnte, ist ein erfreuliches Zeichen für die Zukunft», sagt Dillier. «Das hat mir gezeigt, dass ich mich auch in den Bergen nicht verstecken muss, obwohl die langen Anstiege nicht meine Spezialität sind.»

Tags darauf hatte Dillier im Finale der zweitletzten Etappe in Freiburg noch die Kraft, um die vorderen Plätze mitzusprinten – obwohl er zuvor für seinen eigentlich den Sprint vorgesehenen Teamkollegen Danilo Wyss Nachführarbeit verrichtet hatte. Als jener wenige Kilometer vor dem Ziel in einen Sturz verwickelt wurde, sprang Dillier in die Bresche und beendete die Etappe hinter der dreiköpfigen Fluchtgruppe im Hauptfeld als Elfter.

Niederlande statt Tour de Suisse

Um einmal eine Etappe gewinnen zu können, muss er aber noch stärker Prioritäten setzen. Das ist die Lektion, die Dillier in den vergangenen Tagen gelernt hat. «Für einen Allrounder wie mich gibt es jeden Tag eine Aufgabe, bei der man Energie verbrauchen kann. Vielleicht müsste ich mich eher mal an einem Tag ganz zurückhalten, um am nächsten angreifen zu können.»

Die guten Ansätze in den Bergen nähren die Hoffnung, dass Dillier dereinst auch an der Tour de Suisse für Akzente sorgen könnte. Dazu kommt es heuer voraussichtlich noch nicht. «Die Tour de Suisse kommt für mich noch zu früh», sagt Dillier, der während der Schweizer Landesrundfahrt mit der Ster ZLM Toer ein Etappenrennen in den Niederlanden im Rennprogramm hat. Ein Heimauftritt ist dennoch vorgesehen: am 12. Juni beim GP des Kantons Aargau in Gippingen.