Analyse zum FC Wohlen

Die Krux mit den Lux: Beenden TV-Auflagen das Fussballmärchen?

Die heutige Flutlichtanlage im Wohler Stadion Niedermatten (hier beim Challenge-League-Spiel gegen Gossau am 12. Mai 2008) ist aus Sicht der Liga zu wenig stark für anständige TV-Bilder.

Die heutige Flutlichtanlage im Wohler Stadion Niedermatten (hier beim Challenge-League-Spiel gegen Gossau am 12. Mai 2008) ist aus Sicht der Liga zu wenig stark für anständige TV-Bilder.

Der FC Wohlen läuft in grosse Gefahr, die Lizenz für die Challenge-League-Saison 2017/18 nicht zu erhalten. Eine Analyse.

Aargauer Fussballstadien und das Licht – momentan wahrlich keine erfreuliche Beziehung. Am 13. März ward es im Aarauer Brügglifeld kurz nach Anpfiff zum Heimspiel gegen den FC Zürich dunkle Nacht. Gut einen Monat später drohen auch beim Kantonsrivalen FC Wohlen die Lichter auszugehen.

Wenn die Swiss Football League (SFL) am Freitag die 20 Profiklubs über die Lizenzerteilung in erster Instanz informiert, werden das im Fall des FC Wohlen ziemlich sicher negative Nachrichten sein.

Wegen zwei Mängeln im Stadion Niedermatten: a) Statt der geforderten Klappsitze sind auf der Haupttribüne unbewegliche Schalensitze montiert. b) Die Beleuchtungsstärke der Flutlichtmasten ist tiefer als die ab nächster Saison verlangten 500 Lux.

Wird der FC Wohlen ungerecht behandelt?

Am Dienstag machte die Lizenzkommission die Wohler auf die zu behebenden Mängel aufmerksam. Und zwar in Form eines 24-Stunden-Ultimatums, in dem die Freiämter ein Ausweichstadion und ein neues Budget für die Saison 2017/18 präsentieren müssten. Wohlens Ehrenpräsident René Meier erkannte das Sprengstoffpotenzial und wandte sich mit dem Schreiben der SFL an die Medien.

Das Ziel der Aktion, die Empörung der Öffentlichkeit über die unbarmherzigen Bürolisten in Bern, wurde erreicht. Doch ist es so einfach? Wird der FC Wohlen von der SFL ungerecht behandelt? Will diese im Freiamt ein Exempel statuieren? Dazu gibt es zwei Sichtweisen. Die eine beruft sich auf die Reglemente. Die andere auf die Emotionen und den gesunden Menschenverstand.

Die Gegenleistung für 300 000 Franken mehr pro Jahr

Das aktuelle Lizenzierungsreglement existiert seit mehreren Jahren und wurde dazumals abgesegnet von der Generalversammlung der SFL, zu der auch der FC Wohlen gehört. Um den Klubs, insbesondere jenen in der Challenge League mit bescheidener Infrastruktur, Zeit zu geben, die notwendigen Aufrüstungen zu tätigen, setzte die SFL eine Frist.

Gemäss SFL laufe diese am Ende der laufenden Saison ab. Beim FC Wohlen weiss man also schon lange, dass man ohne Stadionsanierung oder den Gang ins Exil in ein Ausweichstadion Gefahr läuft, die Lizenz für 2017/18 nicht zu erhalten.

In den vergangenen Jahren und auch während des aktuellen Lizenzierungsverfahrens wurden die Freiämter mehrere Male von der SFL auf die Behebung der Mängel aufmerksam gemacht – ohne Erfolg. Der FCW lässt es wohl darauf ankommen.

Anständige TV-Bilder gefordert

Wie man hört, könnte die SFL wegen der Schalen- statt Klappsitze ein Auge zudrücken. Doch beim Licht hat sie keinen Spielraum mehr: Ab der kommenden Saison gilt der neue TV-Vertrag mit der Cinetrade AG, von dem die Profiklubs, also auch Wohlen, finanziell enorm profitieren. Statt wie bisher 200 000 Franken erhalten alle Klubs der Challenge League 500 000 Franken als Grundbetrag.

Als Gegenleistung verlangt die SFL eine Infrastruktur, die anständige TV-Bilder erlaubt. In diesem Punkt kennt die SFL kein Pardon, schliesslich muss sie den vertraglichen Pflichten gegenüber der Cinetrade AG nachkommen. Und die SFL will sich nicht lächerlich machen, weil sie Reglemente nicht durchsetzt.

Und so scheint klar und so sagen es Experten voraus: Erfüllt der FC Wohlen die Anforderung von 500 Lux Beleuchtungsstärke in der Niedermatten oder in einem Ausweichstadion nicht, erhält er für die kommende Saison keine Lizenz.

Seitenblick nach Wil

Kommen wir zur Sicht des FC Wohlen. Sie gründet auf den Emotionen und dem gesunden Menschenverstand – und sie ist auf ihre Art ebenfalls richtig. Muss der FCW am Ende wegen zu wenig Licht den Profibetrieb einstellen? Beendet das Fernsehen das Freiämter Fussballmärchen? Gut möglich.

Doch obwohl alles mit rechten Dingen zu und her geht, ist dies aus Sicht des FC Wohlen nur schwer nachvollziehbar. Auch mit Blick nach Wil, wo der FC den Rest der Liga und die eigenen Spieler betrogen hat und dennoch weiterspielen darf (und wohl auch die Lizenz für 2017/18 erhält).

Hoffen auf einen Ausweg

Die Frage, die sich stellt: Sind die Lizenzanforderungen für Schweizer Profiklubs, insbesondere für jene in der Challenge League, nicht zu hoch? Ja, das sind sie wohl. Und im Fall des FC Wohlen auch nicht erfüllbar, weil für die Behebung der Mängel die Gemeinde als Besitzerin des Stadion Niedermatten aufkommen müsste.

Wie man hört, weiss die SFL zurzeit nicht, ob sie guten Gewissens zehn Klubs die Challenge-League-Lizenz für die kommende Saison erteilen kann. Angesichts solcher Zustände scheint es nowendig, das Reglement an den richtigen Stellen zu entschärfen. Klapp- statt Schalensitze? Egal. 500 statt 200 Lux? Egal. Fussball kann trotzdem gespielt werden.

Bleibt zum Wohl des Aargauer Fussballs zu hoffen, dass der FC Wohlen irgendwie einen Ausweg aus der Situation findet – ansonsten kommt es im Stadion Niedermatten zum Lichterlöschen.

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