Im Sport gehören Trainingslager in die Saisonvorbereitung wie Hausaufgaben in die Schule. So abwegig ist dieser Vergleich nicht, denn in diesen Camps wird während Tagen minutiös und eisern gebüffelt - um auf der schulischen Ebene zu bleiben.

Im Breitensport - der globale Sportfan denkt da vor allem an Fussball - residieren die Teams an den trainingstechnisch geeignetsten Flecken auf dem Globus. Perfektes Klima, topmoderne Infrastruktur, Fünf-Sterne-Service und noch einige extravagante Anforderungen mehr.

Von solchen Bedingungen kann der Inlinehockeyverein Hurricanes aus Lenzburg zwar nur träumen, doch am zweiten März-Wochenende absolvierten die Aargauer gleichwohl ein beschauliches Trainingswochenende in der heimischen Mehrzweckhalle.

Grand Heritage Hotel in Doha versus Mehrzweckhalle Lenzburg. Die Unterkunft der Wirbelstürme war vergleichsweise dezent, doch das Trainingsniveau war bei Weitem nicht minder intensiv.

Die unbequeme Niveaufrage

Kurz nach zehn Uhr endete an jenem Samstag das Morgentraining der ersten Mannschaft. Es war bereits die zweite Einheit innert 15 Stunden, denn das Team rund um Spielertrainer Daniel Maurer rückte bereits am Freitagabend zum „büffeln" ein.

Doch schnell wurde klar, dass die Mannschaft aus Sicht Maurers den Lernstoff noch nicht wirklich verinnerlicht hat.

„Ihr habt es wahrscheinlich selbst bemerkt, dass das Niveau mangelhaft war", resümierte Maurer selbstkritisch. Die Ansprache hielt der Coach übrigens vor einem Team, das aufgrund von Zivilschutz-, Berufs -und Schultätigkeiten einiger Spieler, nicht komplett war.

„Man muss so weit gehen bis es weh tut. Wenn man so weit geht, dann kommt so etwas wie eine zweite Lunge. Wenn man diesen Weg nicht gehen möchte, reicht es einfach nicht."

Dies war der Schlusspunkt der schonungslosen Rede Maurers. Bei den Lenzburger geht es zwar nicht um Millionen, doch trotz allem toleriert der Trainer keine Zufriedenheit. „Ich bin nie zufrieden!"

Ebenfalls noch nicht zufriedenstellend ist die Anzahl Spieler im neuformierten Novizen-Team.

Zwar bekundete auch die Nachwuchsequipe zwei, drei Absenzen, doch selbst mit diesen Akteuren zählt die Mannschaft nicht mehr als acht „Schüler".

Es handelt sich um ein Rekrutierungsproblem, das sich als eine der grössten Prüfungen für die Vereinsführung heraus kristallisiert.

Weitere Feldspieler sowie ein Torwart sollen den dünnen Kader im Hinblick auf die Meisterschaft noch ergänzen. Dann würde man sicherlich auch noch einmal einen neuen Fototermin bei den Hurricanes ansetzten.

Der Kraftakt der 2. Mannschaft

Apropos Fototermin: Auch die 2. Mannschaft der Hurricanes lächelte am Samstagmorgen gut gelaunt in die Kamera. Acht Stunden später sollte der Truppe rund um Coach Daniel Laubacher das Lachen allerdings vergehen.

Es war nicht die Laune, sondern der Körper, der kein Lächeln mehr zuliess, denn die 2. Mannschaft absolvierte gleich zwei Testspiele innerhalb von fünf Stunden.

Am frühen Abend feierten die Hurricanes einen 6:3-Sieg gegen die Zweitauswahl der Langnau Stars.

Nach einer kurzen Verschnaufpause setzten die Hurricanes ihren Marathon fort. Da Oensingen den Testspieltermin gegen die erste Mannschaft kurzfristig absagte, sprang Laubachers Team in die Bresche. 19:2 ging das interne Kräftemessen mehr als deutlich an die 1. Mannschaft der Hurricanes. Maurers Team muss also vorläufig noch nicht nachsitzen.

Das minutiöse und eiserne Büffeln der Hurricanes endete zwar am Sonntag, doch die Hausaufgaben müssen weiterhin sorgfältig gemacht werden. Am 22. März steht für die 1. Mannschaft nämlich die erste wirkliche Prüfung an: der Saisonstart gegen die Seelanders II aus Biel.

Dies ist der zweite Teil einer Serie.