Es ist Ende August 2014. Erstmals in seiner Karriere unterschreibt Simon Grether einen Vertrag, an dem der FC Basel in keinerlei Form beteiligt ist. Der 22-Jährige hat seine Karriere im Nachwuchs des FCB lanciert und kämpfte sich bis ins Kader des Fanionteams. Unter Trainer Heiko Vogel kam er sowohl in der Super League, als auch im Schweizer Cup und sogar in der Champions-League-Qualifikation zu Teileinsätzen.

Abstecher in die Challenge League

Als Murat Yakin das Traineramt beim FCB übernimmt, wird Grether in die Challenge League ausgeliehen: Zuerst für sechs Monate an die AC Bellinzona, danach für ein Jahr an den FC Winterthur. Als der Vertrag des zentralen Mittelfeldspielers beim FCB im Sommer 2014 ausläuft, meldet er sich beim FC Wohlen und er erhält einen Vertrag bis Ende Jahr.

Nun naht das Jahresende, und noch etwas früher kommt die Winterpause in der Challenge League. Noch zwei Spiele hat Grether Zeit, sich für eine Vertragsverlängerung zu empfehlen. «Ich würde gerne beim FC Wohlen bleiben», sagt er. Grether fühlt sich wohl im Freiamt, ist von Team und Trainer überzeugt. Grether steht mit dem Klub in Kontakt. Die Gespräche über seine Zukunft laufen. Das bestätigt auch die Klubführung: «Ob wir ihn weiter verpflichten können, hängt davon ab, wie sich die Zusammensetzung des Kaders entwickelt», sagt FCW-Präsident Lucien Tschachtli.

Beliebter Klub Wohlen

Als Grether Ende August zum Kader des FC Wohlen stösst, ist der Klub unangefochtener Leader der Challenge League. Keine einfache Situation für einen neuen Spieler, der zu einem funktionierenden Team stösst. «Ich wusste schon im Vorfeld, dass ich wohl nicht gleich zum Stammspieler werden würde. Aber der Konkurrenzkampf gehört im Endeffekt dazu», sagt er. Deshalb nimmt er die Herausforderung an.

Grether ist dem FC Wohlen in erster Linie dankbar, dass man ihm überhaupt eine Chance gegeben hat. Er hat sie genutzt – und wie: Auch wenn er am vergangenen Wochenende gegen Lugano (0:2) nicht zum Einsatz kam, gehört er mittlerweile zur Stammformation. Kommt hinzu, dass er unter Trainer Ciriaco Sforza auf seiner angestammten Position im zentralen Mittelfeld zum Einsatz kommt. Das war zuvor sowohl in Bellinzona als auch in Winterthur nicht sehr häufig der Fall gewesen.

Karrieretief

Vor allem an seine Zeit in Bellinzona hat Grether nicht die besten Erinnerungen. Das hängt allerdings mit jenem Testspiel gegen den FC Zürich im Februar 2013 zusammen. Grether geht resolut in einen Zweikampf gegen Burim Kukeli. Zwar trifft er den Ball, aber auch das Bein des FCZ-Mittelfeldspielers. Dieser bricht sich dabei Schien- und Wadenbein und fällt über ein Jahr aus – Grether wird von der Swiss Football League für vier Partien gesperrt.

Obwohl Grether durch Bellinzonas Rekurs spielberechtigt wäre, lässt ihn der Klub die Sperre absitzen. Aufgrund dieses administrativen Fehlers der Tessiner verpasst er sieben statt vier Spiele. «Das war keine einfache Situation», erinnert er sich.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Es gibt einige Parallelen zu den aktuellen Geschehnissen um den «Fall Wieser». «Wir haben diese Woche zusammen telefoniert», sagt Grether. Er weiss genau, wie sich Sandro Wieser fühlt. Er kann dem FCA-Mittelfeldspieler aber auch Hoffnung machen: «Ich bin heute trotz meiner Vorgeschichte kein anderer Spieler geworden. Am Anfang war es auf dem Platz schon schwierig, aber heute spiele ich wieder unbeschwert.»

Grether und Wieser kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit in Basel. Und genau dahin will Grether, der heute in Riehen wohnt, irgendwann einmal wieder zurück. «Wenn man aus der Region kommt, dann ist das der grosse Traum», sagt Grether. Und vielleicht führt ihn sein Weg früher oder später wieder dorthin zurück, wo er schon einmal Luft vor der grossen Kulisse schnuppern konnte – zum FC Basel.