Am Samstagabend, kurz nach 18 Uhr, beginnt für Simon Müller der wichtigste Wettkampf dieser Saison. Dann wird er in der Wettinger Tägerhard-Halle seinen Schweizer-Meisterschafts-Einzelwettkampf mit der Disziplin Sprung eröffnen.

Es folgen für ihn danach die Übungen am Barren, am Reck, am Boden und an den Schaukelringen. Rund zwei Stunden wird der ganze Wettkampf dauern.

Seit Anfang Jahr arbeitet der 22-jährige Lengnauer an den Übungen, die er am Samstag zeigen will. Seit den Schweizer Vereinsmeisterschaften Ende September, wo Simon Müller für den STV Wettingen im Einsatz stand, hat er sich ausschliesslich auf die Übungen für die Einzel-Schweizer-Meisterschaft konzentriert.

Vor Heimpublikum

Dort gehört Simon Müller zum Kreis der Favoriten. Der Gesamtvierte des Vorjahres war in den Qualifikationswettkämpfen der stärkste Aargauer Geräteturner in der Hauptkategorie (K7). Wenn alles gut läuft, dann könnte es für den Sprung aufs Podest reichen.

Doch Müller weiss, dass dafür alles perfekt aufgehen muss. «Die Dichte an der Spitze ist in den vergangenen Jahren immer grösser geworden. Es gibt viele starke Turner – auch aus dem eigenen Kanton –, sodass ein kleiner Fehler reicht, und schon sind die Medaillen weg.»

Dass der Wettkampf in Wettingen stattfindet und von seinem Verein organisiert wird, sieht Simon Müller als Vorteil. Es ist für ihn eine zusätzliche Motivation, dass er viele Leute in der Halle kennen wird.

«Ich will natürlich eine perfekte Leistung zeigen, wenn ich schon zu Hause antreten kann. Das erhöht zwar den Druck, aber andererseits ist die Vorfreude gross. Es ist schon etwas Spezielles, dass wir die Schweizer Meisterschaft bei uns in Wettingen austragen dürfen.»

Schule statt Spitzensport

Seit acht Jahren turnt Simon Müller für den STV Wettingen. Zuvor trainierte der Aargauer fast sechs Jahre lang als Kunstturner im Leistungszentrum in Niederlenz. Er schaffte den Sprung in das nationale Jugendkader und stand bis zu sechs Mal pro Woche in der Halle.

Dann musste er sich entscheiden: Spitzensport oder Schule. Er entschied sich für Letzteres. «Für mich war die Schule wichtiger. Ich wusste, dass ich studieren möchte, und das wäre mit noch mehr Training sehr schwierig geworden», sagt Müller, der im dritten Semester Elektrotechnik an der Fachhochschule in Winterthur studiert.

Mit diesem Entscheid war für Simon Müller aber auch klar, dass er mit Kunstturnen nicht weitermachen wird. Naheliegend war für ihn das Geräteturnen. Und nach einem Besuch im Training des STV Wettingen entschied er sich, fortan für die Wettinger im Geräteturnen aufzulaufen.

Ein Entscheid, den er nicht bereut hat. «Wir haben eine tolle Truppe. Wir verstehen uns super und die Trainings machen immer Spass.»

Auch im Geräteturnen erfolgreich

Auch der sportliche Erfolg hat nach dem Wechsel vom Kunst- zum Geräteturnen nicht lange auf sich warten lassen. Simon Müller hat sich zusätzlich zu den vielen Titeln im Vereinsturnen mit dem STV Wettingen auch den Schweizer-Meister-Titel in seiner Lieblingsdisziplin Boden sichern können. Das war 2013.

Am Wochenende könnte er seine Medaillensammlung nun weiter vergrössern. Und das erst noch vor Heimpublikum. Zusätzlich zum Einzelwettkampf wird er nämlich am Sonntag als einer von zehn Turnern den Kanton Aargau im Mannschaftswettkampf vertreten.