Der 1,92 m grosse Hüne mit den kurz geschorenen Haaren ist eine imposante Persönlichkeit. Die Spieler hören aufmerksam zu und versuchen umzusetzen. Im nächsten Moment nimmt er aber auch einmal einen einzelnen Spieler zur Seite, legt ihm den Arm um die Schulter und flüstert ihm fast schon liebevoll ins Ohr.

Majeri ist neuer Trainer des TV Endingen. Er hat die Mannschaft zu Beginn des Jahres übernommen. Man spürt die Energie und die Lust, die Majeri verbreitet. Die Energie für die harte Arbeit, die Lust, sich zu verbessern und weiterzukommen.

Bereits im Alter von sechs Jahren ist Majeri in den Handball-Sport eingestiegen. Begonnen hat alles in Frankreich, wo sein Vater herkommt. Majeris Mutter stammt aus Ungarn, wo er später auch spielte. Als Keeper folgten zahlreiche Stationen in Mazedonien, der Ukraine, Deutschland, Dänemark, Island und der Schweiz. Für knappe zwei Saisons hütete er zudem das Gehäuse der Grasshoppers. Damals war der Endinger Stefan Schärer bei GC als Sportchef im Amt.

Der Spieler Majeri hat zahlreiche Stationen hinter sich. Als Trainer war der Kosmopolit, der sich in nicht weniger als acht Sprachen unterhalten kann, deutlich sesshafter. Zuerst trainierte er die Junioren von Fram Reykjavik in Island, danach deren Fanionteam. In den vergangenen sechs Jahren war er bei US Yverdon tätig, wo er sowohl die Männer als auch die Frauen trainierte. Mit beiden Teams stieg er mehrmals auf. Mit den Männern schaffte er es in die 1. Liga, mit den Frauen ins Unterhaus. Daneben leitete der mit allen Swiss-Olympic-Diplomen ausgestattete Berufstrainer die Handballakademie in Genf.

Im vergangenen Dezember erreichte ihn die Anfrage aus Endingen. «Der erste Kontakt mit Christian Villiger (TVE-Geschäftsführer, d.Red.) war sehr positiv», erinnert sich Majeri. Danach schaute er sich, akribisch wie er ist, alle Spiele der Endinger auf Video an. Und zog daraus schnell seine Schlussfolgerung: «Die Mannschaft hat Qualität und Wille. Das ist für mich das Wichtigste.» Deshalb sagte Majeri zu, auch wenn es für ihn nach so langer Zeit ein grosser Schritt aus der Romandie nach Unterendingen war. Seine 8-jährige Tochter und seine Frau sprechen – noch – kein Deutsch. Wenn sie aber auch nur halbwegs so sprachaffin sind wie Majeri, dürfte das kein grösserer Hinderungsgrund sein. «Die Leute sind sehr hilfsbereit und freundlich», freut sich die ganze Familie.

Zoltan Majeri hier als Trainer beim Erstligisten US Yverdon.

Zoltan Majeri hier als Trainer beim Erstligisten US Yverdon.

Trotzdem: Der Schritt wollte wohlüberlegt sein, nicht nur für seine Familie. Die Leitung der Akademie war eine sichere Stelle, als NLA-Trainer geht man auch immer das Risiko einer Entlassung ein. «Als Trainer bin ich für langfristige Projekte», betont der Neue. Das hat er sowohl in Island als auch in Yverdon bewiesen. Zudem war der TV Endingen bei seiner Zusage im letzten Tabellenrang klassiert. «Die Mannschaft hat zwar verloren, aber nie ohne Herz. Sie hat den nötigen ‹fighting spirit› (Kampfgeist, d. Red.). Das entspricht meiner Mentalität», betont Majeri.

Majeri will sich nicht beklagen

Man merkt ihm das Feuer für die neue Aufgabe an. Immer wieder spricht er von Herz und Wille. Zudem von Disziplin, aber auch Dankbarkeit. «Die Regel Nummer eins in meinem Leben – nicht nur im Handball – ist, dass man für das, was man hat, Respekt und Dankbarkeit empfindet.» So ist er auch mit dem Kader seines neuen Teams zufrieden. Er verlangt nicht nach Verstärkungen, nach Transfers. Er will die Spieler, die er zur Verfügung hat, formen und weiterbringen.

Kaum ein anderer kann die Leistung der Torhüter besser beurteilen als Majeri, der selber jahrelang erfolgreich zwischen den Pfosten stand. «Wir haben zwei junge Goalies und mit Busa und Boccarelli zwei erfahrene Keeper, die in ihrem Stil total verschieden sind. Damit bin ich sehr zufrieden», betont er.

Claudio Boccarelli ist ein erfahrener Torhüter.

Claudio Boccarelli ist ein erfahrener Torhüter.

Nicht zufrieden sein kann er natürlich mit der aktuellen Situation im TVE-Lazarett. Der serbische Shooter Nemanja Sudzum und der slowenische Kreisläufer Leonjard Pejkovic kehren nach ihren Verletzungen langsam auf die Platte zurück. Dafür zog sich Armin Sarac im letzten Meisterschaftsspiel der Hauptrunde vor der Winterpause einen Kreuzbandriss zu. Der Rückraumspieler und enorm sichere Penaltyschütze wurde diese Woche operiert und fällt für den Rest der Saison aus.

Aber Majeri will sich auch in diesem Zusammenhang nicht beklagen. «Crying is not good», weicht er ins Englische aus. Weinen ist nicht gut. Er will vorwärtsschauen und weiterarbeiten. So wird er in den kommenden Wochen, bis zum Beginn der Abstiegsrunde, noch oft energisch dazwischengehen. Oder ganz sanft seine Anweisungen zuflüstern. Denn Majeri ist ein Hüne und kann ein harter Hund sein. Aber er hat das Herz am rechten Fleck und bringt seinen Spielern den Respekt entgegen, den er auch von ihnen erwartet.