Eishockey
Die Kleeblätter im neuen Schmuckkästchen

Der Drittligist SC Reinach trainiert neuerdings mit weiblicher Unterstützung. In der ungewöhnlichen Trainingsgemeinschaft können die Frauen sowie auch die Männer gegenseitig voneinander profitieren, was die ersten Trainings bestätigen.

Ruedi Burkart
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Trainieren mit den Männern (v.l.): Katerina Flachsova, Raschelle Jaramillo, Coach Thomas Siegwart, Chelsea Jaramillo und Ingvild Farstad.

Trainieren mit den Männern (v.l.): Katerina Flachsova, Raschelle Jaramillo, Coach Thomas Siegwart, Chelsea Jaramillo und Ingvild Farstad.

Ruedi Burkart

Ein interessantes Projekt geht im Wynental in die zweite Runde. Ausländische Spitzenspielerinnen trainieren zweimal wöchentlich zusammen mit Reinachs männlichen 3.-Liga-Akteuren. Thomas Siegwart, ehemaliger 1.-Liga-Eishockeyaner und in der zweiten Saison Coach der Reinacher, ist fasziniert von der ungewöhnlichen Trainingsgemeinschaft: «

Eine für beide Seiten absolut ideale Sache. Meine Männer sind auf dem Eis konzentrierter, sie wollen sich schliesslich nicht blamieren. Die Frauen profitieren ihrerseits von einer gewissen Härte.» Letzte Saison waren zwei Spielerinnen aus der Slowakei dabei, diesmal ist es ein Quartett aus drei verschiedenen Ländern, welches die Wynentaler Männergemeinschaft aufmischt. «Ich habe sofort Hand geboten für diese Idee», so der Coach.

Stolz auf neue Halle

Während Siegwarts Worten nickt Franz Pelloli und schmunzelt. Der TK-Chef der Reinacher NLA-Frauen ist jener Mann, der auch diesen Sommer wieder ausländische Spielerinnen in die Eishalle Oberwynental lotste. Die tschechische Internationale Katerina Flachsova (28), die norwegische Internationale Ingvild Farstad (27) sowie die 22-jährigen Zwillinge Raschelle und Chelsea Jaramillo, schweizerisch-amerikanische Doppelbürgerinnen, sollen mithelfen, nach der schwierigen letzten Saison in der obersten Liga ein ernsthaftes Wort mitzureden – und die eigene Halle wieder zu einer uneinnehmbaren Festung zu machen. Der 1982 erstellte Bau wurde diesen Sommer übrigens umfassend saniert. Ein neues Dach, eine zeitgemässe Beleuchtung, Glasscheiben statt Netze an den Banden, angenehme Garderoben – kurz: Die Spielstätte präsentiert sich nun als wahres Schmuckkästchen. «Wir sind stolz auf unsere Halle», fasst Pelloli die aktuelle Gemütslage beim Wynentaler Klub zusammen.

Hand, Fuss, Englisch und Deutsch

«Wichtig war mir von Beginn weg, dass die Frauen ausser einer eigenen Garderobe keine Sonderbehandlung erhalten», so Coach Siegwart, «abgesehen davon würden sie dies auch nicht wollen.» Heisst: Für die Teambesprechung gehen die vier Spielerinnen in die Männerkabine. Apropos: wird in der Kabine nun wie in manchen Profivereinen Englisch gesprochen? Siegwart winkt lachend ab. «Nein, nein, wir verständigen uns mit Händen und Füssen. Ein bisschen Deutsch hier, ein bisschen Englisch da. Es klappt jedenfalls.»

Vor einem Jahr war Siegwart nicht sicher, was ihn mit weiblicher Präsenz in den Trainings erwarten würde. «Ich war gespannt, wie das herauskommt», gibt er freimütig zu. Nach der ersten Einheit waren viele Bedenken weggewischt. Siegwart: «Ich gebe es gerne zu, ich war hell begeistert. Meine Jungs können vor allem in Sachen taktisches Verständnis von den Frauen viel lernen. Die Spielintelligenz von Spitzenspielerinnen ist eine ganz andere als bei 3.-Liga-Akteuren.» Natürlich, so Siegwart weiter, kämen Schüsse von der blauen Linie weniger scharf als bei den Männern. «Dennoch bin ich sehr zufrieden mit der Situation in den Trainings.» Weniger zufrieden sei hingegen jener Spieler gewesen, welcher einmal von einer Frau «getunnelt» worden war. «Glauben Sie mir: Dies war noch lange Garderobengespräch Nummer 1», lacht Pelloli.

Verbände wollen vier Trainings

Weil die Verbände in den Heimatländern der Spitzenspielerinnen verlangen, dass diese viermal wöchentlich trainieren, kam die geschlechterübergreifende Trainingsgemeinschaft vor einem Jahr zustande. Denn die Reinacher Frauen – sie bilden mit Sursees Novizen A eine Trainingsgemeinschaft – gehen lediglich zweimal aufs Eis.

Doch was machen die Eishockeyanerinnen den lieben langen Tag vor den Trainings? Was tun gegen Langeweile? «Wir sind auf der Suche nach Arbeitsplätzen», so Pelloli. Deutschunterricht erhalten die vier Frauen bereits. Die Norwegerin Farstad spricht nach nur wenigen Wochen in der Schweiz bereits einige Brocken Deutsch. Eine Bleibe haben dank Pellolis Hilfe alle vier gefunden. Während Flachsova mit ihrer Lebenspartnerin zusammenwohnt, haben die Jaramillo-Twins und Farstad im nahen Pfeffikon eine Wohngemeinschaft gebildet.