Kunstturnen
Die Kunstturn-Pionierin geht: Margot Wiederkehr tritt nach 40 Jahren ab

40 Jahre lang war die Egliswilerin Margot Wiederkehr als Trainerin im Kunstturnzentrums Stein engagiert. Jetzt zieht sie mit Ehemann Urs den Schlussstrich. «Wir werden weder die Trainings noch die Wettkämpfe unserer ehemaligen Turnerinnen besuchen.»

Annemarie Keusch
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Viel erlebt: Margot Wiederkehr blickt auf vier prägende Jahrzehnte zurück.AKE

Viel erlebt: Margot Wiederkehr blickt auf vier prägende Jahrzehnte zurück.AKE

In den letzten vierzig Jahren hat sich viel verändert. Vor vierzig Jahren war der Kalte Krieg noch die bittere Realität. Als sich 1989 der Eiserne Vorhang zwischen Ost und West öffnete, war das sowohl für das heutige Europa, als auch für die Entwicklung des Schweizer Kunstturnens ein Meilenstein. Vorher war dieser Sport im Aargau provinziell geprägt. Man hatte weder Hallen, noch Trainer die einem Höchstschwierigkeiten beibringen konnten. «Mein Mann Urs und ich gründeten im Jahre 1972 das Kunstturnzentrum Stein», erinnert sich Margot Wiederkehr. Das Kunstturnen war damals noch nicht sehr bekannt. Erst mit der Öffnung des Eisernen Vorhangs seien ausländische Trainer in die Schweiz gekommen. «Für unseren Sport war dies ein Quantensprung», schaut Wiederkehr zurück. Heute turne man Elemente, die damals noch reine Utopie waren.

Offen für Neuerungen

Um die Aargauer Kunstturntalente besser fördern zu können, wurde 1998 das kantonale Leistungszentrum in Niederlenz eröffnet. Wiederum eine radikale Neuerung, auch für das Kunstturnzentrum Stein. Sobald die talentierten Turnerinnen nämlich bereit waren für den Schritt an die nationale Spitze, trainierten sie in Niederlenz und nicht mehr in den einzelnen Vereinen. «All diesen Neuerungen, seien es die ausländischen Trainer oder das Leistungszentrum in Niederlenz, standen wir stets offen gegenüber», sagt Wiederkehr.

Im Spital mit Sara Catanzaro

Nun, nach 40 Jahren, gibt sie die Leitung des Vereins in Stein ab. Während den vergangenen Jahren hat sie zwei Generationen von jungen Mädchen begleitet, meist während deren ganzen Jugendzeit. «Für uns war immer klar, dass man in einer Sportart wie dem Kunstturnen nur erfolgreich sein kann, wenn man mehr als nur dreimal wöchentlich trainiert», erklärt Wiederkehr. Mit vielen der Turnerinnen verbindet sie gemeinsame Erlebnisse. Wiederkehr erinnert sich an einen speziellen Moment mit Sara Catanzaro, der Mehrkampf-Schweizer Meisterin von 2008: «Sara war noch nicht lange bei uns im Training, als sie vom Balken stürzte und sich am Ellenbogen verletzte. Auf dem Weg ins Krankenhaus hielt ich die weinende Sara in meinen Armen. Jahre später holte sie mit dem Mehrkampf-Titel einen der grössten Erfolge unseres Vereins. Dann wird einem jeweils wieder bewusst, wie alles angefangen hat, und was man alles überstehen muss, bis man zuoberst stehen kann.»

Was bleibt, sind die Begegnungen mit Menschen

Margot Wiederkehr hat der Zeit als Leiterin des Kunstturnzentrums Stein viele Turnerinnen kommen und gehen sehen. Doch was ihr von all den Jahren an meisten bleiben wird, ist nicht der Erfolg, sondern die Begegnungen mit den Menschen. «Mein Mann und ich, wir ziehen jetzt einen Schlussstrich, werden weder die Trainings noch die Wettkämpfe unserer ehemaligen Turnerinnen besuchen», erzählt sie. Damit werden wohl auch einige Kontakte verloren gehen. Doch für Wiederkehr überwiegt das Positive, nämlich sich nun vermehrt ihrer Enkelin, dem Garten, ihrer Tätigkeit als Sportlehrerin, dem Webstuhl, oder ihrem Ferienhaus in Schweden widmen zu können.

Weitere Schritte sollen die anderen machen

Hinzu kommt, dass seit diesem Jahr in Niederlenz die Abteilungen der Männer und Frauen zusammengelegt wurden. Für Wiederkehr, die sich wie keine Zweite für die Entwicklung der Turnerinnen eingesetzt hat, ein grosser Schritt. Doch die weiteren Schritte sollen andere machen, nach 40 Jahren ist für sie definitiv Schluss mit Kunstturnen.

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