Die Liste seiner prominenten «Opfer» ist eindrücklich. Guido Thürig besiegte in seiner Karriere unter anderen Schwingerkönig Jörg Abderhalden, Martin Grab, Christian Stucki, Philipp Laimbacher oder Hanspeter Pellet. Wie Mario war der ältere der «Thürig-Brothers» ein Wyberhakenspezialist.

Jeder Spitzenschwinger musste sich davor in Acht nehmen. «Ich trat bei jedem Gang mit der Überzeugung an, dass ich gewinnen kann», erklärt der bald 32-jährige Möriker, der inzwischen in Rickenbach LU wohnt. «Ich hatte immer Freude, gegen starke Gegner zu schwingen.» Diese Einstellung verhalf ihm zu 73 Kränzen. Er gewann sechs Kranzfeste und neun Regionalschwinget.

Als Jungschwinger deutete wenig auf eine solch’ eindrückliche Karriere. Dann erwies sich der frühe Kranzgewinn mit 16 Jahren am Basellandschaftlichen Kantonalfest in Läufelfingen als Glücksfall. «Ab diesem Erfolg erhöhte ich den Aufwand fürs Schwingen und trainierte fast täglich.» Seine Zeit als Handballer war damit zu Ende. Bald kam die motivierende Konkurrenz durch seinen dreieinhalb Jahre jüngeren Bruder hinzu, mit dem er alle Trainings gemeinsam absolvierte.

Verletzungen als Ansporn

Ein einschneidendes Ereignis war die Schulterverletzung Ende 2002. Nach einer Operation fiel die ganze Saison 2003 aus. Mit grossem Fleiss arbeitete er an seiner körperlichen Verfassung, obwohl ihm ein Arzt zum Rücktritt geraten hatte. Trotz Krafteinbusse in der linken Schulter kehrte er 2004 stärker denn je zurück und feierte am Baselbieter «Kantonalen» in Bennwil den ersten Kranzfestsieg. Weitere dreimal gewann er dieses Fest, 2006 auch das Aargauer «Kantonale» in Zetzwil und schliesslich 2012 das «Südwestschweizerische» in Estavayer. Zum letzten Grosserfolg gab wiederum eine Verletzung die Initialzündung. 2011 riss sich Guido Thürig eine Bizepssehne, die eine über halbjährige Pause verursachte.

Sinnigerweise schloss sich der Reigen seiner Kranzgewinne am Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest. In Binningen schwang er seinen 73. und letzten Kranz heraus. Am «Eidgenössischen» in Burgdorf kämpfte er nochmals auf hohem Niveau, aber im Kranzausstich fehlte das Glück für den zweiten eidgenössischen Kranz nach 2007 in Aarau.

«Für mich stimmt der Abgang. Ich bin stolz auf meine vielen Erfolge und blicke mit Freude auf meine Karriere zurück», erklärte er bei der offiziellen Verabschiedung durch den Schwingklub Lenzburg auf dem Schulhausplatz in Möriken. Besondere Freude bereitete ihm die Anwesenheit von Landammann und Sportminister Alex Hürzeler.

Neuer Lebensabschnitt

Anfang Jahr kam Sohn Aurelio zur Welt. «Damit haben sich meine Prioritäten verschoben», sagt er. Als Zwanzigjähriger sei der Sport im Vordergrund gestanden, jetzt sei es aber die Familie. Entsprechend reifte im Laufe der Saison die Entscheidung, die Aktivzeit zu beenden.

Dass er zwischen 1999 und 2010 dem Schwingklub als Technischer Leiter gedient hatte, ist den übergeordneten Verbänden nicht entgangen. Der Aargauer Präsident Markus Birchmeier platzierte bei seiner Dankabstattung eine entsprechende «Einladung» in den Kantonalvorstand.

Vorerst will sich Guido Thürig aber nebst seiner jungen Familie auf die berufliche Tätigkeit als angehender Regionalverkaufsleiter eines Getränkeunternehmens in Sursee konzentrieren. Dazu hatte er schon während seiner Aktivzeit die Weichen gestellt. Er studierte parallel zum Schwingsport Betriebsökonom und sicherte sich damit seine Zukunft frühzeitig ab.