Verloren und erschüttert stand Hauswirth auf der Stehrampe des Stadions Grünfeld. Den FCA-Schal hatte er dick um seinen Hals gewickelt. Er fühlte sich elend, niedergeschlagen, leer. Vor einer Woche, nach dem desolaten 1:2 gegen Chiasso, hatte er vor Ärger schnurstracks das Brügglifeld verlassen und eilte in die Stadt. Bei «Musig i de Altstadt» wollte er alles vergessen, ein bisschen chillen und mit Kollegen feiern. Doch das viele Bier, irgendwie kam alles ganz anders; er stürzte in der Altstadt ab.

Musig ide Altstadt

  

Und jetzt das 1:2 gegen Rapperswil-Jona. Sechs Spiele, 0 Punkte, einbetoniert am Tabellenende. Hauswirth spürte, dass ein neuerlicher Absturz keine Option war. Er verharrte einsam auf der Stehrampe. Mittlerweile war im Grünfeld die Nacht hereingebrochen. Nur im Stadion-Restaurant herrschte noch Betrieb. Hauswirth hörte Gelächter und das Klirren von Gläsern.

In der Zeitung hatte Hauswirth gelesen, dass die Spieler vergangene Woche um vier Uhr morgens aufgeboten worden waren. Und im Grünfeld erzählte ihm einer, der es wissen muss, dass die FCA-Betreuer in Kleinbussen mit den Spielern wegfuhren und sie rund 20 Kilometer vom Brügglifeld entfernt in der Gegend von Uerkheim im Dunkeln ausluden. Ohne Handy mussten sie zusammen den Weg zurückfinden. Vier Stunden später waren alle zurück im Brügglifeld und frühstückten zusammen. Zweck dieser Nachtübung: Teambildung.

Hauswirth dachte im Grünfeld über diese «Therapie» nach. Paul Stehrenberger kam ihm in den Sinn. Der ging mit den Spielern jeweils auf den Suhrerchopf und liess sie Bäume umarmen; dabei mussten sie tief ein- und ausatmen, so die Order des Aufstiegstrainers. Harz riechen gebe Kraft, dozierte «Stehri» damals. Lange ist es her. Vielleicht, sinnierte Hauswirth in der Nacht, hilft den FCA-Spielern wirklich nur noch das Umarmen von Bäumen.