Radquer
Die Liebe bleibt bestehen: Severin Sägesser hält dem Radsport auch nach dem Karrierenende die Treue

Seine Karriere als Profi hat der Niedergösger Severin Sägesser beendet, doch der Radsport lässt ihn nicht los. Noch immer ist er an der Radquer-Weltmeisterschaft anzutreffen, diesmal allerdings hinter der Kulisse im Mechanikerteam der Schweizer Nationalmannschaft.

Laura Pirroncello
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Severin Sägesser war bei der WM als Mechaniker im Einsatz.

Severin Sägesser war bei der WM als Mechaniker im Einsatz.

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Als die Radquerprofis an diesem Wochenende ihren Weltmeister suchten, stand Severin Sägesser nicht mehr am Start. Trotzdem war er in Dübendorf dabei – einfach in einer anderen, in einer neuen Rolle. Doch der Reihe nach.

Am 26. Januar bestritt der 27-jährige aus Niedergösgen in Holland sein letztes Weltcup-Rennen. Es war gleichzeitig ­Sägessers Dernière als Rad­profi. Den Abschied hätte er sich nach eigener Einschätzung nicht schöner vorstellen können. Richtig realisiert, dass es vorbei ist, habe er aber noch nicht.
Er sagt trotzdem: «Ich konnte das Rennen viel mehr geniessen, eine grosse Last ist wegge­fallen».

Sein bestes Resultat erzielte ­Sägesser an der WM 2017 in ­Luxemburg, als er auf Platz 14 fuhr. Ein anderes Rennen, das ihm in besonderer Erinnerung geblieben ist, ist die Schweizer Meisterschaft 2018 in Steinmaur. Dort wurde er Dritter ­hinter Lars Forster und Simon Zahner. Trotz dieser Erfolge hört der Radquerfahrer nun auf. Reich werde man mit dem Sport nicht, sagt ­Sägesser. Und irgendwann stelle sich auch die Altersfrage.

Leidenschaft und Beruf verbinden

Doch das waren nicht die einzigen Gründe. Für Sägesser ergaben sich beruflich neue Chancen, sodass er sagt: «Ich hatte schöne 20 Jahre, aber ich seh meine neue Herausforderung jetzt im Beruf. Ich will nun dort mehr Fuss fassen.» Die Zweiräder lassen ihn aber nicht los, denn seine berufliche Zukunft führt ihn als Mechaniker in einen Veloladen.

Zuerst stand aber die WM in Dübendorf an. Jedoch nicht im Sattel, sondern im Mechanikerteam der Schweizer Nationalmannschaft. Dies hatte sich ergeben, da er sich nicht mehr für die WM qualifizieren konnte und ihn das Team daraufhin gefragt hat, ob er trotzdem mit ­dabei sein wolle. Seine Leidenschaft fürs Mechanische ist nicht unbekannt. Der Niedergösger sagte mit grosser Freude zu.

Vorfreude aber auch viel Respekt vor der Aufgabe

Zu Sägessers Aufgaben als ­Mechaniker gehört die Kontrolle auf Mängel, nachdem die Velos auf der Strecke waren. Aber nicht nur. Auch das Putzen muss sein. Sägesser freute sich sehr auf ­seine Tätigkeit, bezeichnete sie aber gleichzeitig auch als eine persönliche Herausforderung: «Ich hatte immer riesengrossen Respekt für die Betreuer. Gerade wenn es schlammig ist (wie am Wochenende in Dübendorf; die Red.), unterschätzt man als ­Fahrer, was in der Technik-Zone abgeht.»

Als fixer Teil des Schweizer Mechanikerteams ist Sägesser nicht vorgesehen, jedoch wird er als Springer eingesetzt. Immer dabei zu sein, wäre für ihn zurzeit auch nicht möglich. Zum einen wäre das etwas zu viel, weil er bald eine feste Anstellung unter der Woche hat. Zum ­anderen steht er auch seinem Schwager, dem Mountainbiker Reto Indergand, als Mechaniker zur Verfügung.

Nach der WM sollte es nun ruhiger werden in Sägessers ­Leben. Nach eigener Aussage ist er froh darüber. Dann könne er alles sacken und auf sich wirken lassen. Gleichzeitig freue er sich auf die Zukunft: «Für Partys muss ich nun nicht mehr absagen und ein schlechtes Gewissen haben, sondern kann auch hingehen.» Doch wann immer er die Zeit dazu findet, wird er im Sattel ­sitzen. Er glaubt nämlich nicht, dass man die Radlust einfach abstellen könne. «Der Radsport wird immer Teil meines Lebens bleiben, beruflich wie privat.» Die Liebe bleibt.