Knatsch

Die Illusion des Roger Meier: Präsident des FC Klingnau will 10'000 Franken für Tasar-Transfer, der FC Aarau lehnt ab

Klingnau-Präsident Roger Meier will vom FC Aarau Geld für Varol Tasar.

2016 spielte Aarau-Topskorer Varol Tasar einige Monate in Klingnau. Der Präsident der Zurzibieter behauptet, damals Tausende von Franken in Tasar investiert zu haben, und fordert das Geld zurück. Varol Tasar und der FC Aarau widersprechen vehement.

Auch drei Wochen nach der Bekanntgabe, dass Varol Tasar den FC Aarau verlässt und in der nächsten Saison für Servette spielt, kehrt keine Ruhe ein. Zuerst liessen sich die Genfer übertölpeln, in dem sie Tasar zwar ab sofort den Lohn zahlen müssen, dieser aber bis im Sommer seine Tore weiterhin für den Aufstiegskonkurrenten Aarau schiesst.

Dann stellte sich heraus, dass die anfangs kolportierte Ablösesumme von rund 8000 000 Franken zu hoch gegriffen war: «AZ»-Recherchen ergaben, dass der FCA «nur» 500 000 Franken erhält, jedoch bei einem alffälligen Weiterverkaufs Tasar in die Super League oder ins Ausland stark partizipieren würde. So könnte sich die Ablösesumme doch noch in den siebenstelligen Bereich erhöhen.

Und nun die neuste Wendung: Roger Meier, der Präsident des FC Klingnau, meldet Ansprüche an und will an der Transfersumme beteiligt werden. Tasar spielte 2016 einige Monate für die Zurzibieter und gewann mit dem Aargauer Zweitligisten den Cup, ehe er in die U21 des Team Aargau weiterzog.

Varol Tasar (rechts) im Dress des FC Klingnau

  

Meier behauptet, der Entdecker und Förderer von Tasar gewesen zu sein, nachdem dieser die Lust am Fussball nach einem missglückten Abstecher in die zweite türkische Liga verloren habe. Jetzt, wo der FCA Tasar für viel Geld nach Genf verkauft hat, sagt Meier gegenüber der «AZ», ihm stünde ein Stück des Kuchens zu: «Der FC Klingnau hat Varol Tasar nach der schwierigen Zeit in der Türkei die Freude am Fussball zurückgegeben und ihm eine neue Chance gegeben. Er hat 2016 ein halbes Jahr für uns gespielt und einen Monatslohn von 1000 Franken bekommen. Und», fügt Meier mit energischer Stimme hinzu, «dieses Geld kam nicht etwa aus der Klubkasse, sondern von mir persönlich und privaten Sponsoren. Ich habe Tasar vor drei Jahren gefördert. Ich will nur das zurückbekommen, was ich ausgegeben habe. Es geht um eine Summe von rund 10 000 Franken. Diese Entschädigung wäre zu einem Teil für mich, zum andern Teil würde ich sie in die Juniorenabteilung des FC Klingnau investieren.»

Tasar kontert Meier: "Habe keinen Lohn erhalten"

In der vergangenen Woche meldet sich Meier bei FCA-Sportchef Sandro Burki, der den Tasar-Transfer zu Servette ausgehandelt hat. Zwischen Meier und Burki kommt es zu einem intensiven Mailaustausch. Dieser liegt der «AZ» vor.

Meier schreibt Burki, dass er es gewesen sei, der Tasars Talent entdeckt habe, dass er den Spieler und seine Familie finanziell unterstützt habe und dass er Tasar ermuntert habe, im Sommer 2016 in die Nachwuchsabteilung des FC Aarau zu wechseln. Für diese Dienste wolle er eine Prämie, anfangs schreibt Meier von 10 Prozent der Transfersumme (also 50 000 Franken). In einem späteren Mail schraubt er seine Ansprüche auf «einen Pauschalbetrag zwischen 10 000 und 20 000 Franken» runter.

Trotzdem: Aus Aarau wird kein Rappen auf Roger Meiers Konto fliessen. Sandro Burki sagt: «Es gibt für den FC Aarau keinen Grund, dem FC Klingnau einen prozentualen Anteil an der Transfersumme zu bezahlen, da keine schriftliche Vereinbarung vorliegt. Zudem war es gemäss meinen Informationen Varol Tasar, der im Sommer 2016 auf eigene Initiative in den Nachwuchs des Aarau wechselte. Klingnau-Präsident Roger Meier wollte ihn damals nicht gehen lassen.»

FCA-Sportchef Sandro Burki: "Es gibt keinen Grund, dem FC Klingnau einen prozentualen Anteil am Tasar-Transfer zu bezahlen."

   

Burki bietet Meier Hand für eine Kompromisslösung: «Wir haben dem FC Klingnau angeboten, ein Testspiel gegen den FC Aarau auszutragen, von dem die Einnahmen in die Kasse der Klingnauer fliessen.» Die Antwort Meiers auf dieses Angebot steht noch aus. Übrigens: Ein beim Wechsel Tasars abgemachtes Freundschaftsspiel zwischen dem FC Klingnau und dem Team Aargau U21 ging bereits über die Bühne.

Roger Meier hat zwei Probleme

Meiers grosses Problem ist: Er hat nichts Schriftliches in der Hand, mit dem er seine Ansprüche geltend machen kann. Der FC Klingnau und Präsident Meier haben es verpasst, beim Übertritt Tasars von Klingnau ins Team Aargau im Sommer 2016 oder bei Tasars Unterschrift unter den ersten Profivertrag vor der Saison 2017/18 eine Vereinbarung bezüglich einer Beteiligung an einem Transfer zu erwirken.

Das bestätigt Aaraus ehemaliger Sportchef Raimondo Ponte, der Tasar im Sommer 2017 einen Profivertrag gab: «Ich habe damals keine Vereinbarung mit Roger Meier getroffen – weder mündlich noch schriftlich.»

Das zweite Problem für Meier: Tasar widerspricht dem Präsidenten des FC Klingnau in allen Punkten. Gegenüber der «AZ» sagt Tasar: «Ich bekam von Klingnau keinen Monatslohn in Höhe von 1000 Franken. Die Entschädigung belief sich auf Erfolgsprämien: Pro Punkt erhielt ich 100 Franken.»

Eine weitere Behauptung Meiers, Tasars Familie finanziell unterstützt zu haben, verweist dieser ebenfalls ins Reich der Fantasien. Zuletzt wehrt sich Tasar gegen die Aussage, dank Meier in Aarau gelandet zu sein: «Er wollte mich damals in Klingnau halten und hat mir eine Lehrstelle angeboten. Ich habe von mir aus beim damaligen Aarauer Nachwuchschef Sascha Stauch für ein Probetraining angefragt und er hat mich dann ins Brügglifeld geholt.»

"Ich wäre mit Rolex-Uhr zufrieden"

Bleibt Meiers Wunsch nach einer persönlichen Beteiligung am Tasar-Transfer also der Vater des Gedankens? Scheint so. Denn auch Tasars Berater Roland Haselbach, bei dem sich Meier auch noch melden und sich nach einer allfälligen Prämie erkunden will, wird ziemlich sicher nicht darauf eingehen.

Meier wird im Kampf um die ihm seiner Meinung nach zustehenden 10 000 Franken auf Granit beissen. Den Humor scheint er indes nicht verloren zu haben. Meier sagt: «Ich wäre schon mit einer schönen Rolex-Uhr zufrieden. Schliesslich ist Rolex der Hauptsponsor von Servette. Wie wäre es, wenn der FC Aarau mit Servette Kontakt aufnehmen würde und mir eine solche Uhr beschaffen würde...»

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