Handball
Die führende Talentschmiede der Schweiz ist der HSC Suhr Aarau

Der HSC Suhr Aarau verzeichnet in seinem Palmares total 19 Meistertitel bei den Elite-Junioren. Die Erfolge sind das Ergebnis jahrelanger und systematischer Arbeit.

Thomas Kähr*
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Die U15-Elite-Junioren des HSC Suhr Aarau bejubelten vor anderthalb Wochen den Titel – den insgesamt 19. Nachwuchs-Meistertitel des Vereins in der Elite.

Die U15-Elite-Junioren des HSC Suhr Aarau bejubelten vor anderthalb Wochen den Titel – den insgesamt 19. Nachwuchs-Meistertitel des Vereins in der Elite.

Darauf wartet das Fanionteam des HSC Suhr Aarau seit mittlerweile 18 Jahren: den Meistertitel. Im Frühling des Jahres 2000 feierte der damalige TV Suhr seinen zweiten und bislang letzten Triumph in der Schweizer Meisterschaft.

Ganz anders der Nachwuchs des HSC: Gut anderthalb Wochen ist es her, als der Jubel beim Klub-Nachwuchs keine Grenzen kannte. Soeben hatten die U15-Elite-Junioren des HSC unter Leitung des Trainer-Duos Niki Graf und Patrick Strebel den Meistertitel gewonnen.

Es war bereits der 19. Nachwuchs-Titel für Suhr Aarau – eine Zahl, die in jüngerer Zeit in der Schweiz unerreicht ist. Und am Pfingstwochenende hätte daraus noch eine runde 20 werden können, allerdings unterlag die U19-Elite des HSC im Playoff-Final dem Nachwuchs der Kadetten Schaffhausen.

Der HSC als Ausbildungsklub

Das Fundament der Erfolgsstory bildet der strategische Fokus des HSC als Ausbildungsklub. Zahlreiche Spitzenhandballer haben ihreKarriere im Schachen begonnen. «Wir fördern unsere besten Talente gezielt und integrieren sie frühzeitig ins NLA-Kader. Nur so können wir mit den Grossklubs Schritt halten. Zusätzlich schaffen wir damit regionale Verbundenheit», sagt HSC-Cheftrainer Misha Kaufmann.

«Wir fördern unsere besten Talente gezielt und integrieren sie frühzeitig ins NLA-Kader», erklärt HSC-Trainer Misha Kaufmann.   

«Wir fördern unsere besten Talente gezielt und integrieren sie frühzeitig ins NLA-Kader», erklärt HSC-Trainer Misha Kaufmann.   

Alexander Wagner

Das Modell nennt sich «8 plus 8» – mindestens acht Spieler im Fanionteam sollen demzufolge aus dem eigenen Nachwuchs stammen. Das aktuelle Kader erfüllt diese Vorgaben.

Christian Koch, Leiter des Sportamts des Kanton Aargau, zeigt sich über die Arbeit beim HSC erfreut: «Seit Jahrzehnten leisten Trainer und Klubverantwortliche Herausragendes. Da hilft der Kanton gerne mit.» Er muss es wissen: Vor 30 Jahren war Koch als junger Trainer beim damaligen TV Suhr selbst Schweizer Meister in der höchsten Juniorenklasse.

Vom Plausch bis in die NLA

Der HSC hat in den vergangenen Jahren so einiges bewegt. Mit Schulsport-Angeboten, geleitet von den NLA-Spielern als Trainer, hat man den Handballsport ins Klassenzimmer zurückgeholt. Das Handball-Camp im Oktober mit 120 Mädchen und Buben ist jedes Jahr komplett ausgebucht.

Nicht zu vergessen der «M-Talents-Day», das Schulsport-Turnier fand am vergangenen Samstag bereits zum vierten Mal statt. Aber der HSC will nicht nur Handball-Lust entfachen, einen hohen Stellenwert geniesst die gezielte Entwicklung der Talente.

In jeder Nachwuchs-Alterskategorie will der Verein in den beiden höchsten Stärkeklassen vertreten sein, entsprechende Junioren-Betreuung inklusive. In den höheren Alterskategorien gehören auch Einsätze in der 1. Liga beim HV Olten oder den NLB-Klubs aus der Region zum Programm.

Für Schüler, Gymnasiasten und Lehrlinge zertifizierter Lehrbetriebe besteht zudem eine Partnerschaft mit der Sportschule in Buchs und dem Sportgymnasium der Alten Kantonsschule in Aarau. Auf die Akademien der nationalen und internationalen Konkurrenz antwortet der HSC im Rahmen seiner Mittel mitdem Projekt «Jungfalken», in dem Top-Talente aus der U17 und U19 zusätzlich gefördert und betreut werden.

Trend der Professionalisierung nimmt zu

Immer mehr personelle und finanzielle Ressourcen sind nötig, um die Nachwuchsbewegung mit über 200 Jugendlichen an der nationalen Spitze zu halten. Ohne die vielen Freiwilligen, Sponsoren und die öffentliche Hand wäre dies unmöglich. Die Ansprüche an die Qualität der Ausbildung wachsen; der Trend zur Professionalisierung nimmt zu.

Diesstellt die semi-professionelle Führung des HSC mit ihren limitierten Mitteln vor neue Bewährungsproben. Aus dem Stadt- und Dorfverein HSC Suhr Aarau ist längst ein kleines Unternehmen geworden – mit hohen Ambitionen und Ausstrahlung weit über die Kantonsgrenzen hinaus.

Will man mit dem Fanionteam ganz nach oben, ist die weitere Regionalisierung unumgänglich, es sei denn, es fänden sich rund um den HSC neue finanzkräftige Partner. Die Avance Suhr Aaraus zum (damaligen) NLB-Klub Zofingen scheiterte am fehlenden Finanzierungswillen des lokalen Umfelds. Seither herrscht dort Handball-Tristesse.

Ein Blick in die Region Baden wäre eine attraktive Option, allerdings hat man sich dort vor einem Jahr mit einem eigenen Nachwuchs-Förderprojekt in Stellung gebracht (siehe Box rechts). Eine solche gesamt-kantonale Partnerschaft könnte die Zukunft des Spitzenhandballs im Aargau sichern – beim Nachwuchs und in der NLA.

*Thomas Kähr war von 2012 bis 2017 in verschiedenen Funktionen in der Klubführung des HSC Suhr Aarau tätig. Von 2015 bis 2016 war er Co-Präsident des Vereins.

HSG Aargau Ost: Bald wird daraus ein Verein

Noch in den Kinderschuhen steckt die Professionalisierung der Nachwuchsförderung im Osten des Kantons. Die HSG Aargau Ost wurde vor rund einem Jahr vom TV Endingen zusammen mit neun weiteren Klubs aus der Taufe gehoben.

Das Ziel: Den besten Spielern ein Fördergefäss in der Region anzubieten, damit sie nicht zum HSC abwandern oder den Kanton gar verlassen müssen. Marco Bodmer, der die sportliche Verantwortung in der HSG Aargau Ost trägt, zieht nach dem ersten Jahr eine erfreuliche Bilanz: «Ich bin mehr als zufrieden. Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Klubs läuft sehr gut.»

Die U15 schaffte in ihrer ersten Saison den Ligaerhalt in der Elite-Kategorie, während die U17 und die U19 den angepeilten Aufstieg aus der Inter- in die Eliteklasse verpassten. «Das ist kein Beinbruch. Diese Entwicklung braucht ihre Zeit», sagt Bodmer.

Die HSG Aargau Ost soll ab Sommer von einer Interessengemeinschaft in einen Verein umgewandelt werden. Der STV Baden ist dann nicht mehr mit dabei. Der NLB-Klub hat sich verabschiedet, weil keiner seiner Junioren für das Projekt infrage kommt. (dfs)