FC Aarau

Die Konfrontationstherapie von Stéphane Besle

Stéphane Besle (rechts) im Zweikampf.

Stéphane Besle (rechts) im Zweikampf.

Stéphane Besles Rückkehr in die Neuenburger Maladière hätte wehtun können. Doch die Herzen der Xamax-Anhänger blieben von gröberen Schmerzen verschont. Denn dafür hätte der FC Aarau am Montagabend gewinnen müssen. Es blieb bei einem unglamourösen 0:0.

Zum ersten Mal seit seinem Rauswurf Anfang 2012 stand Besle wieder im Stadion seiner alten Wirkungsstätte. Er erlebte bei Xamax hautnah mit, wie Besitzer Bulat Tschagajew die Finanzen des ehemaligen Super-League-Vereins ins Bodenlose wirtschaftete und die Liga den Traditionsklub wegen ausbleibender Zahlungen in die 2. Liga interregional zwangsrelegierte.

Dabei musste der 32-jährige Besle die Hemmungslosigkeit des skrupellosen tschetschenischen Geschäftsmannes am eigenen Leib erfahren. Im Wutrausch feuerte dieser seinen Captain fristlos – nach sieben Jahren der Treue.

An Bulat Tschagajew hat Besle keine besonders guten Erinnerungen.

An Bulat Tschagajew hat Besle keine besonders guten Erinnerungen.

Mittlerweile hat sich Stéphane Besle von diesem Schockmoment rehabilitiert, spielte drei Saisons unter Coach Jeff Saibene beim FC St. Gallen und verbrachte das letzte halbe Jahr beim französischen Ligue-2-Verein RC Lens. Doch Besle fühlt sich in der Schweiz wohl, vor allem östlich des Röstigrabens. So heuerte der Elsässer noch vor dem Rückrundenstart beim Aarauer Sportchef Raimondo Ponte an, der bei der Klubführung die Verpflichtung des Routiniers initiierte.

Neuchatel Xamax FCS - FC Aarau: Interviews mit Torhüter Steven Deana sowie Cheftrainer Marco Schällibaum

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Unnötigerweise nervös

«Ich habe die letzten zwei, drei Tage nicht gut geschlafen», sagt ein sichtlich erleichterter Besle nach dem torlosen Spiel in Neuenburg. «Es war ein guter Tag, die Rückkehr zu Xamax war sehr emotional.» Aufgeregt hätte er eigentlich nicht sein müssen, denn «das Publikum war wie immer sehr nett».

Zur Partie findet er überwiegend positive Worte: «Das ist ein sehr guter Punkt. Wir wollten nicht verlieren, Xamax ebenso nicht. Ich denke, es ist für beide Mannschaften ein guter Punkt.» Der Elsässer lobt, dass der FCA im 2016 noch ungeschlagen geblieben ist und wagt einen Blick nach vorne: «Wir haben ein Heimspiel (am Sonntag gegen Le Mont, d. Red) vor uns. Danach spielen wir gegen Schaffhausen. In diesen zwei Partien müssen wir vier oder gar sechs Punkte machen.»

Mit den Partien gegen Le Mont und Schaffhausen warten zwei wegweisende Spiele auf den FC Aarau.

Mit den Partien gegen Le Mont und Schaffhausen warten zwei wegweisende Spiele auf den FC Aarau.

Besle weiss, dass beide Teams direkte Konkurrenten im Abstiegskampf sind. Das 0:0 in Neuenburg hat die Situation des FC Aarau in der Tabelle nicht entschärft. Nur dank der besseren Tordifferenz liegt Aarau aktuell auf dem achten Platz vor den punktgleichen Le Mont und Schaffhausen.

Um die Serie der Unbezwingbarkeit nach der Winterpause fortführen zu können, nennt Besle Punkte, die im Spiel des FCA verbessert werden müssen: «Wir müssen mit mehr Vertrauen spielen. Am Spielaufbau hat es etwas gefehlt. Und vorne müssen wir entschlossener auftreten.»

Der Sohnemann musste ins Bett

90 Minuten Vollgas im Kampf um den Ligaerhalt. Keine 90 Minuten war Besles Sohn gegen Xamax dabei. «Er ist nach der ersten Halbzeit nach Hause gegangen, um zu schlafen. Er muss ja zur Schule», sagt der Elsässer. Der Junge wohnt mit seiner Mutter – Besles Ex-Frau – in Neuenburg, während der Vater mit seiner neuen Partnerin im Aargau lebt.

Stéphane Besle mit Freundin Romina Hungerbühler im Brügglifeld.

Stéphane Besle mit Freundin Romina Hungerbühler im Brügglifeld.

Nach drei Spielen steckt der Innenverteidiger noch mitten in der Integrationsphase in Aarau. Die Anhänger müssen ihn erst noch besser kennenlernen. Um die Gunst eines Fans muss der 32-Jährige jedoch besonders buhlen: jene seines Sohnes. «Er war grosser Fan vom FC St. Gallen», lacht er. Das wird sich vielleicht bald ändern: Am kommenden Sonntag soll der Sohnemann erstmals ins Brügglifeld kommen, um seinen Vater anzufeuern.

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