Motorsport
Die Krolls – ein Aargauer Familienunternehmen auf der Überholspur

Der Aargauer Rennstall Hofor-Racing reiht in der laufenden Saison Erfolg an Erfolg. Der bisher grösste Triumph ist der Sieg am 24-h-Rennen von Barcelona. Damit ist das Team unter die Topten der Welt vorgestossen.

Jessica Widmer
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Das Hofor-Racing-Team mit Martin Kroll, Roland Eggimann, Chantal Kroll und Michael Kroll (v. l.). Foto: ZVG

Das Hofor-Racing-Team mit Martin Kroll, Roland Eggimann, Chantal Kroll und Michael Kroll (v. l.). Foto: ZVG

Eines ist klar: In den Adern der Gebrüder Kroll fliesst definitiv Benzin. Die gebürtigen Deutschen Michael und Martin Kroll fahren leidenschaftlich gerne Autorennen. Ihnen gehört das Hofor-Racing-Team, das den Sitz im aargauischen Eggenwil hat. Den bisher grössten Erfolg feierten die Brüder Anfang September mit dem Gesamtsieg am 24-h-Rennen in Barcelona.

Motorsport überall

Die Leidenschaft für den Motorsport fällt auch beim Betreten des Firmenbüros auf: Die Wände sind mit diversen Plakaten von vergangenen und anstehenden Rennen geschmückt – ob am Nürburgring oder in Dubai, das Hofor-Racing-Team, das den Namen der Reitpension von Martin Kroll und seiner Frau Claudine verdankt, ist am Start.

Im Sitzungszimmer befindet sich eine Playstation, mit der das Team Rennen simuliert, um sich an neue Strecken zu gewöhnen. «Auch in der Formel 1 üben die Fahrer mit Simulatoren. So kann man die Strecke besichtigen, ohne dort sein zu müssen. Das spart Zeit und Geld», erklärt Michael Kroll und schmunzelt, «Deren Simulatoren kosten jedoch ein Vielfaches unserer Playstation.»

Vertrauen in die Tochter

Seit 2004 fährt Michael Kroll bei Autorennen mit – kurz darauf kam auch seine Tochter Chantal dazu. Angst davor, seine Tochter bei diesem gefährlichen Hobby in den Wagen steigen zu lassen, hatte der Wilener nie. «Klar, es ist eine risikoreiche Sportart. Darum bin ich die ersten Mal mit ihr ins Auto gestiegen, um zu sehen, ob sie es im Griff hat», versichert der Gründer von Hofor-Racing. «Nach wenigen Fahrten merkte ich, dass sie ein wirklich gutes Gespür für das Auto hat. Von da an konnte ich beruhigt sein.» Trotzdem leidet der Vater immer mit, wenn seine Tochter während eines Rennens am Steuer sitzt und er tatenlos in der Box zuschauen muss.

Bruder komplettiert Team

Vor drei Jahren stiess Michael Krolls Bruder Martin zum Hofor-RacingTeam. Martin Kroll war zuvor im Dressurreiten sehr engagiert. Seine dortigen Ämter musste er mangels Zeit ablegen, nachdem er sich entschied, bei seinem Bruder einzusteigen.

Von nun an war der Ausdruck Familienunternehmen unumgänglich, und als gemeinsames Ziel nannten die Krolls den Start beim legendären 24-h-Rennen am Nürburgring, an welchem sie 2012 zum ersten Mal teilnahmen und gleich den zweiten Platz in ihrer Klasse erreichten.

Familie als Erfolgsrezept

Dass ihr Team zum grössten Teil aus der Familie und guten Freunden besteht, ist nach eigenen Aussagen auch das Rezept ihres Erfolgs: «Da es für uns eigentlich um nichts geht, weil wir die Rennen aus Freude am Motorsport bestreiten, haben wir auch intern keine Streitereien», erklärt Martin Kroll und fügt an: «Mir ist es egal, wenn mein Bruder schnellere Runden fährt als ich.» Michael Kroll sieht noch einen anderen Grund: «Unser Team fährt nicht die schnellsten Runden, wir haben auch nicht die schnellsten Autos. Dafür fahren wir vorsichtig und machen fast nie etwas kaputt.» Somit spart ihr Team Zeit, während die anderen im Verlauf des Rennens immer wieder Reparaturen an den Boliden vornehmen müssen.

Besonderer Erfolg als Abschluss

Für die hervorragenden Leistungen und den grossen Aufwand, den sie für den Sport betreiben, wurde der Rennstall jetzt belohnt: Seit Neuem gehört das Hofor-Racing-Team nämlich zu den zehn besten BMW-Teams weltweit. Mit dieser Ehrung in Gedanken reisen die Krolls, die während der Saison fast jedes Wochenende auf der Rennstrecke verbringen, im Januar zu ihrem ersten 24-h-Rennen im neuen Jahr nach Dubai und hoffen, an den Erfolg von Barcelona anknüpfen zu können.