Curling
Die Geduldsprobe hat bald ein Ende

Die Curler des Teams Bern Zähringer um den Solothurner Skip Yannick Schwaller und den beiden Aargauern Romano Meier und Marcel Käufeler stehen vor wegweisenden Wochen.

Marcel Kuchta
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Curling: Schweizer Meisterschaften 2020; Team Bern Zähringer; Skip Yannick Schwaller

Curling: Schweizer Meisterschaften 2020; Team Bern Zähringer; Skip Yannick Schwaller

Céline Stucky Photography / Aargauer Zeitung

Unter normalen Umständen wären die Curler des Teams Bern Zähringer mitten in einer intensiven Wettkampfsaison. Reisen um die ganze Welt, Turniere auf höchstem Niveau gegen die besten Gegner. Doch – wie in fast jeder Sportart – müssen auch die Spitzen-Curler mit den gravierenden Folgen der Corona-Pandemie kämpfen.

Im Falle des Teams um den Solothurner Skip Yannick Schwaller (Recherswil), seinen beiden Aargauer Mitstreiter Romano Meier (Ehrendingen) und Marcel Käufeler (Wettingen) sowie dem Appenzeller Michael Brunner bedeutet das: Trainieren, trainieren und nochmals trainieren. Seit dem Unterbruch der Saison im Oktober trifft sich das Quartett regelmässig im Nationalen Leistungszentrum in Biel. Dort steht eine der Handvoll Curlinghallen, die in der Schweiz überhaupt noch in Betrieb sind.

Das Optimum aus jeder Trainingseinheit herausholen

Was tun also, wenn keine Wettkämpfe mehr stattfinden? «Wir haben uns vorgenommen, das Beste aus der Situation zu machen und ganz einfach das Optimum aus jeder einzelnen Trainingseinheit herauszuholen, damit wir im Vergleich zu unserer Konkurrenz noch besser werden», umschreibt Schwaller das «Mindset» der Equipe.

Bern Zähringer mit Marcel Käufeler (l.) und Romano Meier (r.)

Bern Zähringer mit Marcel Käufeler (l.) und Romano Meier (r.)

Keystone

Um die drohende Monotonie zu vermeiden, habe man bewusst versucht, «immer wieder bestimmte Reizpunkte zu setzen oder auch einmal neue Dinge auszuprobieren», erklärt der 25-Jährige und lobt dabei die Leistungskultur seiner Mitstreiter: «Wir haben in den Trainings nicht einfach Steine gespielt und sind dann wieder nach Hause. Wir haben wirklich versucht, an unserer Technik zu feilen.»

Schwierig zu simulieren sind indes die Wettkampfsituationen. Zwar gab es immer mal wieder Testpartien gegen andere Equipen, aber seit dem Sieg beim Champéry Masters im Oktober fanden keine Turniere mehr statt für Schwaller und Co., die hervorragend in die Saison gestartet waren. Besonders bitter waren natürlich die Absagen der Grand-Slam-Turnierserie in Kanada, die jedes Jahr zu den grössten Highlights im Curling-Sport gehören. «Wir sind uns gewohnt, dass wir an vier von fünf Wochenenden irgendwo spielen», sagt Yannick Schwaller.

Immerhin: Nun tauchen am Horizont endlich wieder die ersten Ernstkämpfe auf. In der zweiten Februarwoche finden in Arlesheim BL die Schweizer Meisterschaften statt. Und im April steht dann der Saisonhöhepunkt, die WM in Calgary/Kanada auf dem Programm. Die soll tatsächlich stattfinden – mit den inzwischen bei internationalen Wettkämpfen üblichen, rigiden Schutzmassnahmen.

Drei Chancen, die Olympia- Quali zu schaffen

Die Weltmeisterschaft ist das erste grosse Etappenziel der Berner Curler. Auch deshalb hängt vom Abschneiden an der Schweizer Meisterschaft extrem viel. Sollten Schwaller und Co. ihren Titel aus dem letzten Jahr verteidigen, dann wären sie an der WM dabei – und würden sich, wenn sie in Calgary nicht gerade einen Totalabsturz erleben, auch gleich für die Olympischen Spiele 2022 in Peking qualifizieren.

Die Zähringer starten im Olympia-Rennen quasi aus der Poleposition. Sollten sie den Meistertitel verpassen, dann hätten sie als Titelgewinner 2020 die Möglichkeit, gegen den neuen Meister noch eine Quali um das WM-Ticket zu spielen. Sollte die Schwaller-Crew auch diesen Vergleich verlieren, dann hätte man im kommenden Herbst aber eine dritte und letzte Chance, den erträumten Schritt nach Peking zu schaffen. «Wir haben uns diese Möglichkeiten mit unserer starken Saison 19/20 verdient», sagt der Solothurner.

Zumal man nicht vergessen darf: Die Olympia-Quali hatte die Zähringer-Crew schon fast definitiv im Sack. Aber die corona-bedingte Absage der WM im letzten Frühjahr sorgte dafür, dass die Karten noch einmal neu gemischt werden mussten.