Was waren das für wunderbare Aussichten für Steven Deana im Sommer 2016: Der Torhüter wechselte vom FC Aarau nach Wil und unterschrieb einen gut dotierten Fünfjahresvertrag. Die türkischen Investoren mit Milliardär Mehmet Nazif Günal an der Spitze lockten Spieler wie Deana mit hohen Salären in die Ostschweiz und versprachen ihnen in sportlicher Hinsicht das Blaue vom Himmel.

Die Voraussetzungen für einen schnellen Aufstieg in die Super League, für ein gigantisches Stadionprojekt und für eine zusätzliche Sportstätte zum Wohl der Nachwuchsabteilung schienen beim kleinen FC Wil gegeben.

Deana glaubte an das grosse Projekt der ausländischen Mäzene und wähnte sich ein Stück weit wie im Schlaraffenland. Er lebte während dreier Monate in einem wunderschönen Hotel und hatte alle Annehmlichkeiten, die sich ein Berufsfussballer wünschen kann. Das Märchen dauerte allerdings nur ein halbes Jahr.

Steven Deana wärmt seinen temporären Stellvertreter im FCA-Tor auf

Steven Deana wärmt im Trainingslager im Januar 2018 seinen temporären Stellvertreter im FCA-Tor auf.

  

Dann war Schluss mit Lustig. Günal und seine Kumpels verloren von einem Moment auf den andern die Lust am kleinen Spielzeug in der Schweiz und stellten den Betrieb und die Lohnzahlungen ein. Spätestens Ende 2016 stand fest: Was so vielversprechend begonnen hatte, endete im Chaos.

Statt mit dem FC Wil nach den Sternen zu greifen, kehrte Deana auf die Saison 2017/18 zum FC Aarau zurück. Die Realität hatte ihn eingeholt. In der Vorrunde lief für den Torhüter alles wie am Schnürchen. Deana war die unumstrittene Nummer eins und zeigte über weite Strecken gute Leistungen.

Weil die Aarauer vor der Rückrunde im Mittelfeld der Tabelle klassiert waren und weder Ambitionen nach vorne noch Befürchtungen nach hinten hatten, entschied Sportchef Sandro Burki nach Absprache mit dem damaligen Trainer Marinko Jurendic, dass Deana die ersten neun, der talentierte Lars Hunn die zweiten neun Spiele bestreiten wird.

Grosses Pech

Ein harter Entscheid für Deana, den er allerdings ohne zu widersprechen akzeptierte. «Fussball ist kein Einzel-, sondern ein Mannschaftssport», erklärt Deana sein Verhalten. «Ich bin ein Angestellter des FC Aarau. Wenn mein Chef etwas entscheidet, muss ich diesen Entscheid mittragen. So läuft es nun mal in diesem Geschäft.»

Klare Worte. Deana blieb also cool und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Und wie so oft im Fussball kam es anders als erwartet: Statt in der zweiten Hälfte der Rückrunde auf der Ersatzbank Platz nehmen zu müssen, verletzte er sich. Er zog sich einen Muskelbündelriss unterhalb des Rippenbogens zu und musste wochenlang pausieren.

Hunn ersetzte ihn, konnte während seiner Einsätze allerdings nicht restlos überzeugen. So stand Deana gegen Ende der Saison wieder zwischen den Pfosten. Mehr noch. Vor dem Startschuss der Saison 2018/19 war klar, dass Deana die Nummer eins des FC Aarau ist. Konkurrent Hunn wurde an GC ausgeliehen.

Steven Deana wusste: «Wenn mein Chef etwas entscheidet, muss ich diesen Entscheid mit tragen. So läuft es in diesem Geschäft.»

Steven Deana wusste: «Wenn mein Chef etwas entscheidet, muss ich diesen Entscheid mit tragen. So läuft es in diesem Geschäft.»

Alles gut? Nein! Die Leidensgeschichte von Deana ist damit noch nicht zu Ende: Kaum hatte die Meisterschaft begonnen, plagte er sich mit einer Bänder- und Sehnenverletzung im rechten Handgelenk herum. Der 28-Jährige bestritt zwar die Spiele gegen Servette, Winterthur und Kriens, musste sich aber Mitte August erneut operieren lassen.

Die Vorrunde war für ihn gelaufen. Am 13. November gibt es einen weiteren Eingriff: Dann werden ihm zwei Schrauben aus dem Handgelenk entfernt. Nach der Winterpause sollte einem geregelten Trainingsbetrieb allerdings nichts mehr im Weg stehen.

«Noch nie so fit wie jetzt»

Mal schauen, wie es mit Deana in der Rückrunde dieser Saison weitergehen wird und ob er sich im harten Konkurrenzkampf gegen die aktuelle Nummer eins Djordje Nikolic behaupten, ja sogar durchsetzen kann. Deana selbst bleibt positiv und blickt voller Optimismus in die Zukunft: «Ich war noch nie so fit wie jetzt», sagt er. «Ich habe in den vergangenen Wochen gut trainiert und bin schneller und sprunggewaltiger als je zuvor.»

Wenn das mal keine guten Voraussetzungen sind! Erfreulich ist auch, dass Deana trotz der persönlichen Rückschläge in den vergangenen zwei Jahren nicht nur an sich, sondern auch an die Zukunft des FC Aarau denkt. Wie sagt er so schön: «Ich möchte im neuen Jahr meinen Teil dazu beitragen, dass die schwierige Saison für den FC Aarau doch noch ein gutes Ende nehmen wird.»