Leichtathletik
Die Leichtathletik-Zwillinge Ullmann mit Schweizer-Meister-Doppelpack

Die 18-jährigen Zwillinge Jil und Christopher Ullmann sind beide U20-Schweizer-Meister. Sie im Hammerwerfen er im Weitsprung. Beide lassen die Konkurrenz in ihrer Altersklasse zur Zeit weit hinter sich.

Janine Müller
Merken
Drucken
Teilen
Christopher und Jil Ullmann. JAM

Christopher und Jil Ullmann. JAM

«Das einzige, was wir gemeinsam haben, ist die Leichtathletik», sagt Jil Ullmann, was ihrem Zwillingsbruder Christopher ein Grinsen entlockt. «Ach ja, vielleicht noch die Schule und das persönliche Umfeld. Und wir verstehen uns blind, das grenzt manchmal fast an Telepathie», fügt Jil an. Mutter Jutta, die während dem Interview ebenfalls zugegen ist und von der Jil und Christopher das Leitathletik-Gen geerbt haben, lacht herzlich und ergänzt ironisch: «Und sie haben die gleiche Mutter.»

Der König des Relaxens

Die Ullmanns sind eine fröhliche Familie und dem 18-jährigen Geschwisterpaar steckt der Schalk im Nacken. «Energie haben beide für sieben», sagt Jutta, die ehemalige 400 Meter Läuferin. «Nur setzen sie sie unterschiedlich ein. Chris ist beispielsweise, wenn es nicht um Sport geht, der König des Relaxens.»

Dass in Jil und Christopher Ullmann viel Energie steckt, haben die beiden an der U20-Schweizer-Meisterschaft 2011 in Hochdorf eindrücklich bewiesen. Christopher gelang in seiner Disziplin Weitsprung der Sprung der Saison auf 7.05 Meter – persönliche Bestweite. «Vor lauter Freude über diesen Sprung habe ich völlig die Konzentration verloren. Die nächsten Sprünge waren alles Fehlversuche», blickt er zurück.

Für den Schweizer-Meister-Titel reichte es trotzdem. Doch ganz zufrieden mit seiner Leistung war der junge Leichtathlet nicht: «Ich wäre gerne auf 7.20 Meter gesprungen. Aber dafür hat’s in der letzten Saison nie gereicht.»

Ziel knapp verpasst

Hammerwerferin Jil brillierte ebenfalls an den Schweizer Meisterschaften. Ihre Konkurrenz liess sie mit einem Wurf auf 42.04 Meter weit hinter sich. Doch auch sie erreichte ihr persönliches Ziel nicht ganz: «Das Saisonziel war eigentlich, dass ich die 45er Marke erreiche, das hat aber leider nicht geklappt.» Ob das vielleicht daran liegt, dass Jil nicht so oft trainiert? Denn im Trainingsfleiss wäre sie wohl kaum Schweizer Meisterin geworden, wie sie etwas zerknirscht zugibt. Das Tanzen und das Soziale sei ihr eben genauso wichtig wie der Sport, sagt sie.

Standardtänze und Hip-Hop gehören zur grossen Leidenschaft der 18-Jährigen, zudem gibt sie Nachhilfe und arbeitet ehrenamtlich in einem Hort. Ihre sportliche Zukunft lässt sie offen. «Ich schaue mal, wie lange ich noch mithalten kann. Aber Profi-Sportlerin werde ich wohl kaum», erklärt sie.

Nach dem Abitur – die beiden Athleten gehen im deutschen Säckingen ans Scheffel-Gymnasium, was durch die bilateralen Verträge zwischen Stein und Säckingen ermöglicht wird – möchte sie zuerst ein halbes Jahr in einem Hort arbeiten und danach auf Reisen gehen. «Am liebsten nach Lateinamerika», schwärmt sie. «Danach will ich studieren. Wahrscheinlich Psychologie und Pädagogik.»

Voll auf die Karte Sport

Da sehen die Zukunftspläne ihres Bruders schon ganz anders aus. «Nach dem Abi will ich voll auf die Karte Sport setzen. Gleichzeitig werde ich an der Uni Basel das Sportstudium beginnen», so Christopher, der gemäss Jil «über 2 Millionen Paar Sportschuhe» besitzt. Ein nächstes Ziel ist die U20-WM in Barcelona, welche vom 10. bis 15. Juli dieses Jahres stattfinden wird. «2014 findet die Leichtathletik-EM in Zürich statt, da will ich unbedingt mit dabei sein. Und natürlich ist da noch der Traum von der Olympiateilnahme», erzählt er.

Doch zuerst werden die Zwillinge an der Basler Sportlerehrung, welche heute stattfindet, für ihre tolle Leistung geehrt. «Es ist schön, dass unsere Leistung so anerkannt wird», sagen Jil und Christopher unisono – schon fast telepathisch.