1:1! Seitfallzieher! Traumtor! Gioele Franzese erzielt für den FC Wohlen kurz nach der Pause den Ausgleich gegen den Favoriten Stade Nyonnais. Wohlen im Glück, aber nicht für lange. Nyonnais reagiert. Und wie. Wohlen kassiert noch vier Tore. 1:5! Dann ist das Spiel zu Ende. Dann ist Winterpause - und der FC Wohlen hat die erste Halbsaison in der Promotion League hinter sich.

Die Niederlage gegen Nyonnais war die achte aus 17 Spielen. Ansonsten resultierten drei Siege und sechs Unentschieden. 15 Punkte. Tabellenrang 14, ein Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Der FC Wohlen kämpft.

Das 1:1 durch Gioele Franzese im Spiel gegen Nyonnais:

Das kommt nicht überraschend. Nach dem freiwilligen Abstieg aus der Challenge League, lancierten die Wohler im August dieses Jahres den Neuanfang in der Promotion League, mit einem neu zusammengewürfelten Team. Der Brasilianer Fabrício Nogueira Nascimento, kurz Piu, wurde vom Assistenz- zum Cheftrainer. Er sah sich mit der Aufgabe konfrontiert, aus diesem Kreis von Spielern eine funktionierende Mannschaft zu bauen.

«Am Anfang gab es Momente, in denen ich zweifelte», gibt er nach der ersten Saisonhälfte zu. «Zu Beginn war kein System vorhanden. Doch es wurde besser. Gegen Ende der Saison stand eine echte Mannschaft mit Qualität auf dem Platz. Aber trotzdem, jeder Spieler muss einen starken Tag erwischen, damit wir ein Spiel zu unseren Gunsten entscheiden können», sagt Piu.

Die Routine fehlt

Denn die Mannschaft ist jung, sehr jung. Genau 23 Jahre beträgt das Durchschnittsalter des Kaders. Die Routine fehlt. «Bei den jungen Spielern stimmt es im Kopf noch nicht ganz. Sie rufen manchmal 100 Prozent Leistung ab, aber fallen dann noch im selben Spiel wieder auf 40. Das nutzen die erfahrenen Mannschaften gnadenlos aus», sagt Piu. Die nötige Routine brachte anfangs noch der langjährige Captain Alain Schultz mit. Doch im achten Spiel der Saison kam der Schock. Schultz zog sich einen Kreuzband-Anriss, einen Innenbandriss und einen Meniskusschaden im rechten Knie zu und fiel für den Rest der Vorrunde aus. Der FC Wohlen stand ohne seine Leaderfigur da.

Zum Glück für den FC Wohlen stiess parallel zur Verletzung von Schultz ein anderer Routinier ins Kader. Marko Muslin, ein 33-jähriger Innenverteidiger, der unter anderem schon in der holländischen Eredivisie und der französischen Ligue 1 spielte, kam auf Leihbasis vom FC Wil ins Freiamt. «Wir hatten schon länger den Bedarf, mehr Routine ins Team zu bringen. Mit dem Transfer von Marko Muslin haben wir eine Lücke geschlossen. Doch die Verletzung von Alain Schultz hat gleich wieder eine aufgerissen», sagt Adrian Meyer, Verantwortlicher der Sportkommission beim FC Wohlen. Zurück auf Feld Null also. Glücklicherweise stellte sich Muslin als würdiger Ersatz für Schultz heraus. «Er hat der Mannschaft Stabilität gegeben und ist sofort zum Leader geworden», lobt ihn sein Trainer.

Der Kampf gegen Platz 15

In der Winterpause werde man sich nach weiteren routinierten Spielern umsehen, sagt Meyer. Gespräche sind bereits im Gange. Wohlen will sich wappnen. Für den Kampf, der kommen wird. «Es geht ums Überleben», sagt Trainer Piu. «Wir müssen kämpfen wie ein hungriger Löwe.»

Am unteren Rand der Tabelle ist es eng. Positiv für Wohlen ist, dass La Chaux-de-Fonds nur sechs Punkte hat und damit so gut wie abgestiegen ist. YF Juventus belegt momentan den zweiten Abstiegsplatz, hat aber nur einen Punkt Rückstand auf Wohlen. Knapp vor Wohlen liegen Zürich II (15 Punkte), Basel II (18) und Münsingen (20). «Wir sind im Abstiegskampf, das ist Tatsache», sagt Meyer. «Und im Abstiegskampf werden die bestehen, die am meisten Zweikämpfe gewinnen, die am meisten kämpfen. Wir müssen uns auf die ursprünglichen Tugenden des Fussballs besinnen.»

Bis Anfang März ist Pause. Dann beginnt der Kampf von Neuem. Und das ausgerechnet beim souveränen Tabellenführer Stade Lausanne-Ouchy.